Schomburg siegt, 100 scheitern an Wellen und Cut-off

Die Marke Red Bull steht im Sport für extreme Events. Wind und Wellen trugen dazu bei, dass die auf dem Papier so harmlos anmutende Kurzdistanz Red Bull Tri Islands auf den Nordseeinseln Amrum, Föhr und Sylt zum Extremsport wurde. Jonas Schomburg und Hanna Winkler haben sie gewonnen, 100 Sportler sind gescheitert.

Von > | 17. August 2015 | Aus: SZENE

Red Bull Tri Islands: Siegerehrung Männer | Die Premierensieger der Red Bull Tri Islands: Malte Bruns (2.), Sieger Jonas Schomburg und Mirko Appel (3.)

Die Premierensieger der Red Bull Tri Islands: Malte Bruns (2.), Sieger Jonas Schomburg und Mirko Appel (3.)

Foto >Marc Müller

Keiner der 388 gemeldeten Teilnehmer wusste so wirklich, was bei der Premiere der Red Bull Tri Islands auf ihn zukommen würde: Das sportliche Inselhopping bestand aus 2,5 Kilometern Schwimmen von Amrum nach Föhr, dem dortigen 40 Kilometer langen Radfahren und - wenn das Radziel nach 2:50 Stunden erreicht würde - einem 10,8 Kilometer langen Lauf durch die Dünenlandschaft um am Strand von Sylt. In der Theorie recht einfach - doch die Nordsee wollte es anders.

Wellen und Strömungen verlängern Schwimmstrecke

Denn welche Anforderungen das Schwimmen an die Teilnehmer stellen sollte, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen - denn weder das 2,5 Kilometer entfernte Ziel ließ sich aus Augenhöhe der Schwimmer jenseits der Wellen immer ausmachen noch die Strömungen, die dazwischen lagen. Und so fächerte sich das Feld bald nach dem Start weit auf, zahlreiche Schwimmer kreuzten immer wieder ihre Bahnen und versuchten, zwischen Wellen und Strömungen dem Strand vor der Kurhaus von Utersum näherzukommen. Über tatsächliche Schwimmdistanzen zwischen 3 und 5,5 Kilometer berichteten einige mit GPS-Uhren ausgestattete Teilnehmer später gegenüber tri-mag.de

Red Bull Tri Island (Schwimmstrecke Michael Lorenz) | Michael Lorenz benötigte 1:06:11 Minuten für die offiziell 2,5 km lange Schwimmstrecke. Die Aufzeichnung seines GPS-Geräts analysiert er: \"Ich hätte gedacht, dass ich noch viel mehr Zickzack geschwommen bin\", sagt der Sportler der Hamburger Triabolos, der auf Gesamtrang 152 das Ziel auf Sylt erreichte. \"Aber auch so bin ich auf 3.450 Meter gekommen, also der direkte Weg war es nicht gerade. Man sieht das die Strömung einen ziemlich weit raus gezogen hat und ich weiß von einigen, die noch viel weiter nördlich auf Föhr angekommen sind.\"

Michael Lorenz benötigte 1:06:11 Minuten für die offiziell 2,5 km lange Schwimmstrecke. Die Aufzeichnung seines GPS-Geräts analysiert er: "Ich hätte gedacht, dass ich noch viel mehr Zickzack geschwommen bin", sagt der Sportler der Hamburger Triabolos, der auf Gesamtrang 152 das Ziel auf Sylt erreichte. "Aber auch so bin ich auf 3.450 Meter gekommen, also der direkte Weg war es nicht gerade. Man sieht das die Strömung einen ziemlich weit raus gezogen hat und ich weiß von einigen, die noch viel weiter nördlich auf Föhr angekommen sind."

Foto >Michael Lorenz (GPS)

Am besten zurecht mit diesen Bedingungen kam am Ende einer der besten Schwimmer der weltweiten Triathlongeschichte: Jan Sibbersen hatte nach 37:31 Minuten wieder festen Boden unter den Füßen, erst knapp zwei Minuten später erreichte Jonas Schomburg aus Hannover, der sich derzeit im Trikot der Türkei für die Olympischen Spiele 2016 in Rio zu qualifizieren versucht, die erste Wechselzone.

Schafe blöken Schomburg nach vorn

Die Radstrecke führte die Teilnehmer zwei Runden durch den ländlichen Nordteil der Insel Föhr. Radwanderer kennen das Areal: Flach, verkehrsarm, windanfällig. Und von Schafen gesäumt. Die quittierten es mit lautem Blöken, als Schomburg Sibbersen auf der zweiten Runde stellte und sich als Erster ein Fährticket für die Überfahrt nach Sylt schnappte.

Je zwölf Rad-Finisher durften gemeinsam ein Schnellboot besteigen, um zum finalen Lauf nach Sylt überzusetzen. Für den Cut-off dafür hatten sich Veranstalter und Behörden auf 16:50 Uhr geeinigt, also 2:50 Stunden nach dem Start - schließlich führt der Kurs und auch die Überfahrt durch den Nationalpark Wattenmeer. Was auf dem Papier so machbar klang, wurde für gut hundert Triathleten zum Problem: Sie mussten den abfahrenden Booten hinterherschauen und durften die Laufstrecke nicht mehr in Angriff nehmen. "Die letzten Biker mit Kurs auf die Knockout-Grenze bekamen schon auf der Strecke vom Motorrad aus gesagt, dass es gut aussieht. Und wurden mit demselben Ansporn durch die Wechselzone noch durchgelassen runter zum Steg", sagt Martin Schmitt, der um wenige Sekunden an der strengen Regelauslegung scheiterte. "Wir waren zu acht. Dann wurde der Cut gemacht, hinter uns in T2. Aber leider auch vor uns am Steg! Mit aller Konsequenz - gut so bei den strengen Auflagen von den Inseln - aber ein Schlag in acht Gesichter ..."

