Ralf Ebli: "Einfach nur kein Pech - mehr muss ich uns gar nicht wünschen!"

Ein Topresultat sprang für die deutschen Triathleten beim WM-Auftakt in Abu Dhabi zwar noch nicht heraus, trotzdem war DTU-Cheftrainer Ralf Ebli mit ihrem Abschneiden bereits sehr zufrieden. Für die zweite Station erhofft er sich nun noch etwas mehr - auch wenn er glaubt, dass Weltmeisterin Gwen Jorgensen kaum noch Schwächen hat.

Von > | 26. März 2015 | Aus: SZENE

Buchholz und Ebli in Saarbrücken | Ralf Ebli und Gregor Buchholz

Ralf Ebli und Gregor Buchholz

Foto >DTU/Jo Kleindl

Ralf Ebli, drei Wochen nach dem WM-Auftakt in Abu Dhabi ruft am Wochenende schon Auckland zu Runde zwei. Schwimmen deutlich verbessert, Laufen noch ausbaufähig – wäre Ihnen dieses Fazit zum Auftakt zu einfach?
Nein, das kommt schon hin. Im Schwimmen haben wir unsere deutlichen Fortschritte wirklich in Rennleistung umsetzen können, und auch in Sachen Platzierungen sind wir mit unserem Abschneiden insgesamt zufrieden – auch wenn wir sicher noch nicht absolut vorn dran sind. Mit den Leistungen unserer drei Damen Rebecca Robisch, Hanna Philippin und vor allem der Debütantin Laura Lindemann (Plätze 11 bis 13, d. Red.) sind wir sehr glücklich, gerade auch läuferisch. Justus Nieschlag und Franz Löschke haben unsere Erwartungen, sich zumindest unter die besten 30 zu kämpfen, erfüllt. Dass unser Top-Mann Gregor Buchholz kurz vor dem Rennen mit dem Rad gestürzt ist und wegen einer Gehirnerschütterung nicht starten konnte, ist natürlich unglücklich. Dass unser Aushängeschild Anne Haug in der Wettkampfsituation die nach ihrer langwierigen Verletzung noch fehlenden Laufkilometer zu spüren bekommt und etwas zurückfällt, aber vollkommen nachvollziehbar.

Laura Lindemann wird das Rennen in Auckland aber trotz ihres starken WTS-Debüts auslassen. Ist die olympische Distanz für sie noch zu lang?
Naja, zum Einen ist Laura ja noch eine Juniorin – und außerdem schulpflichtig. Für das Rennen in Abu Dhabi haben wir schon eine Sonderregelung mit der Schule gesucht, das wäre in den Wochen bis Auckland nun zu viel geworden. Und sie zu verheizen, indem wir sie extra für das Rennen einfliegen, wäre auch nicht zielführend. Laura wird weiterhin punktuell ihre Einsätze in der WM-Serie bekommen, dafür hat sie sich in Abu Dhabi wirklich beeindruckend empfohlen.

Anne Haug war dort zunächst mutig in einer Gruppe um Rang fünf angelaufen, dann aber auf Platz 16 zurückgefallen. Wie schnell kann sie wieder zu alter Stärke finden?
Sie ist bereits auf einem sehr guten Weg. Ich sehe sie binnen der nächsten Wettkampfwochen bis Kapstadt (25./26. April) schon wieder in den Top Ten. Man muss bei ihr zudem auch anerkennen, dass sie in Abu Dhabi gut geschwommen und zusammen mit Weltmeisterin Gwen Jorgensen (USA) aus dem Wasser gestiegen ist. Wenn sie daran anknüpft, ist bald wieder mit ihr zu rechnen. Was nun schon in Auckland möglich sein könnte, ist sehr schwierig abzuschätzen. Der anspruchsvolle Kurs dort kommt ihr mit ihren Qualitäten auf dem Rad jedenfalls entgegen.

Inwieweit kann man in den drei Wochen zwischen beiden Rennen eigentlich überhaupt noch Trainingsreize setzen?
Die Zeit ist natürlich knapp. Von Abu Dhabi stand direkt die Weiterreise nach Ozeanien an, in Kombination mit der Wettkampfbelastung hatte dementsprechend die Regeneration oberste Priorität. Danach kam noch ein kleiner Grundlagen- und Motorik-Block, wobei wir darin vor allem auf Radeinheiten gesetzt haben, mit Blick auf die Strecke in Auckland auch in profilierterem Gelände. Zum Schluss gab es noch ein paar simple spezifische Wettkampfvorbelastungen – das war es dann auch schon.

