WM-Serie Nordèn sprintet Moffatt nieder

Kurzstrecke | 18. Juli 2010
Es war das erwartete Duell – nur nicht zwischen den erwarteten Kontrahenten. Nach einem packenden Rennen konnte sich die Schwedin Lisa Nordèn gegen Weltmeisterin Emma Moffatt durchsetzen. Das deutsche Team zeigte sich erneut verbessert.
Zumindest, wenn es nach den Meinungen der anderen Teilnehmerinnen ging, kamen die großen Favoritinnen für das vierte WM-Rennen der Saison 2010 aus Australien und hießen Emma Moffatt und Emma Snowsill. Moffatt ist die amtierende Weltmeisterin und Vorjahressiegerin des Rennens in Hamburg. Snowsill hatte sich mit einer beeindruckend starken Laufleistung Mitte Juni beim hochdotierten Hy-Vee-Triathlon in Des Moines (Iowa, USA) in den Mittelpunkt gerückt – und prompt jegliche Ambitionen auf den Weltmeistertitel bestritten. Es scheint, als hätte sie bereits da genau gewusst, wie sich das vierte Rennen der Serie entwickeln sollte.

Moffatt schwimmt Snowsill davon

In der ersten Disziplin bekam ihr Favoritenstatus allerdings bereits erste Kratzer. Mit rund 50 Sekunden Rückstand auf die führende Moffatt kam Snowsill zum ersten Wechsel. Auch Andrea Hewitt, die vor dem Rennen gegenüber tri-mag.de noch angekündigt hatte, am schnellsten von allen Teilnehmerinnen schwimmen zu wollen, konnte nicht ganz mit Moffatt mithalten. Als beste Deutsche stieg Kathrin Müller mit elf Sekunden Rückstand auf Moffatt aus dem Wasser, gefolgt von der Hamburg-Siegerin des Jahres 2008, Ricarda Lisk, die sich 19 Sekunden eingehandelt hatte.

Nordén jagt Moffatt

Sofort versuchte Moffatt, ihre gute Ausgangsposition zu nutzen. Gemeinsam mit sieben Konkurrentinnen, darunter Laura Bennett (USA), Daniela Ryf (Schweiz), Andrea Hewitt (Neuseeland) und der aktuellen WM-Zweiten Mariko Adachi (Japan) setzte sie sich vom Rest des Feldes ab. Auf der ersten 5-Kilometer-Runde machten die acht Ausreißer bereits 17 Sekunden auf die erste Gruppe der Verfolger gut, die von der Schwedin Lisa Nordén angeführt wurde. Bitter für die Schwedin, die den Anschluss an die Gruppe nur verpasst hatte, weil sie beim Wechsel Probleme mit ihrem rechten Radschuh hatte. Der Abstand zwischen den Führenden und den schnellsten Verfolgern sollte zwischenzeitlich sogar bis auf über 30 Sekunden wachsen, da die Führungsgruppe bestens harmonierte – bis wohl selbst den schnellsten Damen das Tempo zu hoch wurde. Immer wieder musste beispielsweise die Schweizerin Daniela Ryf, bis dahin Dritte im Gesamtklassement, um den Anschluss kämpfen. In der Folge verloren die Ausreißer an Tempo – wohingegen Lisa Nordén in der Verfolgungsgruppe nicht locker ließ und die Lücke zwischen den beiden Gruppen letztlich nach rund 20 Kilometern tatsächlich schließen konnte.

Bazlen und Lisk attackieren

Mit in die Führungsgruppe gelangten dadurch auch Anja Knapp, Kathrin Müller und Ricarda Lisk, die im Gefolge von Lisa Nordén hingen und von deren Tempoarbeit profitierten. Nicht so viel Glück hatte Emma Snowsill. Durch den großen Rückstand vom Schwimmen hatte sie keine Chance, in eine der vorderen Radgruppen zu gelangen, und verlor bei dem hohen Anfangstempo viel Zeit, hatte nach den ersten 25 Kilometern fast vier Minuten Rückstand auf ihre schärfsten Konkurrentinnen – während vorn zwei Deutsche für Spektakel sorgten. Denn Ricarda Lisk und Svenja Bazlen hatten sich offenbar vorgenommen, dem Publikum bei ihrem Heimrennen etwas zu bieten, und setzten sich gemeinsam vom Feld ab. Dass ihr Ausreißversuch nach nicht einmal fünf Kilometern beendet war, war vor allem dem energischen Nachsetzen der Neuseeländerin Andrea Hewitt geschuldet.

