Setzt Sebastian Kienle in Heilbronn seine Berg- und Talfahrt durch die Saison fort? (Archivbild)

Jens Richter / spomedis

Sebastian Kienle
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CityTriathlon Heilbronn Säbelrasseln vor dem Showdown

Kurzstrecke | 21. Juni 2012
Zwei Wochen vor dem Triathlonwochenende des Jahres wollen sich die deutschsprachigen Topstars beim CityTriathlon in Heilbronn auf Betriebstemperatur bringen. Tauschen Sebastian Kienle und Andreas Böcherer wieder die Plätze? Oder bringen Timo Bracht, Ronnie Schildknecht und Daniel Unger das Favoritenduo aus dem Konzept?
So richtig erklären lässt sich der rasante Aufstieg des CityTriathlons Heilbronn nicht. Er kam, sah - und mit Caroline Steffen und Sebastian Kienle siegten schon im Premierenjahr 2010 zwei Stars der Szene. Auch Timo Bracht, Andreas Böcherer und Daniel Unger folgten schon damals dem sicher nicht ganz unlukrativen Ruf des Veranstalters. Fakt ist: Binnen drei Jahren hat es die frühere Reichsstadt im Norden Baden-Württembergs geschafft, eins der attraktivsten Triathlonevents in Deutschland zu etablieren. Auch 2012 steht wieder die Crème de la crème der deutschsprachigen Langdistanz-Szene an der Startlinie.

Warmlaufen für Roth und Frankfurt

Und für die Top-Profis dürfte das Rennen über die verlängerte Mitteldistanz auch dieses Mal wieder mehr als nur Aufgalopp für die Ironman-EM in Frankfurt, die Challenge Roth oder ein anderes Langdistanz-Highlight sein. Nach seinem starken Saisonauftakt in Texas und Buschhütten haderte Sebastian Kienle vor zwei Wochen bei der Challenge Kraichgau noch mit sich selbst. Es sei einfach nicht sein Tag gewesen, analysierte er kurz und nüchtern. Jammern auf hohem Niveau, sagen die einen, ein kleiner Schuss vor den Bug, meinen die anderen. In jedem Fall wird Kienle in Heilbronn hochmotiviert sein, denn ein gutes Ergebnis bringt dem 27-Jährigen sicher eine kräftige Brise Rückenwind auf dem Weg zu den Ironman European Championships in Frankfurt am 8. Juli. Wo sich Andreas Böcherer die fehlenden Punkte zur Hawaii-Qualifikation holen will, ist noch sein Geheimnis. Klar ist dagegen, dass der Freiburger am Sonntag mit Startnummer 1 ins Rennen geht. Denn bei seinem Sieg im vergangenen Jahr demütigte Böcherer nicht nur Titelverteidiger Kienle, sondern auch den Rest des Feldes.
Der "Rest" - das sind auch dieses Mal klangvolle Namen. Zum Beispiel Timo Bracht. Den zweimaligen Ironman-Europameister zieht es am 8. Juli nach Roth. Sein Vorteil gegenüber den Konkurrenten: Er hat das Hawaiiticket schon in der Tasche. In Heilbronn wird er es wie vor zwei Jahren schwerhaben, mit Kienle und Böcherer mitzuhalten. Doch Bracht ist ein Taktiker: Sollte sich eine Chance bieten, wird er sie nutzen. So wie der Schweizer Ronnie Schildknecht, der am Neckar seinen Einstand gibt und am liebsten Landsfrau Caroline Steffen auf den Thron folgen würde. 2012 lief es bisher glänzend für den 32-jährigen Eidgenossen. Nach Platz zwei in Südafrika schlug er beim Ironman 70.3 Texas im April sogar Michael Raelert und wurde Dritter.

Umsteiger und Geheimfavorit

Wie Böcherer, Bracht und Kienle ist auch der frühere Kurzdistanz-Weltmeister Daniel Unger in Baden-Württemberg zu Hause. Dass das nicht der einzige Grund für den zweiten Heilbronn-Auftritt des frischgebackenen Vaters eines kleinen Mädchens ist, liegt auf der Hand: Erst vor wenigen Wochen musste der 34-Jährige seinen Traum von den Olympischen Spielen begraben - seine Tage auf der Kurzstrecke scheinen gezählt zu sein. Vor zwei Jahren kassierte Unger allein auf den 70 Radkilometern sechs Minuten und landete am Ende etwa vier Minuten hinter Kienle auf dem vierten Platz. Seine Form lässt sich nach den sporadischen Starts im Continental Cup der ITU nur schwer einschätzen. Unterschätzen werden ihn seine Konkurrenten schon allein deshalb nicht.

Duell der Generationen

Zwölf Jahre geballte Triathlonerfahrung liegen zwischen den Stars des Frauenrennens. Trotz oder gerade wegen ihrer 45 Jahre fliegt die Schweizerin Natascha Badmann unermüdlich über die Triathlonkurse dieser Welt. Ein Sieg über Ironman-Europameisterin Caroline Steffen ist - das weiß auch die sechsfache Ironman-Weltmeisterin - praktisch unmöglich. Daran ändert auch das kleine Formtief Steffens rund um den Ironman 70.3 in St. Pölten nichts. Alles andere als ihre Titelveteidigung wäre eine Überraschung. Erst 23, und damit gerade einmal halb so alt wie Badmann, ist Eva Wutti. Wenn die junge Österreicherin, einer der  Shootingstars der vergangenen 70.3-Saison, nicht in Ehrfurcht vor den großen Namen erstarrt, ist sie zumindest eine Anwärterin auf einen Podiumsplatz.
tri-mag.de ist am Sonntag vor Ort und berichtet für Sie aus Heilbronn von den Elite- und Agegrouprennen.

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