Xterra-WM Paterson und Weiss siegen auf Maui

Kurzstrecke | 23. Oktober 2011
Lesley Paterson (GBR) und der Österreicher Michael Weiss haben bei der Xterra-WM auf Maui ihren ersten Titel erobert. Olympiasieger Jan Frodeno und Tour-Legende Lance Armstrong setzten zwar Akzente - verpassten am Ende aber den Sprung unter die besten zehn.
Jan Frodeno dürfte bei seinem als Motivations-Trip deklarierten Xterra-Abenteuer viel Spaß gehabt haben: Gemeinsam mit dem mehrfachen Aquathlon-Weltmeister Richard Stannard (GBR), Ben Allen (AUS) und seinem spanischen Kurzdistanzkollegen Ivan Rana bestimmte der 30-Jährige den 1,5 Kilometer langen Auftakt im Pazifik. Etwas mehr als 20 Minuten benötigte das Quartett für die beiden welligen Schwimmrunden an der Nordwestküste Mauis. Und auch auf dem Mountainbike konnte der Olympiasieger von 2008 einige Zeit vorn mitmischen, bevor ihm die Kräfte dann doch ein wenig ausgingen. Am Ende reichte es für Frodeno gegen die weltbesten Cross-Triathleten zu einem respektablen zwölften Platz.

Armstrong überrascht die Konkurrenz

Weniger aus Spaß, sondern mit klaren sportlichen Ambitionen stand dagegen Lance Armstrong in Maui am Start. Eine Top-Ten-Platzierung hatte der siebenfache Tour-de-France-Sieger im Vorfeld als Minimalziel ausgegeben. Dafür reichte es letztlich zwar nicht, dennoch dürfte der 40-Jährige bei einigen der erfahrenen Offroad-Dreikämpfern vor allem mit seinem Schwimmauftritt für Verwunderung gesorgt haben: Als Fünfter und nur eine halbe Minute hinter der Spitze beendete er die erste Disziplin und zeigte auch danach, dass er seinen Quereinstieg in die Xterra-Szene mit großem Ehrgeiz betreibt. Schon bei Kilometer zehn des tückischen MTB-Kurses übernahm der Texaner die Führung und legte ein Tempo vor, dem nur zwei seiner Konkurrenten folgen konnten: Der Langdistanz- und frühere Mountainbike-Profi Michael Weiss aus Österreich und der Südafrikaner Dan Hugo. Beide hatten sich zur Hälfte der Radstrecke zu einer Zweckgemeinschaft zusammengeschlossen und auf die Verfolgung Armstrongs gemacht. Ein Unterfangen, das erst vier Kilometer vor dem zweiten Wechsel glückte. Hugo hatte sich bei der rasanten Verfolgungsjagd aber offenbar etwas übernommen und musste den Österreicher noch vor dem Zusammenschluss ziehen lassen.

Weiss fährt in eigener Liga

So war es Weiss, der allein zu Armstrong aufschloss, in einem Anstieg erfolgreich attackierte und seine Führung bis zum Laufen noch auf mehr als eineinhalb Minuten ausbaute. In 1:17:30 Stunden lieferte der in den USA lebende Österreicher die schnellste Radzeit des Tages, nachdem er beim Schwimmen noch mehr als drei Minuten auf die Spitze verloren hatte. Hinter ihm erreichte Armstrong - trotz Sturz - die Wechselzone als Zweiter. Das erklärte Ziel verfehlte der Amerikaner letztlich aber klar. Bis auf Rang 23 wurde der Rückkehrer auf den knapp zehn kräftezehrenden Laufkilometern durchgereicht. Auf den Plätzen drei und vier wechselten der vierfache Xterra-Weltmeister Conrad Stoltz (RSA) und dessen Landsmann Hugo in die Laufschuhe.