Moffatt und Nordén geben den Takt vor

So ging es also geschlossen zum Wechsel. Lediglich zwei kleinere Gruppierungen um Anja Dittmer, gute zwei Minuten hinter den Favoriten, und Emma Snowsill, mit vier Minuten Rückstand auf die Führungsgruppe ausgestattet, konnten dem Tempodiktat von Moffat und Nordén nicht folgen. Und auch beim Laufen schienen die Australierin und die Schwedin zunächst nicht von ihrer Dominanz ablassen zu wollen. Gemeinsam mit sechs anderen Athletinnen, darunter auch Andrea Hewitt, setzten sie sich von der Konkurrenz ab. Eine Favoritin musste dem hohen Tempo allerdings schon früh Tribut zollen: Daniela Ryf ließ schnell abreißen und kassierte bereits auf der ersten von vier Laufrunden 25 Sekunden Rückstand. Auch Ricarda Lisk fiel schnell weit zurück, hatte nach fünf Kilometern bereits weit über eine Minute Rückstand auf die Führenden.

Nordén sprintet schneller

Ganz vorn ließ Moffatt nicht locker: Runde um Runde führte die Australierin die nun bereits nur noch siebenköpfige Gruppe an. Doch abreißen lassen wollte keine der sieben Sportlerinnen. So kam es, wie es kommen musste: Zielsprint. Etwa 500 Meter vor dem Finish forcierte Moffatt ein letztes Mal das Tempo. Nur Lisa Nordén konnte folgen – und zog 100 Meter vor dem Ziel an ihr vorbei, um das Rennen letztlich mit weniger als einem halben Meter Vorsprung vor Moffatt, der neuen Gesamtführenden, zu gewinnen. Beste Deutsche waren Svenja Bazlen auf Rang 13 und Ricarda Lisk auf dem 15. Platz. Positiv überraschen konnte auch Anja Knapp. Die 21-Jährige absolviert gerade eine Ausbildung und kann sich daher nicht voll auf den Sport konzentrieren – kam aber dennoch auf einen guten 28. Rang, einen Platz hinter Anja Dittmer, der einzigen wirklichen Enttäuschung des Tages aus deutscher Sicht. Emma Snowsill konnte ihren Rückstand noch auf unter drei Minuten minimieren, kam aber dennoch nicht über einen 25. Rang hinaus – und lag damit noch einen Platz hinter der Deutschen Kathrin Müller, die 24. wurde.
Dextro Energy ITU World Championship Series Hamburg
18. Juli 2010, Hamburg
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Lisa NordénSWE18:4359:5634:191:53:53
2Emma MoffattAUS18:161:00:2034:231:53:53
3Aileen MorrisonIRL18:281:00:0934:191:53:55
4Kate RobertsRSA18:351:00:0034:241:53:57
5Vicky HollandGBR18:311:00:0934:231:53:57
6Andrea HewittNZL18:271:00:0834:281:53:59
7Laura BennettUSA18:181:00:2534:291:54:04
8Sarah GroffUSA18:201:00:2234:571:54:36
9Ainhoa MuruaESP18:241:00:1335:071:54:40
10Felicity AbramAUS18:4659:5735:181:54:58
...
13Svenja BazlenGER18:5359:4035:431:55:16
15Ricarda LiskGER18:351:00:0536:031:55:37
24Kathrin MüllerGER18:301:00:0737:091:56:43
27Anja DittmerGER19:061:02:1235:081:57:21
28Anja KnappGER18:4359:5538:091:57:42