Deutsches Trio glänzt Vanessa Fernandes ist Weltmeisterin

Kurzstrecke | 1. September 2007
Fünfte, Sechste, Achte - unter dem Jubel der heimischen Zuschauer feierten Ricarda Lisk, Anja Dittmer und Joelle Franzmann in Hamburg das beste DTU-Ergebnis der WM-Geschichte. Die Portugiesin Vanessa Fernandes krönte ihre noch junge Karriere mit dem Weltmeistertitel.
Fast schon routiniert wirkte der Jubel von Vanessa Fernandes aus Portugal, als sie nach insgesamt 1:53:27 Stunden als Weltmeisterin über die Ziellinie auf dem Rathausmarkt lief. Kein Wunder: Die Weltcup-Gesamtsiegerin des vergangenen Jahres - 2006 hatte sie sieben Rennen für sich entschieden - hat auch in diesem Jahr schon viermal zugeschlagen: Sowohl in Ishigaki, Madrid und Salford als auch im heimischen Lissabon hatte die Konkurrenz keine Chance. Auch in Hamburg suchte Fernandes die Entscheidung beim Laufen.
Doch zurück zum Start des Rennens, das erste, das an diesem Tag nach stundenlangem Regen endlich bei Sonnenschein gestartet werden konnte. Auch nach 1.000 Metern im Alsterwasser sahen die geschätzten 270.000 Zuschauer keine Spitzengruppe, die sich vom Feld der 80 Athletinnen hätte absetzen können. Für das Tempo sorgte die schwimmstarke Deutsche Joelle Franzmann, die auch nach der zweiten, kleineren Runde als erste aus dem Wasser kam und auf die 40 Kilometer lange Radstrecke wechselte. "Beim Schwimmen habe ich mich richtig stark gefühlt und dachte schon, heute hänge ich sie alle ab", so Franzmann, die kurz vor der Schweizerin Magali Di Marco Messmer, Emma Moffat und Annabel Luxford aus Australien und den drei Amerikanerinnen Laura Bennett, Sara McLarty und Sarah Haskins aufs Rad stieg.

Titelverteidigerin verpasst die Spitzengruppe

Schnell schlossen die nächsten Verfolgerinnen auf, unter ihnen auch die Topfavoritin Fernandes - und Ricarda Lisk. Emma Snowsill, die Titelverteidigerin, hatte beim Anziehen ihrer Radschuhe auf den ersten Metern der Radstrecke dagegen Probleme und verpasste die 13-köpfige Spitzengruppe. Die witterte ihre Chance und schon nach zwei von acht zu fahrenden Runden betrug ihr Vorsprung 50 Sekunden. Dabei wechselten sich die Amerikanerinnen, Franzmann, Lisk und auch Fernandes regelmäßig mit der Führungsarbeit ab, um gegen die jagende Meute eine Chance zu haben.
Gemeinsam mit Snowsill versuchten die Deutschen Anja Dittmer und Christiane Pilz sowie Daniela Ryf und Nicola Spirig aus der Schweiz den Abstand der Verfolgergruppe zu den Führenden zu verkürzen. Vor allem die Schweizerin drückte unheimlich aufs Tempo und war fast ständig an der Spitze zu sehen. Alles vergeblich: Fernandes, Bennett, Moffat, Lisk, Franzmann und Co. hatten ihren Vorsprung nach halber Strecke auf über eine Minute ausgebaut und blieben zusammen, bis Annabel Luxford nach gut 30 Kilometern einen Ausreißversuch wagte, der zwar mutig, aber erfolglos war. Und für den sie beim Laufen später teuer bezahlen musste.

