Und sie kommen immer wieder zurück

Alistair Brownlee hat sich eindrucksvoll im ITU-Rennzirkus zurückgemeldet. Nach seiner Achillessehnenverletzung lief der Brite dem Feld noch weiter davon, als man das sowieso schon von ihm kennt - sogar seinem Bruder Jonathan. Auch Jan Frodeno überzeugte in Kitzbühel.

von | 24. Juni 2012 | Aus: Szene

Alistair Brownlee

Alistair Brownlee gewinnt in Kitzbühel

Foto > Fabian Fiedler / fabianfiedler.de

Die Siegerehrung war längst Geschichte, auch die letzten Athleten hatten sich in den Athletenbereich zurückgezogen und das Jungtalent Lukas Verzbicas war sogar schon damit beschäftigt, seinen Wechselplatz abzubauen. Nur Olympiasieger Jan Frodeno, der stand noch immer wenige Meter entfernt von der Ziellinie, klatschte ab, arbeitete sich von einem Interviewteam zum nächsten und nahm eine Gratulation nach der anderen entgegen. "Good to have you back", gratulierte ihm der Spanier Javier Gomez. Ein 16. Platz beim WM-Serienrennen in Kitzbühel - bis vor wenigen Monaten hätte Frodeno wohl selbst nicht geglaubt, dass das einmal eines der  erleichternsten Ergebnisse in seiner Karriere werden würde.

Schläge als Willkommensgruß

Dabei hatte das Rennen für Frodeno nicht ganz nach Plan begonnen. "Ich hatte gehofft, beim Schwimmen schon an der Spitze mitmischen zu können, dafür hat es aber nicht ganz gereicht", meinte der Olympiasieger, der bis wenige Tage vor dem Start wegen eines Infekts das Training hatte einstellen müssen - und aus demselben Grund ein Höhentrainingslager vorzeitig abgebrochen hatte. Frodeno war zu Recht unsicher, ob er sich elf Tage nach dem Trainingslager vielleicht "im Höhenloch" befinden würde. "Direkt an der ersten Boje wurde ich dann erstmal richtig verprügelt. Sozusagen als Willkommensgruß. Das war ganz schön: Man kennt mich also noch", meinte Frodeno im Ziel.

Ein paar Plätze weiter vorn hatten sofort die Brownee-Brüder Jonathan und Alistair sowie der Russe Ivan Vasiliev die Tempoarbeit übernommen - und nutzten diese gute Ausgangsposition, um nach dem Wechsel sofort eine Attacke zu starten. Einige Kilometer lang fuhren sie vor dem großen, rund 25 Athleten umfassenden ersten Verfolgerfeld mit Jan Frodeno, Steffen Justus, Maik Petzold und Christian Prochnow - dann war der Fluchtversuch Geschichte. Steffen Justus und Jan Frodeno hatten auf einer gemeinsamen Radausfahrt am Vortag vereinbart, dass Frodeno auf dem Rad das Tempo für Justus machen solle - und das tat er mit Bravour. Selbst als das Feld unter dem Tempodiktat vor allem von Frodeno die Ausreißer gestellt hatte, blieb das Tempo so hoch, dass sich weitere Ausreißversuche erübrigten.

Dem Talent fehlt der Feinschliff

Allerdings nur bis zum Ende des Radfahrens - denn mit dem Laufen bot sich dann wieder ein Bild, das man nur zu gut kennt: Brownlee vorne weg. Doppelt, wenn auch nicht zu zweit. Denn anders als sonst rannten Alistair und Jonathan Brownlee dem Feld nicht gemeinsam davon, sondern mit einem gewissen Respektsabstand zueinander: Vorn der große Bruder Alistair, dahinter Jonathan. Er wolle "nicht weit weg von den Schnellsten ins Ziel kommen", hatte Alistair am Freitag noch gesagt - Mission gescheitert, wenn auch anders, als Brownlee das meinte. Fast eine Minute dauerte es am Ende, bis Bruder Jonathan das Ziel als Zweiter erreichte, erst weitere 16 Sekunden später folgte der sichtlich enttäuschte Spanier Javier Gomez. Brownlee war dem Feld am Ende nicht nur davongerannt, sondern hatte auch seine Laufzeit aus dem Vorjahr um über eine Minute verbessert.

Sogar noch etwas schneller als Jonathan Brownlee rannte einer, der das Ziel am Ende trotzdem nur als 32. erreichte: Der erst 19-jährige Lukas Verzbicas. Der schlaksige US-Amerikaner litauischer Abstammung, der nach seinem Weltcupsieg in der Woche zuvor von den Profis neugierig gemustert worden war, konnte beim Schwimmen erwartungsgemäß noch nicht mithalten und verlor in seiner Gruppe anschließend viel Zeit nach vorn.

