Die perfekte Taktik Petzold koordiniert nach London

Kurzstrecke | 27. Mai 2012
Maik Petzold hat endgültig Frieden mit Madrid geschlossen: Als Sechster des WM-Serienrennens sicherte er sich das Ticket zu den Olympischen Spielen in London. Eine gute Schwimmleistung, Überzeugungs- und Motivationskünste gaben den Ausschlag.
Maik Petzold hatte es im Winter schon einmal angekündigt: "Madrid, das ist eine Strecke, die mir sehr liegt und gefällt", hatte der Bautzener damals im Rahmen einer Triathlonveranstaltung gesagt, als er über die noch weit in der Zukunft liegende Olympiaqualifikation sprach. "Durch die anspruchsvolle Radstrecke ist das Schwimmen in Madrid sehr wichtig - das spielt mir in die Karten."

"Unheimlicher Druck"

Wenige Tage vor dem Rennen wollte Petzold das so nicht mehr bestätigen. Nicht, weil es nicht stimmte, sondern, weil er "unheimlich unter Druck" stand - "so sehr wie noch nie zuvor", wie er später im Ziel zugab. "Der beste Allrounder", sagte er wenige Tage vor dem Rennen, sei es, der sich auf dem Weg nach London durchsetzen werde. Er wollte sich nun nicht mehr in die Karten schauen lassen.
Doch ob nun bester Allrounder oder bester Schwimmer im DTU-Team: Maik Petzold war an diesem Sonntag in Madrid beides. Beim Schwimmen hielt er sich hinter dem Slovaken Richard Varga und dem Franzosen Aurelien Raphael konstant auf dem dritten Platz, direkt an seinen Füßen: des amtierenden Weltmeisters jüngerer Bruder, Jonathan Brownlee. Dieses Quartett war es, das das Tempo auf den 1,5 Kilometern gestaltete und das Feld bald in mehrere Teile riss. Lediglich Christian Prochnow, als 17. aus dem Wasser gestiegen, konnte sich mit 17 Sekunden Rückstand anfangs noch Hoffnungen machen, schnell den Anschluss zu schaffen. Die anderen verloren mehr Zeit: Franz Löschke 43 Sekunden, Jonathan Zipf 55, Gregor Buchholz sogar 1:40 Minuten. Sie mussten darauf hoffen, dass das dünne Feld an der Spitze bummeln, sich nicht einig werden würde. Die Hoffnungen wurden nicht erfüllt.

Brownlee ordnet sich Petzold unter

Denn an der Spitze bildete sich eine Neunergruppe, die sich sogar sehr einig war. Sie baute den Vorsprung auf die schnellsten Verfolger um Christian Prochnow auf der ersten von acht Runden um zehn Sekunden aus - und dann realisierten man, dass gute Chancen bestanden, durchzukommen. "Ich habe immer wieder mit Jonathan Brownlee geredet", sagte Maik Petzold. "Jonathan wurde am Berg immer etwas zu schnell. In unserer Gruppe gab es ein kleines Leistungsgefälle, ich habe darauf geachtet, dass jeder seine Stärken ausspielen und mithelfen kann", erzählte Petzold. "Ich weiß aus Erfahrung, dass so eine Gruppe dann die größten Chancen hat, wenn sie gleichmäßig fährt", erklärte der Bautzener - und wies Brownlee an, es an den Bergen langsamer angehen zu lassen. Das tat der - "und hat sich dann immer wieder bei mir erkundigt, ob das Tempo so in Ordnung ist." Den Rest der Gruppe motivierten Petzold und Brownlee gemeinsam, indem sie ihnen zwei Minuten Vorsprung bis zum Wechsel in Aussicht stellten. "Dann haben alle mitgezogen. Es war einfach nur schön", sagte Petzold.
Denn die Gruppe funktionierte nicht nur perfekt, sie fuhr auch tatsächlich zwei Minuten Vorsprung auf die Verfolger, die sich bald zu einer großen Gruppe mit allen Deutschen außer Gregor Buchholz zusammengeschlossen hatten, heraus. "Die Gruppe hat nur so gut funktioniert, weil Maik Petzold uns koordiniert hat", berichtete später Jonathan Brownlee. So ging es mit neun Athleten in den zweiten Wechsel - und nur eine Top-Acht-Platzierung brauchte Petzold für das erhoffte Olympiaticket. Da passte es ihm gerade so in den Kram, dass einer seiner Begleiter, Alessandro Fabian (ITA), fast eine Minute nach seiner Wechselbox und den Laufschuhen suchte.