Vergebliche Müh' der Schweizerinnen

Bis zum zweiten Wechsel gelang es den Schweizerinnen Ryf und Spirig zwar in Teamarbeit, den Abstand der Verfolger zur Spitze um einige Sekunden zu verkürzen. Als die Gruppe, in der sich ja auch Dittmer und Pilz befanden, zum zweiten Mal die Wechselzone erreichte, waren die Führenden jedoch seit einer Minute auf der Laufstrecke. Und dort drehte Fernandes auf: Die zierliche Portugiesin stellte schon nach wenigen Metern Ricarda Lisk, die nach einem Blitzwechsel unter dem Jubel der begeisterten Zuschauer als Führende auf die Laufstrecke gestürmt war. Auch Laura Bennett, Emma Moffatt und Annabel Luxford konnten dem Tempo der Weltcupsiegerin des vergangenen Jahres nicht folgen.
Die einzige, die Fernandes beim Laufen hätte Gegenwehr bieten können, befand sich über eine Minute hinter der Portugiesin: Emma Snowsill. Meter um Meter machte die Australierin jedoch gut, überholte nacheinander Pilz, Dittmer und Di Marco Messmer. Fernandes hatte unterdessen ihren Vorsprung auf Bennett auf 40 Sekunden ausgebaut, weitere 20 Sekunden später folgte Moffat. Die Australierin wurde auf den letzten beiden Kilometern von ihrer heranstürmenden Landsfrau Snowsill ein- und überholt. Kurz vor dem Ziel ließ diese auch Laura Bennett hinter sich. Um Fernandes noch zu stellen, reichte das schnelle Tempo der Titelverteidigerin jedoch nicht. "Ich habe noch das Beste aus dem Rennen gemacht, aber es war einfach zu schwer, eine 'Flying Fernandes' einzuholen", so Snowsill. Als sie - zum Jubeln fast zu erschöpft - den Rathausmarkt erreichte, ließ sich die Portugiesin schon seit mehr als einer Minute im Ziel feiern. Sechs Sekunden nach Snowsill freute sich Bennett über die Bronzemedaille. "Es war fantastisch hier. An diese Atmosphäre werde ich mich immer erinnern. Hoffentlich kann ich Emma und Vanessa im nächsten Jahr noch mehr ärgern."

Lisk und Dittmer qualifiziert, Franzmann im Pech

Noch viel ausgelassener als Bennett jubelte Ricarda Lisk, die mit Rang fünf unter Tränen den größten Erfolg ihrer Karriere feierte, sich aber fast noch mehr über die frühe Qualifikation für die Olympischen Spiele freute: "Heute hat von vorn bis hinten alles geklappt. Ich dachte, wenn ich schon in der ersten Gruppe bin, dann muss ich auch was zeigen. Ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass ich in Peking dabei sein werde. Jetzt fahre ich zum ersten Mal in meinem Leben nach China." Ähnlich wie Snowsill, allerdings fast unbemerkt, hatte sich auch Anja Dittmer immer weiter nach vorn und sogar an ihrer Teamkollegin Joelle Franzmann und der Schweizerin Di Marco Messmer vorbeigeschoben. Auch sie löste auf dem sechsten Platz vorzeitig das Ticket für Peking. "Ich bin superhappy. Als ich beim Laufen gemerkt habe, dass wir alle drei in den Top Ten liegen, wusste ich, dass eine leer ausgehen würde. Die wollte ich nicht sein."
Siebte wurde Di Marco Messmer, die sechs Sekunden vor Franzmann ins Ziel kam. Die erfüllte als Achte zwar noch die Qualifikationsnorm für Peking, muss aber nun Lisk und Dittmer den Vortritt lassen: Nur zwei Deutsche konnten sich in Hamburg für die Spiele qualifizieren, der dritte Platz wird erst im kommenden Jahr vergeben. "Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich natürlich über den achten Platz, andererseits ärgere ich mich, dass ich mich nicht qualifizieren konnte." Olympiasiegerin Kate Allen wurde durch einen Sturz zu Beginn des Radfahrens zurückgeworfen. Die Österreicherin kam als 20. fünf Sekunden hinter Nicola Spirig ins Ziel.
BG Triathlon World Championships 2007 – Elite Frauen
1. September 2007, Hamburg
1,5 km Swim, 40 km Bike, 10 km Run
1Vanessa FernandesPOR1:54:27
2Emma SnowsillAUS1:54:31
3Laura BennettUSA1:54:37
4Emma MoffatAUS1:54:54
5Ricarda LiskGER1:54:59
6Anja DittmerGER1:55:04
7Magali Di Marco MessmerSUI1:55:09
8Joelle FranzmannGER1:55:15
9Jessica HarrisonFRA1:55:26
10Sarah HaskinsUSA1:55:27