Bock bloggt Unwürdig: Meine Meinung zur DM

Kurzstrecke | 4. Juni 2012
Ich komme nicht drum herum, meinen Eindruck von den Deutschen Meisterschaften der Kurzdistanzler zu schildern – von den Streckenbeschaffenheiten war ich einfach entsetzt und in meinen Augen war das ein Wettkampf, der organisatorisch einer Deutschen Meisterschaft nicht würdig war.
Für mich persönlich sind Bundesliga-Rennen immer etwas, auf das ich mich nicht wirklich freue. Erstens sind es Wettkämpfe, die mir persönlich mit dem extrem schnellen Schwimmen und dem anschließenden Windschattenfahren nicht gerade entgegen kommen und zweitens hält sich die Vorfreude bei mir immer etwas in Grenzen, wenn ich in ein Rennen gehe, um unter „ferner liefen“ das Ziel zu erreichen. Auch aus diesem Grund konnte ich den Bundesliga-Auftakt und die Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Darmstadt recht stressbefreit in Angriff nehmen. Eigentlich! Denn spätestens nach der Streckenbesichtigung wusste ich, dass es kein Spaziergang wird. Vor der Radstrecke hatte ich wirklich Schiss! In meinen Augen war es nur eine Frage der Zeit, bis auf diesem Radkurs der erste Sturz passiert. Und das habe ich auch vor dem Rennen oft gesagt UND oft genug auch von anderen Athleten gehört.

Die Verhältnisse auf den Straßen waren einfach eine Zumutung! Es kann doch nicht sein, dass auf der Strecke Schienen in Fahrtrichtung (!) verlaufen. Hinzu kommen Schlaglöcher, Unebenheiten der allerfeinsten Sorte und „geflickte“ Straßen, wo man mit dem Rad nur so drüber geflogen ist. Dass es am Wettkampftag dann noch regnete machte die ganze Sache vielleicht noch etwas „spannender“, war aber sicherlich nicht der einzige ausschlaggebende Punkt, warum etwa 15 Athleten im Krankenhaus versorgt werden mussten und etliche andere nach einem Sturz das Rennen beendet haben. Denn: die meisten Unfälle sind nicht mal in den regennassen Kurven passiert, sondern an den oben beschriebenen Gefahrenstellen – und dafür hätten die Straßen nicht mal nass sein müssen! Hinzu kamen Unfälle mit Rettungswagen, die am Rand auf der Strecke standen und bereits verletzte Athleten behandelten. Ich denke, jeder, der auf dem Rad saß, hatte Verständnis dafür und hat das Tempo gedrosselt, wenn er darauf hingewiesen wurde. Wenn dann aber an solchen Stellen ein Krankenwagen auf der Straße steht und dort keine Ordner sind, die die Athleten „vorwarnen“ knallt es wieder – aus diesem Grund zum Beispiel ist einer meiner Team-Kollegen auch im Krankenhaus gelandet! Und als wäre das alles nicht genug, steht nach einer schnellen Linkskurve ein Auto mitten auf der Strecke. Die ersten Jungs in unserer Gruppe konnten noch rechts oder links dran vorbei. Ein anderer ist aber mit vollem Tempo gegen und dann in das Auto geknallt und wurde durch die Luft geschleudert. Was sind das denn für Verhältnisse? Und hier mache ich nicht ausschließlich dem Autofahrer einen Vorwurf, der ganz klar mehr Rücksicht hätte nehmen müssen – sondern auch den Leuten, die für die Sicherung der Strecke verantwortlich gewesen sind!

Nun waren bei diesem Wettkampf meinen Kenntnissen nach folgende Parteien vor Ort: die Deutsche Triathlon Union, die Bundesliga GmbH, der Hessische Landesverband, die Organisatoren und Veranstalter, die Polizei und das Technische Hilfswerk. Irgendeiner Person aus irgendeiner dieser Institutionen muss doch klar gewesen sein, dass es mehr als gefährlich wird, auf diesen Strecken einen so hochkarätigen Wettkampf stattfinden zu lassen, der für sehr viele Athleten ein absolutes Highlight darstellt. Natürlich ist jeder Athlet für sich selbst verantwortlich und kann mit seinem eigenen Risikomanagement machen was er will: Aber die Frage ist, ob man es soweit kommen lassen muss, dass sich zahlreiche Athleten verletzen und neben der weiteren Saison auch ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Ganz nebenbei und fast schon unspektakulär war die Schwimmstrecke mindestens 400 Meter zu lang. Ich weiß, dass es im Triathlon mit den Streckenlägen immer so eine Sache ist und dass es nie so wirklich gewährleistet ist, auf den Punkt genaue Strecken zu schaffen. Aber auch hierzu sage ich, dass das für eine Deutsche Meisterschaft - wo mehr oder weniger die gesamten deutschen Kurzdistanzspezialisten am Werke waren – keine angemessenen Verhältnisse sind.
Allen Widrigkeiten zum Trotz: Mein Respekt vor den Bundesliga- und Kurzdistanzspezialisten ist nochmal deutlich gewachsen. Rennen in so hohem Tempo und mit so einer Dynamik sind zwar nichts für mich, aber es ist doch immer wieder beeindruckend, diese live mitzuerleben. An dieser Stelle auch nochmal einen Riesen-Glückwunsch an die beiden neuen Deutschen Meister Ricarda Lisk und Franz Löschke.