Sprint-WM Nordén und Brownlee im Goldrausch

Kurzstrecke | 21. August 2010
Mit dem überraschenden Sieg von Jonathan Brownlee endete in Lausanne die Generalprobe für das große WM-Finale im September in Budapest. Bei den Frauen sicherte sich die Schwedin Lisa Nordén überlegen das erste WM-Einzelgold über die Sprintdistanz.
Die Fußstapfen seines älteren Bruders Alistair sind schon jetzt groß, doch der 20-jährige Jonathan Brownlee ist nach seinem Coup von Lausanne auf dem besten Weg, der Erfolgsspur des amtierenden Weltmeisters zu folgen. Für Lisa Nordén war der hart erkämpfte Titel die perfekte Generalprobe fürs WM-Finale in Budapest, bei dem auch sie noch Chancen auf Gold hat.

Geschichte schreiben

73 Männer und 56 Frauen witterten wenige Wochen vor dem Grand Final der Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series in Budapest die Chance, als erste Medaillengewinner bei einer Einzel-Sprint-WM in die Triathlongeschichte einzugehen. Auf den 750 Metern im nur 21 Grad kalten Genfer See konnte sich in beiden Rennen kein Athlet entscheidend vom großen Feld lösen. Nach weniger als zehn Minuten war der Auftakt dann auch beendet. Danach ergab sich im Rennen der Frauen eine Konstellation, mit der man im Vorfeld rechnen konnte: Gemeinsam mit der amtierenden Weltmeisterin Emma Moffatt nutzte die Schwedin Lisa Nordén auf den ersten kniffligen Radkilometern die Chance zur Flucht. Allein die Schweizerin Daniela Ryf wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Nach einem bemerkenswerten Soloritt fing die 23-Jährige das Führungsduo bei Halbzeit der Radstrecke ein.

Brownlee wagt, und gewinnt

Auch bei den Männern suchten einige im Feld schon auf den welligen 20 Radkilometern die Vorentscheidung. Allen voran Jonathan Brownlee, dessen Bruder Alistair, genau wie die WM-Favoriten Jan Frodeno und Javier Gomez auf den Trip in die Schweiz verzichteten. Doch der Ausflug des jungen Briten scheiterte, so dass die Entscheidung beim Laufen fallen musste. Doch wer dachte, dass Brownlee seinen Motor beim Ausreißversuch überdreht hatte, sah sich schon auf den ersten Metern getäuscht. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Tim Don drückte er derart aufs Tempo, dass sich von seinen fast 50 Verfolgern nur zwei festbeißen konnten. Doch auch Brad Kahlefeldt (AUS) und David Hauss (FRA) konnten bald nicht mehr folgen und als eingangs der zweiten Laufrunde auch Don abreißen ließ, stand der Überraschungssieg von Brownlee fest. Nach dem EM-Gold von Holten (Junioren) im vergangenen Jahr feierte der 20-Jährige aus Leeds damit seinen ersten internationalen Titel in der Eliteklasse. Silber sicherte sich Don. Das rein europäische Podium sicherte der Franzose David Hauss, der Kahlefeldt auf den letzten Metern in die Knie zwang. Auf dem respektablen fünften Platz beendete der frühere U23-Weltmeister Gregor Buchholz das Rennen. Franz Löschke landete auf dem zehnten Rang. Damit gehört das Team der DTU für das Team-Rennen am Sonntag zu den Medaillenanwärtern. Neben den Deutschen brachte nur das britische Team zwei Athleten unter die besten zehn.

Nordén überragend, Ryf rettet Bronze

Im Rennen der Frauen schien es bereits nach dem Radfahren nur noch darum zu gehen, wie die Medaillen unter Nordén, Ryf und der WM-Führenden Moffatt aufgeteilt werden. Mehr als eine Minute vor dem großen Feld schnürte das Trio die Laufschuhe. Mit Bronze musste sich am Ende Lokalmatadorin Daniela Ryf begnügen. Die hatte bei ihrem Parforce-Ritt offenbar zu viel Kraft gelassen, gegen das von Moffatt und Nordén angeschlagene Tempo war die Siegerin des WM-Rennens von Seoul schon auf dem ersten Kilometer am Ufer des Genfer Sees machtlos. Einen möglichen Fingerzeig aufs WM-Finale von Budapest lieferte die entscheidende Attacke um Gold: Als Nordén einen Kilometer vor dem Ziel nochmals das Tempo verschärfte, blieb ihre australische Konkurrentin die passende Antwort schuldig. Die Schwedin bestätigte ihre derzeite Topform, holte den ersten Einzeltitel bei einer Sprint-Weltmeisterschaft und dürfte im Spetember mit einer Riesenportion Selbstvertrauen in ungarische Metropole an der Donau reisen. Für Moffatt blieb Silber. Die Neubrandenburgerin Anja Dittmer wurde als beste Deutsche Zehnte.
ITU Triathlon Elite Sprint World Championship , Frauen
21. August 2010, Lausanne (Schweiz)
0,75 km Swim, 20 km Bike, 5 km Run
1Lisa NordénSWE58:02
2Emma MoffattAUS58:16
3Daniela RyfSUI58:51
4Erin DenshamAUS59:09
5Felicity AbramAUS59:16
6Nicola SpirigSUI59:24
7Carole PeonFRA59:31
8Jodie StimpsonGBR59:35
9Nicky SamuelsNZL59:42
10Anja DittmerGER59:45
ITU Triathlon Elite Sprint World Championship, Männer
21. August 2010, Lausanne (Schweiz)
0,75 km Swim, 20 km Bike, 5 km Run
1Jonathan BrownleeGBR52:57
2Tim DonGBR53:10
3David HaussFRA53:16
4Brad KahlefeldtAUS53:19
5Dan WilsonAUS53:25
6Gregor BuchholzGER53:27
7Bryan KeaneIRL53:33
8Jarrod ShoemakerUSA53:37
9Sven RiedererSUI53:42
10Franz LöschkeGER53:44