Olympia-Generalprobe Spirig bringt sich in Favoritenstellung

Kurzstrecke | 23. Juni 2012
Nicola Spirig hat es schon wieder getan: Beim WM-Serienrennen in Kitzbühel gewann die Schweizerin wie schon in Madrid mit einem langgezogenen Schlusssprint. Anja Dittmer lief auf den neunten Platz.
Nicola Spirig fühlte sich wohl. "Ich habe wieder festgestellt, dass ich meinen Job liebe", twitterte die Schweizerin nach einer Laufeinheit am Freitag. "Vergiss aber nicht zu trainieren. Wir haben da in ein paar Wochen ein großes Rennen" - die Antwort ihres Coaches Brett Sutton ließ vermuten, dass Nicola Spirig in Kitzbühel vielleicht nicht besonders ausgeruht am Start stehen würde. Und so sah sie dann beim Check-in auch aus: Wenig Liebe sprach da aus ihrem Blick. Eher volle Konzentration, aber auch Ungewissheit und ein wenig Strenge.

Bazlen steigt aus

Sollte sie in diesen Momenten noch einmal kurz an der Liebe zu ihrem Sport gezweifelt haben - spätestens mit dem Schwimmen dürfte sich das wieder zum Positiven gewendet haben. Nach 19:40 Minuten stieg die Schweizerin in der Spitzengruppe aus dem Wasser - und konnte das Radfahren dann genießen. Spirig, ohnehin eine gute Radfahrerin, übernimmt sonst oft selbst die Führungsarbeit, vor allem, wenn sie beim Schwimmen einmal den Anschluss an die Spitze verpasst hat. Diesmal musste sie das nicht - zumindest nicht in diesem Ausmaß.
Denn Spirig war nicht nur gut geschwommen, sie hatte auch willige Unterstützung beim Versuch, den Vorsprung zu vergrößern. Vor allem Alexandra Razeranova (RUS) und die Neuseeländerin Debbie Tanner waren es, die die rund 15-köpfige Spitzengruppe über die sechs Radrunden durch Tirol führten und die Führungsgruppe von den in viele kleine Gruppen versprengten Verfolgern fernhielten. Auch die drei Deutschen - Anja Dittmer, Svenja Bazlen und Anja Knapp - hatten den Sprung in die erste Radgruppe geschafft. Für Bazlen war das Rennen aber schon wenige Meter später beendet.

Spirig sprintstark

Die Sattelstütze der angehenden Olympionikin hatte sich gelockert und war beim Aufspringen auf das Rad in den Rahmen gerutscht - auf die Schnelle nicht zu richten für die Freiburgerin, die im Eifer des Gefechts auch noch in eine Hofeinfahrt fuhr und das Rennen im Anschluss aufgab. "Besser jetzt so einen Mist als in ein paar Wochen in London", versuchten sie die Zaungäste Maik Petzold und Steffen Justus aufzumuntern, als sich Bazlen schon während des Rennens wieder auf dem Heimweg ins Hotel machte.
Ohne Bazlen, dafür aber mit Dittmer und Knapp ging es also auf die Laufstrecke - und mit Nicola Spirig, Lisa Nordén (SWE), Andrea Hewitt (NZL), Barbara Riveros Diaz (CHI) und Sarah Groff (USA). Diese sechs Athletinnen waren es, die sich sofort an die Spitze setzten und die nächsten gut sechs Kilometer gemeinsam verbrachten, wobei vor allem Spirig und Nordén das Tempo bestimmten. Dann das erste Opfer: Sarah Groff konnte dem Tempo nicht mehr folgen und musste abreißen lassen. Einen halben Kilometer vor dem Ziel dann Spirigs Attacke: Wie in Madrid probierte sie, die Entscheidung über einen langgezogenen Schlusssprint herbeizuführen - doch diesmal gab es mehr Gegenwehr. Vor allem Barbara Riveros Diaz und Lisa Nordén versuchten mitzulaufen - doch Diaz musste früh zurückstecken, auch Nordén hatte im Ziel deutlich das Nachsehen. Wer Spirig bei den Olympischen Spielen in London schlagen will, das dürfte den Damen der internationalen Kurzdistanz-Elite spätestens jetzt, nach der Serien-Generalprobe über die volle Distanz, klar sein, sollte die Schweizerin bereits abgehängt haben, bevor es auf den letzten Kilometer geht.

Dittmer und Knapp zufrieden

Anja Dittmer und Anja Knapp versuchten dagegen gar nicht erst, mit der Spitze mitzulaufen, sondern hatten von Beginn an nur auf ihre Körper gehört und ihr eigenes Tempo angeschlagen. Dittmer lief auf diese Weise am Ende auf den neunten Platz - und war zufrieden. "Das Tempo fehlt noch etwas, aber das Ergebnis ist in Ordnung", meinte die Neubrandenburgerin, gerade erst aus dem Höhentrainingslager in Font Romeau zurück, im Ziel. Etwas glücklicher mit ihrem Ergebnis war Anja Knapp: Als 15. feierte die Nachwuchsathletin in ihrem erst zweiten WM-Serienrennen das beste Ergebnis ihrer jungen Karriere - und strahlte. Lokalmatadorin Lisa Perterer hatte beim Schwimmen den Anschluss verpasst und lief aus der Verfolgergruppe heraus auf Platz 19. Auch die beiden mit  großem Abstand schnellsten Läuferinnen des Tages, Ashleigh Gentle (AUS) und Gwen Jorgensen (USA), die als Zehnte und Elfte ins Ziel kamen, hatten sich eine bessere Platzierung beim Schwimmen verbaut.
Dextro Energy Triathlon Kitzbühel 2012 | Frauen
23. Juni 2012, Kitzbühel (Österreich)
NameNationGesamt1,5 km Swim40 km Bike10 km Run
1Nicola SpirigSUI2:05:3719:401:09:5234:57
2Lisa NordenSWE2:05:4019:421:09:4934:55
3Andrea HewittNZL2:05:4319:391:09:5235:03
4Barbara Riveros DiazCHI2:05:4519:461:09:4635:02
5Jessica HarrisonFRA2:05:5719:351:09:5835:15
6Nicky SamuelsNZL2:06:0719:411:09:5235:22
7Sarah GroffUSA2:06:2019:341:09:5935:37
8Kate McIlroyNZL2:06:2319:441:09:4835:41
9Anja DittmerGER2:06:3919:501:09:4235:58
10Ashleigh GentleAUS2:06:4120:201:10:3934:29
11Gwen JorgensenUSA2:06:4219:531:11:0534:29
15Anja KnappGER2:07:1819:401:09:5536:37
18Melanie AnnaheimSUI2:08:3819:431:09:4437:54
19Lisa PertererAUT2:09:1220:181:10:4136:49
28Lydia WaldmüllerAUT2:11:5220:201:10:3739:43
DNFSvenja BazlenGER19:50