Schafft sie den vierten Sieg in Folge? Anne Haug beim WM-Auftakt in Auckland.

Delly Carr / triathlon.org

Anne Haug Auckland
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World Triathlon Series 2013 San Diego: Alle gegen Anne Haug

Kurzstrecke | 18. April 2013
In San Diego steigen die Hauptkonkurrentinnen Anne Haugs um den WM-Titel in die ITU World Triathlon Series ein - und das Vorjahresrennen liefert ihnen eine Vorlage dafür, wie sie die derzeit überragende Deutsche schlagen könnten. Die allerdings geht das Rennen mit zusätzlichem Selbstbewusstsein an.
Im Grunde ist es nur eine Zahlenspielerei, eine Randnotiz aus einem auf den Spitzenpositionen mittlerweile kaum mehr bedeutsamen Ranking. Doch wenn Anne Haug in der Nacht von Freitag auf Samstag (Start 0:30 Uhr MESZ) wie schon beim WM-Auftakt in Auckland vor zwei Wochen die "1" auf ihre Beine und Arme kleben wird, dann ist das vor dem zweiten WM-Rennen der Saison im US-amerikanischen San Diego nicht nur ihre Startnummer, resultierend aus ihrer Position im aktuellen WM-Ranking. Es heißt auch: Zum ersten Mal seit Anja Dittmer im Jahr 2004 steht wieder eine Deutsche an der Spitze der ITU Points List. Ein Ranking, über das unter anderem internationale Startplätze vergeben werden und das nicht nur die besten Athleten dieser Saison belohnt, sondern das bis zu zwölf Ergebnisse der vergangenen 24 Monate berücksichtigt. Es ist das ITU-Ranking, das am stärksten auf die Konstanz von Sportlern schließen lässt. Dieses Ranking führt Anne Haug nach ihrem Sieg beim WM-Auftakt an - und das mit 400 Punkten Vorsprung vor Barbara Riveros Diaz (CHI) nicht einmal knapp.

Das Vorjahresrennen als Blaupause?

Die Deutsche, das haben auch die letzten Konkurrenten spätestens nach Haugs Saisonsiegen in Mooloolaba und Auckland verstanden, hat sich gemausert von einer, die mit viel Einsatz und ein wenig Glück den Sprung in die erste Gruppe vor dem Laufen schaffen kann hin zu einer, die diesen Sprung kontinuierlich und schnell schafft - sofern sich die Konkurrenz nicht etwas einfallen lässt. Das letzte Mal, dass ihnen das gelang, war bei den Olympischen Spielen in London, als beispielsweise die Briten aus teamtaktischen Gründen geschlossen gegen Haug arbeiteten. Das letzte Mal in einem regulären Rennen aber hielt man Haug vor fast einem Jahr von der Spitzengruppe fern: Mit einer Zweckgemeindschaft starker Radfahrerinnen beim damals zweiten WM-Serienrennen in San Diego. Genau dort zieht es die besten Athletinnen auch an diesem Wochenende wieder hin. Für Anne Haug ist das ein aus mehreren Gründen gefährliches Pflaster.
Der zumindest etwas wellige, aber trotzdem schnelle Radkurs in San Diego kommt Anne Haug grundsätzlich zwar entgegen, doch er spielt auch potenziellen kleinen Gruppen in die Karten, die sich früh auf der Radstrecke aus den schnellsten Schwimmerinnen bilden könnten - so, wie es einer Achter-Gruppe um Erin Densham (AUS) und Helen Jenkins (GBR) im vergangenen Jahr bereits gelang. Beide sind in diesem Jahr nicht dabei. Dafür aber einige andere starke Schwimmerinnen, die großes Interesse daran haben, der laufstarken Konkurrenz auf dem Rad um die möglicherweise entscheidenden Sekunden zu enteilen.

Findlay zurück - und zurückhaltend

So gehören beispielsweise die Deutsche Anja Knapp, die Französin Jessica Harrison und die nach einem Ermüdungsbruch erst seit wenigen Wochen wieder im Lauf-Aufbautraining befindliche Niederländerin Rachel Klamer aktuell nicht zu den stärksten Läuferinnen, wohl aber zu den Athletinnen, die in der Auftaktdisziplin für Druck sorgen können und sich über etwas Vorsprung auf der Laufstrecke nicht ärgern würden. Auch Sarah Groff (USA), Andrea Hewitt (NZL), die in Auckland unter einer Gehirnerschütterung litt, und Emma Moffatt sind in Normalverfassung gute Schwimmerinnen - und können noch dazu sehr schnell laufen. Als hilfreich könnte sich auf der zu erwartenden Aufholjagd für Haug erneut eine junge Australierin erweisen: Denn auch Ashleigh Gentle steigt in San Diego in die Serie ein. Allerdings ist die 23-Jährige nicht nur eine unkonstante Schwimmerin, sondern als herausragende Radfahrerin und Läuferin vor allem im Finish auch eine ernstzunehmende Konkurrenz für Haug. Genau deswegen würde die es sicher gern vermeiden, die Australierin mit an die Spitze zu ziehen. "Mutiger anschwimmen" wolle sie deswegen, kündigte die Deutsche vor dem Rennen an.
Ebenfalls gefährlich werden könnten Haug in dem stark besetzten Rennen in San Diego neben Gentle, Hewitt, Groff und Moffatt die Australierin Felicity Abram, die Chilenin Barbara Riveros Diaz, Gwen Jorgensen (USA), Jodie Stimpson (GBR) und bei ihrem ersten Auftritt in der WM-Serie deren Landsfrau, die enorm laufstarke U23-Weltmeisterin Non Stanford, die im März bei einem Straßenlauf die zehn Kilometer bereits in 32:39 Minuten gelaufen ist und die ihre Konkurrenz beim Europacup in Quarteira (POR) vor zwei Wochen deklassierte. Auch die Kanadierin Paula Findlay setzt nach ihrem sportlichen Absturz - mit dem letzten Platz bei den Olympischen Spielen als Tiefpunkt - wieder zu einem Aufschwung unter ihrem neuen Coach Joel Filliol an - noch, zeigt sich Findlay vor dem Start zurückhaltend, sei sie nicht die schnelle Läuferin, die sie einmal war. Das DTU-Team um Knapp und Haug ergänzt wie bereits in Auckland die Neubrandenburgerin Anja Dittmer.

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