"Die können sich nur selbst schlagen"

Steffen Justus erreichte das Ziel als bester Deutscher eine Minute hinter dem jüngeren Brownlee als Sechster. "Ich konnte kaum atmen, es hat im Hals unheimlich gebrannt. Das hat sich heute Morgen schon angedeutet", meinte Justus, der seit einigen Tagen an einem leichten Infekt laboriert. "Unter normalen Umständen wäre heute Platz drei möglich gewesen", fuhr er fort - sagte aber auch: "Die beiden da vorn sind einfach eine Liga für sich. So ehrlich muss man sein. Die sind so stark beim Schwimmen und Radfahren, dass die selbst nach einer Attacke noch frischer auf die Laufstrecke gehen als jeder andere", sagte Justus. "Die können sich einfach nur selber schlagen. Wobei man die Hoffnung genau darauf auch nie aufgeben sollte."

Petzolds Wade macht dicht

Nächstbeste Deutsche hinter Justus wurden Maik Petzold auf Platz 14, Frodeno auf 16 und Christian Prochnow auf dem 18. Rang. "Ich hatte schon beim Schwimmen Probleme mit der Wade, die hat total zugemacht. Auf den letzten 300 Metern musste ich extrem aufpassen, mir keinen Krampf einzuhandeln", meinte Petzold im Ziel. "Auf dem Rad habe ich mich dann ebenfalls nicht gut gefühlt. Da war das Laufen heute eigentlich noch meine beste Disziplin", meinte der Bautzener, der die Gründe für die schlechte Tagesform im erst vor wenigen Tagen beendeten Höhentrainingslager vermutet.

Frodeno, der in diesem Jahr bisher kaum Lauftraining absolvieren konnte, ging das Rennen auf der Laufstrecke etwas defensiver an - und arbeitete sich dann an Prochnow vorbei und Petzold heran. "Ich sollte den ersten Kilometer nicht schneller als 3:10 Minuten laufen", meinte der Olympiasieger, dem noch im Ziel sofort ein Kübel mit eiskaltem Wasser gereicht wurde, um erneuten Sehnenproblemen vorzubeugen. Die Top-20-Platzierung, die Frodeno bis Ende Mai benötigt hätte, um seine Qualifikation abzusichern, hat er damit nachträglich in der Tasche und muss sich um seinen Olympiastartplatz wohl keine Sorgen mehr machen - zumal Franz Löschke und Jonathan Zipf, der wohl der Ersatzmann für Frodeno gewesen wäre, das Rennen vorzeitig aufgaben. "Beim Schwimmen und Radfahren habe ich heute gezeigt, dass ich da bin", meinte Frodeno im Ziel, "und das Schönste ist: Ich merke an der Achillessehne absolut nichts. Ich bin schmerzfrei und habe bis Olympia jetzt noch fünfeinhalb Wochen Trainingszeit, in denen ich noch einmal richtig reinhauen kann, um auch beim Laufen wieder ranzukommen."

Dextro Energy Triathlon Kitzbühel 2012 | Männer

24. Juni 2012, Kitzbühel (Österreich)

Name Nation Gesamt 1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

1:50:13

18:06

1:01:15

29:51

2

Jonathan Brownlee

GBR

1:51:02

18:04

1:01:18

30:37

3

Javier Gomez

ESP

1:51:18

18:14

1:00:59

30:51

4

Alexander Bryukhankov

RUS

1:51:27

18:11

1:01:11

30:59

5

Dmitry Polyanskiy

RUS

1:51:41

18:04

1:01:22

31:12

6

Steffen Justus

GER

1:52:01

18:25

1:00:54

31:34

7

Laurent Vidal

FRA

1:52:06

18:24

1:00:57

31:40

8

Tony Moulai

FRA

1:52:07

18:22

1:00:58

32:02

9

David McNamee

GBR

1:52:10

18:25

1:00:56

31:43

10

Tony Dodds

NZL

1:52:19

18:14

1:01:09

31:51

13

Sven Riederer

SUI

1:52:40

18:14

1:01:04

32:17

14

Maik Petzold

GER

1:52:42

18:10

1:01:06

32:16

16

Jan Frodeno

GER

1:53:09

18:13

1:01:05

32:45

18

Christian Prochnow

GER

1:53:25

18:17

1:01:03

32:58

32

Lukas Verzbicas

USA

1:56:36

18:56

1:06:01

30:35

DNF

Jonathan Zipf

GER

18:46

1:41:53

DNF

Franz Löschke

GER

19:41

Swipe me