Meisterlich Robisch und Justus in Grimma vorn
Alles war angerichtet für den Sieg von Lokalmatator Maik Petzold. Einige Tausend Zuschauer waren an die Mulde und in die Innenstadt der sächsischen Kleinstadt Grimma gekommen, um den Bautzener zum zweiten nationalen Titel nach 2003 zu schreien. Auch das Wetter war perfekt. Dennoch sollte es nicht sein. Vor allem auf den 20 verwinkelten und mit einigen steilen Rampen gespickten Radkilometern riskierte Petzold alles. "Da fällt man eben auch mal auf die Nase", resümierte die große Hoffnung der Sachsen später mit einem Schulterzucken und ergänzte: "Vor heimischem Publikum war es mir das aber heute wert."
"Da musst Du voll reinhalten"
Gemeinsam mit Steffen Justus, dem Briten William Clarke und einer Handvoll weiterer Athleten war der WM-Dritte von 2009 nach 750 Schwimmmetern und neuneinhalb Minuten aus der Mulde geklettert. Gleich am ersten knackigen Anstieg, wenige Meter nach dem Wechsel aufs Rad, setzte er dann die Attacke. Die saß, denn weder Justus noch die Mitfavoriten Jonathan Zipf oder Christian Prochnow konnten kontern. Allein William Clarke hielt das Hinterrad seines Teamkollegen vom Ejot Team Buschhütten. Doch der war im Kampf um den nationalen Titel ohnehin keine Gefahr, sodass sich beide in der Führungsarbeit abwechseln und ihren Vorsprung auf die Verfolger schnell auf einige Sekunden ausbauen konnte. "Auf dieser kurzen Distanz musst Du einfach voll reinhalten und das habe ich gemacht", erklärte Petzold später seine taktischen Überlegungen.
Leere Akkus bei Petzold
Hinter dem Duo kämpften Titelverteidiger Steffen Justus und die Anderen verbissen darum, den Rückstand auf das perfekt harmonierende Duo in Grenzen zu halten. "Mehr als 30 Sekunden wollten wir ihn auf dem Rad keinesfalls weglassen", sagte Justus nach dem Rennen. Etwa 20 waren es schließlich beim zweiten Wechsel auf dem Grimmaer Markplatz. Doch während Clarke in den engen Gassen schnell seinen Rhythmus fand, wirkte Petzold schon auf den ersten Metern ausgelaugt und müde. Im Ziel hatte er eine einfache Erklärung: "Ich habe in dieser Saison als einziger Deutscher alle WM-Rennen bestritten. Die Akkus sind einfach leer." Nicht mehr ganz voll dürften auch die von Steffen Justus gewesen sein. Doch der 29-jährige Jenaer quetschte auf den fünf Laufkilometern den letzten Saft heraus, kassierte erst Petzold, dann auch noch Clarke. An den wie entfesselt laufenden Südafrikaner Richard Murray kam er zwar nicht mehr heran - zur Titelverteidigung reichte es dennoch. Der Endspurt von Jonathan Zipf auf der Zielgerade kam zu spät - er musste sich mit Silber zufrieden geben. Bronze sicherte sich der U23-Weltmeister von 2007, Gregor Buchholz. Franz Löschke, einer von Buchholz' Nachfolgern, landete noch knapp vor Petzold auf Platz sechs und ist damit der neue Deutsche Meister in der U23-Klasse.
Alles unter Kontrolle
Schwere Beine hatte nach eigener Aussage auch Rebecca Robisch, die neue Deutsche Meisterin und Freundin von Steffen Justus. Dass es dennoch zum ersten Titel bei den Senioren reichte, lag zweifellos an der soliden Schwimmleistung der 23-Jährigen. Die hatte sie auf internationaler Bühne zuletzt immer wieder weit zurückgeworfen. In London war sie an der Seite von Anne Haug etwa zweieinhalb Minuten nach den besten Schwimmerinnen aus dem Wasser gestiegen. Dieses Mal stürmte sie nur rund 15 Sekunden nach Carina Brechters und einige Meter hinter Kathrin Müller zum ersten Wechsel. Eine glänzende Ausgangsposition, um gleich auf der ersten Radrunde die Kontrolle des Rennens zu übernehmen. Mit Kathrin Müller und Anja Knapp am Hinterrad wurde der Vorsprung auf die laufstarke Anne Haug immer größer. Die hatte im Wasser rund 50 Sekunden auf die Schnellsten verloren und war später im Ziel ob der Prügeleien in der Mulde untröstlich. An der Wendeboje habe sie sich mit einem Fuß in ein paar Leinen verfangen, so Haug. "Danach sind alle über mich drüber geschwommen", ärgerte sie sich.
