Spanische Extraklasse: Mola gewinnt umkämpftes Finale, Gómez Weltmeister

Javier Gómez hat seinen Weltmeistertitel beim Grand Final in Chicago verteidigt und ist nun alleiniger WM-Rekordhalter auf der ITU-Kurzdistanz. In der Tageswertung aber musste er sich nach harten Kampf auf der Laufstrecke seinem Landsmann Mario Mola geschlagen geben.

Von > | 20. September 2015 | Aus: SZENE

Mario Mola | Vizeweltmeister und Sieger des Grand Finals: Mario Mola

Vizeweltmeister und Sieger des Grand Finals: Mario Mola

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Ein Sturm in der Nacht vor dem Rennen hatte die Planungen der Athleten und Veranstalter noch einmal etwas durcheinander geworfen - wie an diesem stürmischen Wochenende in der "windy city" Chicago viele Pläne durcheinandergewirbelt wurden: Ein Pontoon wurde bei dem Sturm vor dem Finalrennen der schnellsten Männer beschädigt, weshalb auf einen Zwischenausstieg beim Schwimmen verzichtet und die erste Wechselzone verlegt werden musste. Eine Möglichkeit weniger also für die Athleten, sich zwischenzeitlich einen Überblick über die Situation beim Schwimmen zu verschaffen. Fast wäre Javier Gómez das beim Angriff auf seinen fünften Weltmeistertitel zum Verhängnis geworden.

Keiner will Brownlee ziehen lassen

Denn auf den ersten 1,5 Kilometern verlor der amtierende Weltmeister aus Spanien erneut einige Sekunden zu viel auf die Spitze, was ihn auf den ersten Radkilometern stärker unter Druck setzte, als er sich selbst das erhofft hatte: Vor allem, weil seine beiden WM-Konkurrenten Vincent Luis (FRA) und überraschend auch Mario Mola (ESP) vor Gómez aus dem Wasser gestiegen und den Sprung in die erste kleine Radgruppe um Jonathan Brownlee (GBR) geschafft hatten, musste sich der Galizier schleunigst um den Anschluss an die Spitzengruppe bemüht machen. Doch Gómez benötigte nur wenige Radkilometer, um gemeinsam mit seinen Begleitern, zu denen auch der junge Deutsche Justus Nieschlag gehörte, den zwischenzeitlich rund zehnsekündigen Rückstand wieder aufzuholen - auch, weil Mola und Luis nicht ernsthaft an ihre Chance zu glauben schienen und ihren Vorsprung nicht konsequent zu verteidigen versuchten. So rollte nach dem frühen Zusammenschluss der beiden ersten Radgruppen um die Favoriten bald eine 35 Mann große Spitzengruppe durch die Straßen Chicagos, gejagt mit einem Rückstand von einer Minute von einer großen Verfolgergruppe um Richard Murray (RSA) und die Deutschen Steffen Justus und Gregor Buchholz.

An diesem Bild änderte sich lange Zeit nichts - und zu verdanken war das vor allem dem in der WM-Wertung abgeschlagenen Jonathan Brownlee: Denn der Brite, gerade erst von einem Ermüdungsbruch genesen und noch ohne viel Lauftraining ins Rennen gestartet, versuchte immer wieder, sich auf dem Rad von der Spitzengruppe abzusetzen und sprach sich mit weiteren fluchtwilligen Konkurrenten ab. Doch egal, wie oft und wie intensiv Brownlee es versuchte - die Konkurrenten wollten ihn nicht ziehen lassen und setzten jedem seiner Ausreißversuche entschlossen nach. Zur Halbzeit des Radkurses, also nach 20 Kilometern, stellte Brownlee seine Bemühungen deshalb ein und ließ sich in die Gruppe zurückfallen. Und plötzlich machten die Verfolger Boden gut: Binnen der nächsten zehn Kilometer holte die Gruppe um Murray und Steffen Justus - Buchholz fiel aus der Verfolgergruppe heraus -, den kompletten einmütigen Rückstand auf die Spitze auf und es bildete sich ein rund 60 Athleten großes Hauptfeld. Nur eine vierköpfige Ausreißergruppe um Ben Kanute (USA) und Andrea Salvisberg (SUI) löste sich noch um 30 Sekunden, wurde beim Laufen aber wieder binnen zwei Kilometern vom Feld geschluckt.

