Von Sümpfen und Seitengassen

Beim Weltmeisterschafts-Auftakt in Abu Dhabi wollte Gregor Buchholz sein Ticket zu den Olympischen Spielen lösen - stattdessen steht für den 29-Jährigen aber nur ein "DNF" in den Ergebnislisten. "Ich werde nicht aufgeben, bis die Hürde fällt" verspricht Buchholz in seinem Blog.

Von > | 11. März 2016 | Aus: Szene

Gregor Buchholz

Gregor Buchholz

Foto > Deutsche Triathlon Union / Jo Kleindl

Immerhin bin ich dieses Jahr in Abu Dhabi schon mal weiter gekommen als 2015, wo ich es nach einem Radsturz kurz vor dem Rennen nicht einmal bis zur Startlinie geschafft habe. Das war dann aber auch schon alles an Positivem, was ich über den zurückliegenden Wettkampf berichten kann.

Schwierig einen Blog über etwas zu schreiben, dass man am liebsten aus seinem Kopf radieren würde. Aber so ist das nun mal: Die Straße nach Rio de Janeiro ist keine geradlinige Autobahn. Im Falle von Abu Dhabi war es eher ein sumpfiger Pfad, der ins Nichts führte.

Der Schalter klemmt

Um es vorwegzunehmen: Ich weiß leider selbst nicht genau, was passiert ist. Die Leistung, die ich am vergangenen Samstag im Wettkampf abgerufen habe, hätte nicht einmal für einen guten Trainingstag ausgereicht. Dabei war bis zum Startschuss alles noch in Ordnung. Auch der Start selbst und die ersten 200 Meter auf der Schwimmstrecke ließen sich zwar nicht atemberaubend gut an, aber durchaus in Ordnung. Danach konnte ich ganz einfach nicht den Schalter von "Training" auf "Wettkampf" umlegen. Zwischensprints, die Verteidigung meines Platzes, Einstecken und Austeilen - keines der Instrumente, die ich beim Schwimmen in der WM-Serie dringend benötige, stand mir zur Verfügung.

Auf dem Rad erging es mir nicht besser. Müde und mit schwachen Beinen schleppten wir uns zu dritt über die Strecke. Die einzige Hoffnung, an der ich mich noch festklammerte, war, dass die Gruppen vorn schnell zusammenfahren und sie das Rennen in der Folge etwas verbummeln. Doch leider vergeblich. Denn die 20-köpfige Spitzengruppe wehrte sich noch lange gegen das Hauptfeld. Es blieb für mich bei einem rabenschwarzen Tag ohne Joker.

Nach einer Laufrunde von zweieinhalb Kilometern rief mein Trainer mir dann zu, ich solle besser aussteigen. Und wenn ich ehrlich bin, war ich sehr froh, dass die mentale Tortur endlich vorbei war. Ich kletterte über die Absperrung und begab mich sofort in die Athleten Lounge, um mich selbst dort enttäuscht in die Ecke zu schmeißen und nicht viel mehr zu tun, als in die Luft zu starren. So richtig konnte ich nicht glauben, was passiert war. Nach dem Wettkampf kam mein Trainer zu mir und fragte, was denn los war. Noch immer konnte ich ihm allerdings nicht viel mehr entgegenbringen als meine Enttäuschung und meine Ratlosigkeit.

Die Gemütslage bestimmt die Perspektive

Nach kurzer Überlegung sagte er: „Nun gut, das Laufen kam zu kurz. Der Reiz fehlt uns heute noch. Mach heute Abend Tempoläufe, fünf Mal fünf Minuten im Zehn-Kilometer-Wettkampftempo.“ Am liebsten hätte ich mich für den Rest des Tages in mein Hotelzimmer verkrochen und wäre frühestens am nächsten Tag zum Check-out wieder herausgekommen. So aber schnürte ich schon am Abend wieder meine Schuhe und legte los.

Zuerst fühlte ich mich schrecklich. Nicht nur die schweren Beine waren das Problem, sondern, dass ich mir den Abend nach dem Rennen eigentlich ganz anders vorgestellt hatte. Ich wollte mit Sekt auf die gelungene Olympiaqualifikation anstoßen, mit anderen abklatschen, lachen, mich an die ganze harte Arbeit im Winter erinnern. Einfach diese gute Gefühl genießen, dass sich das alles gelohnt hat. Stattdessen befand ich mich in irgendeiner kleinen Seitengasse Abu Dhabis und quälte mich durch die Laufintervalle. Na gut, es war die Straße zum Emirates Palace. Aber die Gemütslage bestimmt die Perspektive.

Während der Intervalle wandelte sich mein emotionaler Zustand von Selbstmitleid über Wut zu Trotz, bis ich dann irgendwann doch zumindest ein wenig besänftigt war.

Am nächsten Tag durfte ich dann wieder einmal Koffer packen, wieder einmal ab in den Flieger. Diesmal nach Australien. Dort bereite ich mich auf das zweite Rennen der WM-Serie an der Gold Coast vor, wo die Karten um Olympia im April glücklicherweise nochmals neu gemischt werden. Ich werde so lange dran bleiben und nicht aufgeben, bis die Hürde fällt!

Beste Grüße aus dem tropischen Queensland!