Anja Dittmer im Interview Überrascht vom eigenen Wechseltempo

Kurzstrecke | 4. August 2012
Anja Dittmer ist die einzige Triathletin, die an allen olympischen Wettbewerben teilgenommen hat - und zieht ein positives Fazit, auch wenn Krämpfe ihr eine Top-10-Platzierung verwehrten.
Anja Dittmer, wie besonders war Ihre vierte olympische Teilnahme?
Sehr besonders. Ich habe mich erst einmal riesig gefreut, dass ich mich noch mal qualifiziert habe und das alles hier erleben konnte. Ich weiß, wie viele Athleten nicht hier in London sein können, wie sie es nicht geschafft haben. Von daher versuche ich, alles richtig zu genießen. Olympische Spiele sind etwas ganz Besonderes.
Sportlich konnten Sie im Rennen ja auch Akzente setzen, nach einer Olympia-Touristin sah das nicht gerade aus?
Ich bin sehr zufrieden, mein Schwimmen war gut, auch auf dem Rad hatte ich das Gefühl, dass ich gute Beine habe. Ja, und mein Wechsel, der war ziemlich gut. Da habe ich mich selbst ein bisschen über mich erschrocken, wie schnell ich war. Das war eine richtig gute Ausgangsposition. Im Laufen musste ich dann leider ein paar Abstriche machen. Da habe ich doch gemerkt, dass ich zuletzt etwas weniger trainieren konnte. Ich habe früh Probleme mit Krämpfen in der linken Wade bekommen. Das wurde immer mehr, ich musste wirklich Tempo rausnehmen und in der letzten Runde bei Kilometer 8,5 auch einmal anhalten. Sonst hätte ich es nicht ins Ziel geschafft, und das wollte ich unbedingt.
Sie waren bis zuletzt wegen einer Muskelverhärtung unsicher, ob Sie in London überhaupt starten können.
Ich habe im Training einfach alles probiert, was geht, um richtig in Form zu kommen für die Spiele. Da trainiert man dann eben auch am Limit und es kann dann natürlich auch mal passieren, dass man ein muskuläres Problem bekommt. Aber ich hatte sehr gute physiotherapeutische Behandlungen, und es hat geklappt, rechtzeitig fit zu werden, um an der Startlinie zu stehen.
Haben Sie im Training für London eventuell leicht überzogen?
Im Schnitt trainiere ich schon 25 bis 30 Stunden, und vor den Spielen wollte ich an der Intensität arbeiten. Aber gleich in meiner ersten harten Laufeinheit habe ich mich so gut gefühlt, dass ich etwas zu schnell gelaufen bin und sich dadurch mein Muskel etwas verhärtet hat. Danach bin ich eben vorsichtiger rangegangen. Ich wollte einfach kein Risiko eingehen, deshalb bin ich auch beim Rennen in Hamburg etwas vorsichtiger gelaufen. Ich musste im Training schon ein paar Abstriche machen.
Einige Beobachter spekulieren, ob dieses Olympia-Rennen vielleicht der letzte große Auftritt von Anja Dittmer war. Was meinen Sie?
Dazu kann ich im Moment nichts zu sagen, außer, dass ich den Sport immer noch total gerne mag. Ich habe das Rennen hier unheimlich genossen, so etwas macht mir immer noch riesig Freude. Ich werde dem Sport immer treu bleiben, mein Leben lang, vielleicht nicht mehr als Starterin bei den Olympischen Spielen, aber ich werde ihn immer betreiben.
So eine Atmosphäre wie in London gibt noch einmal einen gewaltigen Kick?
Das war wirklich gigantisch. Ich habe überhaupt nicht richtig gucken können, wie viele Leute da stehen, das waren so viele, da konnte man gar nicht richtig was erkennen. Man ist ja im Rennen immer konzentriert, aber das war Wahnsinn.
Abschließend: Noch ein Tipp fürs Männerrennen?
Da halte ich natürlich den deutschen Jungs die Daumen – und ganz speziell einem Neuseeländer.