Schomburg hat leichtes Spiel

Drüben auf Sylt hatte Jonas Schomburg derweil leichtes Spiel. Der im internationalen Kurzstreckenzirkus aufstrebende Hannoveraner lief eine Minute schneller als der Paderborner Malte Bruns und schrieb als erster Sieger der Red Bull Tri Islands ein Stück norddeutscher Triathlongeschichte. Auch die Plätz 3 für den Wolfsburger Mirko Appel und 4 für den OIdenburger Olaf Geserick gingen wie das Steuerrad für den Sieger nach in Niedersachsen.

Red Bull Tri Islands | Männer

Amrum, Sylt und Föhr | 16. August 2015

Platz

Name

Verein

Gesamt

2,5 km Swim

40 km Bike

10,8 km Run

1

Jonas Schomburg

SC Hannover

3:00:26

39:20

1:04:18

38:40

2

Malte Bruns

  1. TC Paderborn

3:01:33

42:37

1:06:23

39:54

3

Mirko Appel

VfL Wolfsburg

3:05:26

44:21

1:08:24

43:35

4

Olaf Geserick

Oldenburger Bären

3:05:56

44:36

1:08:44

44:47

5

Maik Sobiech

Lebensfitness

3:07:13

46:03

1:07:44

45:20

6

Bastian Schalk

WVC Kassel

3:07:55

46:55

1:05:32

46:05

7

Jan Sibbersen

Triabolos Hamburg

3:08:42

37:31

1:14:45

47:01

8

Jan Regenfuß

guilty76racing

3:11:30

47:17

1:08:25

49:48

9

Hendrik Bedewitz

VfL Wolfsburg

3:11:44

45:08

1:10:09

50:03

10

David Krüger

TuS Neukölln

3:12:12

40:25

1:10:34

50:22

Swipe me

Winckler auf dem Rad überragend

Bei den Frauen pflügte Nicole Thele von der SG Wasserratten Norderstedt in glatten 43 Minuten durch die wenig glatte Nordsee, erst dreieinhalb Minuten später gefolgt von der ehemaligen Profitriathletin Simone Bürli aus der Schweiz. Auf dem Rad schloss Hanna Winckler von TriAs Flensburg mit einer überragenden Performance zur Spitze auf, beim Laufen entschied diese den Showdown gegen Bürli klar für sich. Dritte wurde Kai Sachleber von den Oldenburger Bären.

Red Bull Tri Islands - Siegerehrung Frauen | Daniel Unger gratuliert den Siegerinnen: Simone Bürli (2.), Siegerin Hanna Winckler und Kai Sachleber (3.)

Daniel Unger gratuliert den Siegerinnen: Simone Bürli (2.), Siegerin Hanna Winckler und Kai Sachleber (3.)

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Red Bull Tri Islands | Frauen

Amrum, Sylt und Föhr | 16. August 2015

Platz

Name

Verein

Gesamt

2,5 km Swim

40 km Bike

10,8 km Run

1

Hanna Winckler

TriAs Flensburg

3:21:08

0:52:30

1:06:45

47:37

2

Simone Bürli

TV Dresden

3:21:57

0:46:35

1:14:42

48:24

3

Kai Sachleber

Oldenburger Bären

3:28:52

0:53:05

1:15:17

52:37

4

Katharina Völkel

TT Braunschweig

3:31:31

0:47:15

1:20:33

55:17

5

Katharina Schmidt

Triabolos Hamburg

3:32:02

1:00:23

1:13:15

53:15

6

Nicole Thele

Wasserr. Norderstedt

3:32:28

0:43:00

1:15:03

58:57

7

Janikke Börner

Trisport Schwerin

3:37:13

0:53:37

1:20:41

58:41

8

Marit Schröder

Kaifu TT Hamburg

3:37:35

0:55:13

1:17:42

59:59

9

Kira Lehn

Tri Michels Hamburg

3:37:42

1:04:17

1:13:43

52:01

10

Manuela Dierkes

Tri Michels Hamburg

3:38:35

0:58:42

1:16:05

53:28

Swipe me

283 der 388 gemeldeten Teilnehmer durften am Ende die Scampi-Spieße beim Ziel am Strand von Hörnum genießen. Und das Gefühl, bei einer ganz großen Triathlonpremiere dabei gewesen zu sein: einer Extrem-Kurzstrecke, die vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und die hoffentlich eine Fortsetzung erfahren wird, denn sowohl für die Triathleten als auch für die vielen Touristen - allein an der Wechselzone auf Föhr und am Ziel auf Sylt wurden 10.000 gezählt - ist dieses aufwendige Event eine echte Bereicherung.

Am Cut-off gescheitert | Per Fähre zurück nach Dagebüll statt per Schnellboot nach Sylt: Nach dem ersten Schock bessert sich die Laune bei einem Teil der am Cut-off gescheiterten Triathleten.

Per Fähre zurück nach Dagebüll statt per Schnellboot nach Sylt: Nach dem ersten Schock bessert sich die Laune bei einem Teil der am Cut-off gescheiterten Triathleten.

Foto >Martin Schmidt