Vor dem Finale: Mola und die Brownlees jagen Javier Gómez

Schon am Samstag bekommen die Triathlon-Fans einen Vorgeschmack auf das WM-Finale in Edmonton kommende Woche: Denn in Stockholm kämpfen dann die besten Triathleten der Welt um die optimale Ausgangsposition. Die gesamte Weltspitze um Javier Gómez und die Brüder Alistair und Jonathan Brownlee hat sich angekündigt.

Von > | 22. August 2014 | Aus: SZENE

WTS London | Die Jungen holen auf: Javier Gómez hat läuferisch Konkurrenz bekommen

Die Jungen holen auf: Javier Gómez hat läuferisch Konkurrenz bekommen

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Wenige Tage vor dem entscheidenden Finalrennen im kanadischen Edmonton gibt es auch für Triathleten auf höchstem Leistungsniveau sicher bessere Vorbereitungsstrategien, als ein Sprintdistanz-Rennen in Europa zu absolvieren, um anschließend zum Flieger zu eilen und einen stundenlangen Flug in eine andere Zeitzone über sich ergehen zu lassen. Und doch werden die besten Kurzdistanz-Triathleten der Welt am Samstag genau das tun - auch wenn sie das zum Teil überhaupt nicht nötig hätten. Kurz vor dem alles entscheidenden Finale, so scheint es, will keiner der Top-Athleten einem seiner Konkurrenten auch nur einen Zähler kampflos überlassen.

Acht aus acht: Zwei Dauerbrenner aus Spanien

Vor allem der spanische WM-Führende Javier Gómez sorgt mit seinen Wettkampf- und Reiseplänen bei einigen Konkurrenten und Fans einmal mehr für ungläubiges Staunen. Viel war vor der Saison diskutiert worden über die Ausdehnung der WM-Serie auf fünf von sieben gewerteten Rennen, zusätzlich zum Grand Final. Zu viel verlangt in den Augen der allermeisten Athleten und Trainer - doch offenbar nicht in denen eines Weltmeisters. Denn der Galizier Javier Gómez und sein Landsmann Mario Mola belassen es nicht bei fünf Rennen plus Finale: Die Spanier sind die beiden einzigen Athleten im Zirkus der World Triathlon Series, die - voraussichtlich - bei allen acht diesjährigen Serienrennen am Start gestanden haben werden. Und die bislang jedes dieser Rennen auf den verschiedenen Kontinenten mit einer Platzierung unter den besten Zehn krönten.

Vier Mal durfte Javier Gómez nach dem Rennen in dieser Saison bislang sogar auf die höchste Stufe des Treppchens klettern - ein Mal war dieses Vergnügen seinem Teamkollegen Mola vergönnt. Und so liest sich auch die Ausgangslage vor dem letzten regulären Serienrennen der Saison ähnlich deutlich: An der Spitze thront Javier Gómez mit 3.833 Punkten beinahe uneinholbar, könnte diesen Wert mit einer Platzierung auf dem Treppchen noch bis auf höchstens 4.000 Punkte nach oben schrauben. Dahinter streiten sich Jonathan Brownlee (GBR, 3.337) und Mario Mola (3.322) um Silber - auf den vierten und fünften Rängen lauern Richard Murray (RSA, 2.639) und Joao Pereira (POR, 2.609) ebenfalls beinahe gleichauf auf einen Ausrutscher der beiden Duellanten vor ihnen. Zwei enge Duelle also mit einem einsamen Spitzenreiter - und doch will Gómez sich das Kräftemessen in Stockholm kurz vor dem Finale nicht entgehen lassen. Und wird dafür mit einem attraktiven Startfeld entlohnt, das für ihn in jedem Fall einen echten Gradmesser darstellen wird.

"Eine Strecke wie geschaffen für Ausreißergruppen"

Denn neben Jonathan Brownlee, Mario Mola, Richard Murray und dem Portugiesen Joao Pereira haben sich unter anderem auch Sprintspezialist Vincent Luis (FRA), Alistair Brownlee (GBR) und der Schweizer Sven Riederer für das Stockholmer Rennen angekündigt - was zu einer rasanten Rennentwicklung auf der Radstrecke führen könnte: "Die Strecke ist wie geschaffen für Ausreißergruppen nach dem Schwimmen", erklärt der Deutsche Gregor Buchholz angesichts eines steilen Hügels, den die Athleten auf jeder Radrunde passieren müssen. Eine Situation, die die guten Schwimm-Radfahrer um Gómez, Jonathan und Alistair Brownlee, Vincent Luis, Richard Varga (SVK) und Dmitry Polyanskiy (RUS) wohl nur zu gern nutzen würden, um die läuferisch starken, aber schwimmerisch noch unkonstanten Konkurrenten Mola, Murray und Pereira zu distanzieren.

"Meine einzige Option ist es, in der Verfolgung schnell Verbündete zu finden und mit denen Vollgas zu geben. Dann klappt es hoffentlich mit einer Topplatzierung", sagt deshalb Gregor Buchholz - eine solche Topplatzierung ist dem Wahl-Saarbrücker in Stockholm jedenfalls zuzutrauen: Läuferisch gehört er schon lange zu den besten Athleten im Feld, allerdings verliert er ähnlich wie beispielsweise Murray beim Schwimmen mitunter noch zu viel Zeit. "Das Training der letzten Wochen war qualitativ gut und so kam die eine oder andere Einheit zustande, in welcher ich Leistungen abrufen konnte, die ich vorher so nicht auf dem Zettel hatte. Daher gehe ich positiv gespannt ins Rennen“, sagt Buchholz, der in der Vorbereitung unter Anleitung von Bundestrainer Dan Lorang eine Höhenkette absolviert hat. Als bester Deutscher und derzeit 15. im Gesamtklassement könnte sich Buchholz in Stockholm vor dem Finale in Schlagdistanz zu einer Top-Ten-Platzierung bringen. Als zweiter DTU-Athlet geht in Schweden außerdem Franz Löschke, nach durchwachsener Saison derzeit auf Platz 43 gelegen, ins Rennen. Zwar habe er noch immer Trainingsrückstand wegen seines Studiums, mit einer Tagesplatzierung unter den besten 20 könnte Löschke im WM-Ranking aber an eine Top-30-Platzierung in der Endabrechnung heranrücken.