Weiss verwaltet, Hugo holt auf

Weiss war da schon einige hundert Meter enteilt. Ein Vorsprung, der dem 30-jährigen Wiener letztlich zum Titel reichte: Nach dem zweiten Platz (2008) und zwei dritten Rängen (2009 und 2010) überquerte der Österreicher die Ziellinie in Kapalua erstmals ganz vorn und sicherte sich nach 2:27:00 Stunden den größten Erfolg seiner Karriere. Hugo scheiterte auch mit seiner zweiten Aufholjagd - dürfte mit Platz zwei aber dennoch hochzufrieden sein. 30 Sekunden fehlten dem Südafrikaner zum Sieg. Der dreimalige Xterra-Weltmeister Eneko Llanos, der wie Weiss bei den Ironman World Championship vor zwei Wochen gescheitert war, holte sich bei seinem sechsten Maui-Start Platz drei. Keine Medaille, aber die beste WM-Platzierung seiner Karriere sicherte sich Ronny Dietz. Knapp anderthalb Minuten Rückstand auf Llanos bedeuteten den starken siebten Platz für den Deutschen Meister aus Chemnitz. Schnellster Agegrouper war Alexander Haas aus Georgensgmünd, der als 13. der Gesamtwertung nur 17 Sekunden nach Jan Frodeno finishte. Dessen Kumpel und früherer Trainingspartner Conrad Stoltz musste seinen Traum vom fünften WM-Titel auf der Laufstrecke begraben - mit Atemproblemen gab der Altmeister aus Südafrika auf.

Paterson: Wütend nach ganz vorn

Im Rennen der Frauen fiel die Entscheidung um den WM-Titel erst auf den letzten beiden Laufkilometern. Zuvor hatte es lange nach dem nächsten Sieg der kanadischen Top-Favoritin Melanie McQuaid ausgesehen. Die Weltmeisterin von 2003, 2005 und 2006 hatte die ihr Rad mit mehr als sechs Minuten Vorsprung auf die spätere Siegerin Lesley Paterson in der Wechselzone abgestellt. Bis sich wenige Meter vor dem Ziel dramatische Szenen abspielten. Das Ziel vor Augen brach die Kanadierin völlig entkräftet zusammen und musste sofort ärztlich versorgt werden. Damit war der Weg frei für Paterson, die nach einem Reifenschaden mit einer großen Portion Wut im Bauch und auf Rang vier zum Laufen wechselte. Die setzte die 31-Jährige auf den entscheidenden Kilometern in die Sieg bringende Energie um. In 43:54 Minuten war die Schottin in den Laufschuhen genauso schnell wie Männersieger Michael Weiss – und erreichte das Ziel nach 2:45:59 Stunden als neue Xterra-Weltmeisterin. Zwei Minuten später folgte ihr Europameisterin Marion Lorblanchet aus Frankreich. Dritte wurde die Tschechin Helenaa Erbenová. Die Schweizerin Renata Bucher schrammte zum zweiten Mal nach 2005 um wenige Sekunden an einer WM-Medaille vorbei.
Xterra World Championship, Frauen
23. Oktober 2011, Maui Hawaii (USA)
1,5 km Swim29,5 km Bike9,8 km RunGesamt
1Lesley PatersonGBR24:151:35:4043:542:45:59
2Marion LorblanchetFRA24:171:34:5046:502:48:08
3Helena ErbenováCZE27:531:34:2747:032:51:51
4Renata BucherSUI26:141:31:3752:002:52:02
5Danelle KabushCAN29:001:34:3148:442:54:35
Xterra World Championship, Frauen
23. Oktober 2011, Maui Hawaii (USA)
1,5 km Swim29,5 km Bike9,8 km RunGesamt
1Michael WeissAUT23:341:17:3043:542:27:00
2Dan HugoRSA21:421:21:3942:272:27:33
3Eneko LlanosESP21:541:21:4742:492:28:26
4Josiah MiddaughUSA24:201:19:1243:512:29:14
5Ivan RanaESP20:271:24:5442:262:29:31
6Olivier MarceauSUI22:281:21:1444:012:29:40
7Ronny DietzGER22:331:20:5544:182:29:47
8Richard UssherNZL23:351:21:5342:432:29:54
9Jan KubicekCZE24:281:22:3042:042:30:54
10Christopher LeghAUS23:431:24:1141:312:31:10
...
12Jan FrodenoGER20:241:25:4745:272:33:20
13Alexander HaasGER23:381:22:5645:132:33:37
23Lance ArmstrongUSA20:591:21:2452:402:36:59