Sie sprachen es an: Nach einem flachen Sprint in Abu Dhabi folgt nun der größtmögliche Gegensatz in der WM-Serie: eine profilierte olympische Distanz, viele halten es für das anspruchsvollste Rennen im Kalender. Bietet das vielleicht sogar Chancen für Angriffe auf Läuferinnen wie Gwen Jorgensen?
Auf jeden Fall ist die Leistung unserer Athleten auf dem Rad sehr gut, weswegen uns das Format entgegenkommt sollte. Ausschließen kann man nichts. Zunächst einmal müssen wir aber unsere Schwimmergebnisse aus Abu Dhabi bestätigen und dann schauen, für welche Radgruppen das jeweils reicht. Aber eines muss man auch sagen: Das Bild von Gwen Jorgensen, wie sie beispielsweise 2013 beim Grand Final in London dem Feld hinterrollte, wird es so schnell wohl nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen sie auf dem Rad Probleme hatte, sind vorbei. Anne trainiert in Australien mit Gwen zusammen, deswegen wissen wir, dass Jorgensen, auch durch ihren Lebensgefährten, der aus dem Radsport kommt, große Fortschritte im Radfahren gemacht hat. In allen Topographien. Im Moment ist sie nur ganz, ganz schwer zu schlagen. Da ist die Gefahr, dass ihr im Schwimmen mal ein Ausrutscher passiert oder sie sich vielleicht verkühlt, mittlerweile größer, als dass sie das Rennen auf dem Rad verliert.

In der DTU-Trainingsgruppe in Ozeanien trainieren zur Zeit auch die zuletzt verletzten Anja Knapp (Knochenödem) und Steffen Justus (Schulter-OP nach Radsturz). Wie geht es den beiden?
Sie machen große Fortschritte! Anjas Leistungen auf dem Rad und im Schwimmen sind gut bis sehr gut, beim Laufen sind wir dabei, sie nach und nach langsam heranzuführen. Steffen verblüfft uns momentan alle, er entwickelt sich erstaunlich gut – und das nicht nur beim Laufen. Auch beim Schwimmen ist er fast schon wieder auf Vorjahresniveau. Ein Renneinsatz in Ozeanien kommt für ihn trotzdem noch nicht in Frage. Wenn wir nach dem Wettkampf-Block aus Ozeanien zurückkommen, wird er noch einmal ärztlich untersucht werden. Aber das medizinische und physiotherapeutische Team hat schon jetzt einen großartigen Job gemacht.

Auch Gregor Buchholz (Gehirnerschütterung) und Justus Nieschlag (Rückenprobleme) haben zuletzt mit dem Training aussetzen müssen. Sind die zum Rennen in Auckland schon wieder auf der Höhe?
Gregor konnte schon etwas früher wieder mit dem Training beginnen als Justus und hat mittlerweile auch wieder an die Leistungen, die er vor Abu Dhabi abgerufen hat, anknüpfen können. Das macht uns sehr optimistisch. Justus kann erst seit zehn Tagen wieder trainieren, hat in den Belastungstests aber gut abgeschnitten. An den Start gehen wird er daher jedenfalls auch.

Mit welcher Zielsetzung reisen Sie also nach Neuseeland?
Alle drei Damen (Hanna Philippin, Rebecca Robisch und Anne Haug, d. Red.) unter den Top 20, davon eine unter den besten Zehn – das sollte unser Ziel sein. Bei den Männern gibt es vielleicht ein paar Fragezeichen mehr. Ich denke, dass Franz Löschke gegenüber seinem 29. Rang in Abu Dhabi schon wieder etwas weiter sein könnte, vielleicht sogar schon mit Potenzial für eine Top-20-Platzierung. Wenn Justus Nieschlag seine Leistung aus Abu Dhabi trotz der Probleme der letzten Wochen bestätigt, ist das gut. Gregor Buchholz' enormes Leistungsvermögen und seine Laufstärke sind mittlerweile bekannt, aber auch die taktischen Unwägbarkeiten, auch durch das Schwimmen. Insgesamt bin ich aber sehr optimistisch. Das Team ist motiviert, es ist physisch und psychisch in sehr gutem Zustand, die Stimmung ist klasse. Ich muss mir für Auckland daher nicht einmal Glück wünschen – es würde schon reichen, wenn wir diesmal kein Pech hätten.