Lisa Nordén schenkt ihren Fans bei der Premiere der World Triathlon Series in Stockholm den Sieg.

Jan Sägert / spomedis

Lisa Nordén
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Schweden-Show in der World Triathlon Series Nordén verzückt die Wikinger in Stockholm

Kurzstrecke | 25. August 2012
Lisa Nordén hat dem Druck im heimischen Hexenkessel von Stockholm standgehalten und das WM-Serienrennen über die Sprintdistanz gewonnen. Vor Tausenden begeisterten Fans schüttelte sie die Niederländerin Maaike Caelers und Barbara Riveros Diaz aus Chile auf der Laufstrecke entscheidend ab. Für Anne Haug blieb nur der undankbare vierte Platz.
Als ihre begeisterten schwedischen Fans bei der Siegerehrung auf dem Slottsbacken die Nationalhymne mitsingen, wie man das sonst nur aus Großbritannien kennt, kullern Lisa Nordén ein paar Tränen übers Gesicht. "Du thronst auf Erinnerungen großer ... Tage, da dein Name geehrt durch die Welt flog.", heißt es darin unter anderem. Und Nordén hat ihrem Namen und ihrer Heimat an diesem königlichen Tag wirklich alle Ehre gemacht und die bittere Niederlage bei den Olympischen Spielen damit zumindest ein bisschen in den Hintergrund verdrängt.

Knapp in Schlagdistanz

Wahrscheinlich hätte sich Nordén gern für das Finish in London revanchiert, doch Nicola Spirig verzichtete auf die Reise nach Schweden. So bekam es die 27-Jährige auf dem schwierigen Kurs durch die Alstadt Stockholms "nur" mit der Australierin Erin Densham - in London Dritte -, Titelverteidigerin Barbara Riveros Diaz, einem starken DTU-Team mit der Deutschen Meisterin Anja Knapp und fast 50 weiteren Athletinnen zu tun. Doch das schien Nordén überhaupt nicht zu stören. Im Gegenteil. Angetrieben von ihren Fans schwamm die Schwedin auf den 750 Metern im Strömmen ganz vorn mit. Gemeinsam mit Densham, der Spanierin Caroline Routier und Anja Knapp kletterte sie nach zehneinhalb Minuten aus dem Wasser und zum ersten Mal die Rampe zu ihrem Rad hinauf. Noch in der ersten Runde schlossen Carole Peon (FRA), die Schweizerin Melanie Anaheim und Riveros Diaz zum Spitzenquartett auf, später glückte das auch Rebecca Robisch. Im Gegensatz zu Anne Haug.

Nordén fliegt den Backen hinauf

Die musste in der ersten großen Verfolgergruppe wie so häufig hart arbeiten, um sich die Chance zu erhalten, noch in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Erst in der letzten der fünf Radrunden - kurz vor dem zweiten Wechsel - schaffte auch die schnellste Läuferin unter den deutschen Frauen den Anschluss. "Leider waren da meine Beine schon ziemlich im Eimer", so Haug nach dem Rennen. "Ich musste also erstmal locker loslaufen und meinen Rhythmus finden." Darauf wollten Nordén und Riveros Diaz verständlicherweise nicht warten. Mit der starken Niederländerin Maaike Caelers an den Fersen stürmten das ungleiche Paar über die Kuppe des Slottsbacken (deutsch: "Palast-Piste"). Als dort kurz darauf Jubel aufbrandete, hatte Nordén die ersten Meter zwischen sich und die Chilenin gelegt und war nun nicht mehr aufzuhalten. Eingangs der zweiten Runde brüllten die Fans ihren großen Star förmlich den Berg hinauf, während Diaz 50 Meter dahinter mit Caelers um Platz zwei kämpfte. Diaz verlor dieses Duell und musste sich mit Bronze begnügen. Caelers schaffte mit Silber den größten Erfolg ihrer Karriere. Doch das alles ging im riesigen Jubel um Lisa Nordén unter. Mit einer riesigen blau-gelben Flagge über der Schulter genoss die 27-Jährige aus Kristianstad das Bad in der Menge. "Eine schönere Revanche für die Olympischen Spiele kann man sich nicht wünschen", strahlte Nordén.

Drei Deutsche unter den Top12

Anne Haug fehlten am Ende vier Sekunden zum Podium. Traurig war sie trotzdem nicht. "Ich bin super zufrieden - auch weil ich nicht in Top-Form hierher gekommen bin." Die Erlangerin hatte sich nach den Olympischen Spielen zehn Tage Urlaub gegönnt. Mit Rebecca Robisch und Anja Knapp schafften zwei weitere Deutsche den Sprung unter die besten zwölf. Robisch, die bei den Deutsche Meisterschaften am vergangenen Wochenende noch an den tropischen Temperaturen gescheitert war, wurde sechs Sekunden vor Knapp Zehnte. Damit gehen die Schützlinge von Bundestrainer Roland Knoll in der Mixed-Staffel am Sonntag zumindest mit Medaillenchancen an den Start. Kathrin Müller landete auf Platz 20, Anja Dittmer trabte abgeschlagen als 23. ins Ziel. Sarah Fladung, die auf dem Rad abgehängt wurde, wurde 42. Olympiastarterin Svenja Bazlen hatte ihren Start wegen einer anhaltenden Erkältung kurzfristig absagen müssen.
ITU World Triathlon Series Stockholm | Frauen
25. Ausgust 2012, Stockholm (SWE)
NameNationGesamt0,75 km Swim20 km Bike5 km Run
1Lisa NordénSWE1:00:3610:0632:5016:03
2Maike CaelersNED1:00:4510:3632:2716:04
3Barbara Riveros DiazCHL1:00:5510:1932:2916:22
4Anne HaugGER1:00:5910:3532:2816:25
5Erin DenshamAUS1:01:0410:0632:5416:29
6Non StanfordGBR1:01:1410:2832:3016:33
7Ainhoa MuruaESP1:01:1710:1532:4016:38
8Yuko TakahashiJPN1:01:2010:2432:3416:43
9Alice BettoITA1:01:2810:2232:3416:52
10Rebecca RobischGER1:01:3310:1832:3816:59
12Anja KnappGER1:01:3910:0932:5217:07
20Kathrin MüllerGER1:02:1810:1932:5617:23
23Anja DittmerGER1:02:4710:2232:3418:02
42Sarah FladungGER1:04:0810:3034:1717:45
DNFRicarda LiskGER