Russisches Trio vor Petzold

Sicher war sich Petzold seiner Sache aber erst auf der letzten Runde . "Ich habe immer die deutsche Konstellation im Auge behalten", erklärte er. Und während er fast die gesamte Strecke in einer Gruppe um die Plätze vier bis sechs lief, zog an der Spitze erwartungsgemäß Jonathan Brownlee einsam seine Runden, schon weit dahinter als Zweiter der Russe Alexander Bryukhankov. "Beim Radfahren hatte ich sehr viel investiert", erläuterte Petzold später, warum er seine Olympiaqualifikation nicht auch noch mit einer Podiumsplatzierung krönte. "Auf der letzten Runde war ich mir dann sicher, dass ich das Ding in der Tasche habe - ab da habe ich gejubelt." Vor ihm liefen noch zwei weitere Russen, Dmitry Polyanskiy und Ivan Vasiliev, ein, dann hatte Petzold als - zunächst - Fünfter seine Fahrkarte zu den Spielen sicher. Der Italiener Fabian bekam nach dem Zieleinlauf eine 47-sekündige Zeitgutschrift für die verschwundenen Schuhe zugeschrieben und verdrängte Petzold somit nachträglich noch auf Platz sechs: Ein anderer Athlet, der das Rennen aufgegeben hatte, habe die Schuhe versehentlich mitgenommen. An Petzolds Qualifikation ändert das aber nichts.
Hinter Petzold lieferten sich Jonathan Zipf, Christian Prochnow und Franz Löschke ein heißes Duell um die Rolle des zweitbesten Deutschen - und vielleicht auf die Chance, zu profitieren, sollte Petzold auf dem Weg ins Ziel noch etwas passieren oder Jan Frodeno doch nicht rechtzeitig fit werden. Bis ins Ziel blieb das Trio immer eng beieinander - bis Löschke und Prochnow mit dem bis auf Platz zwölf stark auflaufenden Zipf nicht mehr ganz Schritt halten konnten. Zwei Plätze hinter Zipf rette Prochnow noch eine Sekunde vor Franz Löschke, der starker 15. wurde, ins Ziel. Auch Gregor Buchholz gab das Rennen, obwohl sehr weit abgeschlagen, nicht auf und finishte auf Platz 41.
Dextro Energy Triathlon Madrid 2012 | Männer
27. Mai 2012, Madrid (Spanien)
NameNationGesamt1,5 km Swim40 km Bike10 km Run
1Jonathan BrownleeGBR1:51:4917:491:01:3930:57
2Alexander BryukhankovRUS1:52:2917:551:01:3831:35
3Dmitry PolyanskiyRUS1:52:5517:511:01:4332:01
4Ivan VasilievRUS1:53:1817:581:01:3132:26
5Alessandro FabianITA1:54:1117:561:01:3631:44
6Maik PetzoldGER1:53:3317:481:01:4332:40
7Hirokatsu TayamaJPN1:53:3617:521:01:4132:40
8Aurelien RaphaelFRA1:53:5317:461:01:4432:59
9Mario MolaESP1:54:2319:231:02:4630:56
10Carlos Javier QuincharaCOL1:54:3418:311:03:2831:06
12Jonathan ZipfGER1:54:4418:401:03:2031:22
14Christian ProchnowGER1:54:5018:011:04:0031:27
15Franz LöschkeGER1:54:5118:271:03:3431:29
41Gregor BuchholzGER1:57:3819:261:03:0133:48