WTS Chicago | Nadelstich um Nadelstich: Javier Gomez und Mario Mola schenken sich nichts

Nadelstich um Nadelstich: Javier Gomez und Mario Mola schenken sich nichts

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Spanier setzen Konter auf Konter

Es sollte also zu einer WM-Entscheidung auf der Laufstrecke kommen - und dort fackelten die Favoriten nun nicht mehr lange. Erst schob sich der Klassement-Dritte Vincent Luis an die Spitze des Feldes und eröffnete eine Spitzengruppe, nach nur einem knappen Kilometer setzte Gómez bereits die erste Tempoverschärfung, der nur Luis, Mola und Aaron Royle (AUS) folgen konnten. Erneut nur wenige hundert Meter später erhöhte auch Mola noch einmal das Tempo - und war nach der ersten von vier 2,5-Kilometer-Runden plötzlich mit seinem Landsmann Gómez allein auf weiter Flur. Eine weitere Runde absolvierten die beiden Spanier noch friedlich gemeinsam, dann eröffneten sie einen harten Kampf um den Tagessieg, in dem sie das Tempo gegenseitig hochschaukelten. "Den Titel hatte ich rechnerisch zwar schon sicher, das wusste ich. Aber ich wollte auch das Rennen gewinnen", erklärte später Gómez.

Rund vier Kilometer vor dem Ziel startete Mola die Schlussoffensive und versuchte, Gómez mit mehreren kleinen Tempoverschärfungen unter Druck zu setzen - doch der konterte wiederum jeweils unbeeindruckt mit eigenen kleinen Angriffen. Nach einem Wendepunkt, rund einen Kilometer vor dem Ziel, versuchte Gómez es dann erneut. Kurzzeitig schien Mola gar in Probleme zu geraten - und setzte plötzlich selbst noch einmal zu einem Zwischenspurt an. Doch Gómez steckte ebenfalls nicht auf. Rund 500 Meter vor dem Ziel setzte der Galizier alles auf eine Karte, trat hart an, musste sich in einem langen Endspurt aber seinem jüngeren Nationalmannschaftskollegen geschlagen geben, der mit dem Sieg im Grand Final erneut Vizeweltmeister hinter seinem Vorbild Gómez wurde. "Ich habe versucht, Mario auf der letzten Runde zu brechen, aber er war unfassbar stark. Doch ich bin mit meinem fünften WM-Titel überglücklich", sagte Gómez im Ziel. Richard Murray lief auf den dritten Rang und belegt damit im WM-Punkteranking hinter Vincent Luis den vierten Platz. Jonathan Brownlee beendete sein Comeback-Rennen auf dem zwölften Rang. Für die deutschen Männer endete die schwierige Saison enttäuschend: Die Plätze 28 (Nieschlag), 30 (Justus) und 49 (Buchholz) standen im Grand Final letztlich zu Buche. "Wir haben definitiv viel Arbeit vor uns und müssen aktuell eingestehen, dass unsere Athleten nicht in der Lage sind, einen WM-Wettkampf mitzugestalten", bekannte DTU-Cheftrainer Ralf Ebli.

ITU World Triathlon Series Grand Final

  1. September 2015, Chicago (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Mario Mola

ESP

1:44:53

16:33

57:50

28:59

2

Javier Gomez

ESP

1:44:57

16:36

57:46

29:06

3

Richard Murray

RSA

1:45:35

17:19

57:02

29:40

4

Crisanto Grajales

MEX

1:45:40

16:41

57:40

29:42

5

Vincent Luis

FRA

1:45:44

16:30

57:51

29:53

6

Fernando Alarza

ESP

1:45:52

16:35

57:51

29:55

7

Aaron Royle

AUS

1:46:03

16:26

57:51

30:11

8

Jelle Geens

BEL

1:46:10

17:19

57:03

30:15

9

Joao Pereira

POR

1:46:10

16:49

57:29

30:18

10

Ryan Bailie

AUS

1:46:13

16:48

57:32

30:18

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