Hamburg Shoemaker siegt überraschend

Kurzstrecke | 26. Juli 2009
Jarrod Shoemaker hat überraschend das fünfte Rennen der World Championship Series in Hamburg gewonnen. Steffen Justus wurde als bester Deutscher Vierter, Maik petzold kam auf den sechsten Rang.
Das fünfte Rennen der Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series war eines der spannendsten der bisherigen Saison - und Maik Petzold wusste um seine Chance, dass er mit einem guten Ergebnis die WM-Führung würde übernehmen können. Denn die besten drei der Gesamtwertung, der britische Überflieger Alistair Brownlee, der spanische Titelverteidiger Javier Gomez und der Franzose Laurent Vidal nahmen sich eine Auszeit und waren nicht nach Hamburg gereist.

Petzold setzt auf die Laufstrecke

"Das Schwimmen lief heute sehr gut", sagt Petzold, der sich in der Auftaktdisziplin stets unter den besten Fünf behauptete und nach dem Franzosen Aurélien Raphael und dem Australier Joshua Maeder als Dritter aus dem Wasser stieg. Auf dem Rad fand sich der Bautzener plötzlich in einer kleinen Führungsgruppe wieder, musste aber eingestehen, dass sich seine Beine heute "nicht so locker wie sonst schon einmal" anfühlten. Auch seien es nicht die richtigen Athleten gewesen, mit denen sich ein Alleingang gelohnt hätte - darum habe er sich passiv verhalten und auch keine Initiative übernommen, als später eine andere Gruppe ausriss. Erst in der fünften oder sechsten Runde habe ich kurz überlegt, ob ein Ausreißversuch Sinn macht", sagt Petzold. "Doch wenn die anderen meinen Namen lesen, lassen sie mich ja auch nicht mehr so gern fahren." Also ließ es Petzold auf eine Entscheidung auf der Laufstrecke ankommen.

Prochnow steigert Marktwert bei Liveübertragung

Dort arbeitete ein anderer Deutscher zunächst an seinem Marktwert: Christian Prochnow, einziger DTU-Athlet unter den fünf Ausreißern, nahm in der ersten Runde das Heft in die Hand und präsentierte sich den offiziell 170.000 Zuschauern an der Strecke und den Fernsehzuschauern der Live-Übertragung im ZDF an der Spitze, bis er vom Kanadier Paul Tichelaar abgelöst wurde. Der wiederum musste seine Führungsposition bald an den Amerikaner Jarrod Shoemaker abgeben - und dieser ließ sich als einziger nicht von der heraneilenden Meute aus dem Hauptfeld beeindrucken. Lediglich Brad Kahlefeldt kam den US-Boy, der noch nie ein Weltcuprennen gewonnen hatte, noch gefährlich nahe - für einen Hamburger Sieg des gerade 30 Jahre alt gewordenen Australiers sollte es einmal mehr nicht reichen.

Justus zum zweiten Mal in den besten Fünf

Nach 1:44:06 Stunden lief Jarrod Shoemaker als Erster durch das Zieltor auf dem Hamburger Rathausmarkt, acht Sekunden später finishte Kahlefeldt als Zweiter vor dem Russen Alexander Brukhankov und dem ersten Deutschen: Steffen Justus hatte auf der Abschlussrunde die frischesten Beine und finishte auf Platz vier, einen Platz besser als beim Auftaktrennen in Tongyeong. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennverlauf und dem Ergebnis", analysiert Justus das Rennen, mit dem er sich in der Gesamtwertung auf den elften Platz verbesserte. "Natürlich ist es toll, aufs Podium zu kommen. Ich habe heute aber einen vierten Platz gewonnen und keinen dritten verloren."
Hinter dem Olympia-Dritten Bevan Docherty reichte Maik Petzold der sechste Rang, um die Führung im Gesamtklassement zu übernehmen. "Auch ich habe insgeheim mit dem Podium geliebäugelt", gesteht der Bautzener ein. "Aber dass ich nun in der Weltmeisterschaft ganz vorn liege, ist schon phänomenal." Als Zehnter erreichte ein völlig verausgabter Olympiasieger Jan Frodeno das Ziel - und wurde anschließend von DTU-Sportdirektor Wolfgang Thiel in Schutz genommen. "Das Ergebnis von Jan geht in Ordnung, auch wenn die Medien natürlich gern weitere Siege von ihm sehen wollen", sagt Thiel. "Doch es war von vornherein klar, dass wir in diesem Jahr den Druck von unseren Olympiastartern nehmen mussten - sonst ist ein langfristiger Aufbau nicht möglich."

Shoemaker begeistert vom Hamburger Publikum

Sieger Shoemaker zeigt sich beeindruckt von der Stimmung rund um das Rennen in Hamburg: "Ich habe schon die ganze Woche lang so viele leute joggen und Rad fahren sehen - diese Stadt ist sehr sportlich. Und dieses Rennen ist das, zu dem alle aufschauen. Solche Menschenmassen habe ich bei einem Triathlon noch nie erlebt, an der Laufstrecke gab es keinen Meter ohne Zuschauer", zollt er dem Hamburger Publikum seinen Respekt.
Und dieses harrte auf den Rängen aus, bis auch der letzte Finisher das Ziel erreicht hatte. Denn jener war in diesem Jahr kein Unbekannter, sondern ausgerechnet der Publikumsliebling: Daniel Unger finishte nach zwei Siegen in Hamburg in Folge nun auf dem letzten Platz. Nach einer Reifenpanne in der zweiten Radrunde musste der frisch gebackene Familienvater allein dem Feld hinterherfahren und laufen - und bedankte sich auf seine Art bei den Zuschauern, die den Hamburger Triathlon so besonders machen.
Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Hamburg 2009
26. Juli 2009, Hamburg
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Jarrod ShoemakerUSA16:4056:4629:371:44:06
2Brad KahlefeldtAUS16:4556:4029:501:44:14
3Alexander BrukhankovRUS16:3556:5429:451:44:16
4Steffen JustusGER16:3756:5529:551:44:21
5Bevan DochertyNZL17:0856:1930:031:44:25
6Maik PetzoldGER16:2257:0830:071:44:29
7Kris GemmellNZL16:4456:4030:101:44:29
8Dmitry PolyanskyRUS16:3956:4630:181:44:41
9Simon WhitfieldCAN16:3256:5830:241:44:49
10Jan FrodenoGER17:0256:2330:351:44:55