Hätte, wenn und aber
Zurecht. Denn die 28-Jährige aus Bayreuth hätte das Rennen wohl gewonnen - wäre sie beim zweiten Wechsel etwas näher an Müller und Robisch dran gewesen. So reichte es für Haug, die fast 30 Sekunden schneller lief als Siegerin Robisch, immerhin noch zu Bronze. Wirklich zufrieden sah sie nach dem Zieleinlauf dennoch nicht aus. Ganz anders die neue Deutsche Meisterin. Die zweitbeste Laufzeit reichte Rebecca Robisch, um Kathrin Müller auf den fünf Kilometern durch Grimma auf Distanz zu halten und es ihrem Freund gleich zu tun. Neun Sekunden lagen im Ziel zwischen Robisch und Müller, die sich im Ziel in die Arme fielen. In zwei Wochen kämpfen beide in Peking um die verbleibenden zwei Olympiatickets für 2012. Dann könnte sich Robisch einen weiteren Traum erfüllen: "Es wäre toll, wenn Steffen und ich im nächsten Jahr gemeinsam nach London fahren könnten."
| Internationale Deutsche Meisterschaften 2011, Frauen | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 28. August 2011, Grimma | ||||||
| 0,75 km Swim | 20 km Bike | 5 km Run | Gesamt | |||
| 1 | Rebecca Robisch | GER | 10:54 | 33:34 | 17:27 | 1:02:37 |
| 2 | Kathrin Müller | GER | 10:44 | 33:41 | 17:37 | 1:02:46 |
| 3 | Anne Haug | GER | 11:39 | 33:40 | 17:01 | 1:03:10 |
| 4 | Anja Knapp | GER | 10:52 | 33:33 | 18:20 | 1:03:30 |
| 5 | Christiane Pilz | GER | 11:13 | 34:13 | 17:35 | 1:03:45 |
| 6 | Hanna Philippin | GER | 11:10 | 34:11 | 17:43 | 1:03:49 |
| 7 | Juliane Straub | GER | 11:42 | 33:42 | 17:54 | 1:04:02 |
| 8 | Sarah Fladung | GER | 11:14 | 34:01 | 18:29 | 1:04:40 |
| 9 | Sophie Drews | GER | 11:11 | 34:08 | 19:00 | 1:05:07 |
| 10 | Jutta Schäfer | GER | 10:51 | 34:28 | 18:53 | 1:05:07 |
| Internationale Deutsche Meisterschaften 2011, Männer | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 28. August 2011, Grimma | ||||||
| 0,75 km Swim | 20 km Bike | 5 km Run | Gesamt | |||
| 1 | Richard Murray | RSA | 9:55 | 30:01 | 14:47 | 55:23 |
| 2 | Steffen Justus | GER | 9:32 | 30:23 | 14:58 | 55:32 |
| 3 | Jonathan Zipf | GER | 9:40 | 30:12 | 14:59 | 55:33 |
| 4 | Gregor Buchholz | GER | 9:49 | 29:48 | 14:58 | 55:37 |
| 5 | William Clarke | GER | 9:37 | 29:44 | 15:39 | 55:44 |
| 6 | Franz Löschke | GER | 10:05 | 29:47 | 15:30 | 56:05 |
| 7 | Maik Petzold | GER | 9:31 | 29:55 | 16:03 | 56:09 |
| 8 | Tony Dodds | NZL | 9:40 | 30:20 | 15:38 | 56:16 |
| 9 | Justus Nieschlag | GER | 9:42 | 30:13 | 15:54 | 56:26 |
| 10 | Martin van Barneveld | NZL | 9:56 | 29:56 | 15:55 | 56:30 |









