Neue Namen, neuer Modus Zukunftstest in Tiszaújváros

Kurzstrecke | 12. Juli 2012
Tiszaújváros in Ungarn, hebt die International Triathlon Union (ITU) auf ihrer Website hervor, ist das zweitälteste Rennen im Kalender des Verbands. Gleichzeitig aber auch eins, das einen Blick in die Zukunft des Triathlons erlaubt: Nicht nur einige Nachwuchshoffnungen testen sich beim Weltcup am Wochenende, auch ein neuer Wettkampfmodus wird erstmals ausprobiert.
Wenn ein Sportler in einem Rennen der Internationalen Triathlon Union antreten will, dann ist er dafür momentan in erster Linie auf Punkte angewiesen. Punkte, die sich schon in kleineren Events sammeln lassen. Man muss sich also im Ranking nach oben arbeiten, um dann auch bei größeren Rennen - etwa in der WM-Serie - antreten zu dürfen. Nicht alle Sportler sind glücklich über dieses schwer aufzuschlüsselnde System. Das dürfte ein Grund sein, warum der Weltverband beim Weltcup in Tiszaújváros am Wochenende zum ersten Mal Semifinals am Tag vor dem Hauptwettkampf einführt. Ein anderer: Die Hoffnung auf noch mehr Spannung. Und der Gedanke, den Zuschauern, Fans und potenziell berichterstattenden Medien noch mehr Action bieten zu können.

Buchholz: "Learning by doing"

So viel mehr Athleten sind es allerdings gar nicht, die am Wochenende in Ungarn im besten Falle zwei Mal über 0,75 Kilometer Schwimmen, 20 Kilometer auf dem Rad und 5 Laufkilometer gegeneinander antreten wollen: Insgesamt 78 Männer und 55 Frauen haben sich für den Weltcup angemeldet. Bei den Frauen bewegt sich diese Zahl im Rahmen dessen, was auch für WM-Rennen üblich ist, bei den Männern sind es ein paar mehr. Ein großer Teil von beiden wird trotzdem ausgesiebt - auch hierin dürfte ein Grund für den ersten Test dieses neuen Qualifikationssystems liegen: Oft wurde in den letzten Monaten von meinungsstarken Triathleten und Betreuern wie Brett Sutton kritisiert, dass die Startfelder bei den Eliteevents zu groß seien und die Qualität dadurch verwässert würde. Nur jeweils 30 Frauen und Männer werden rund 25 Stunden nach ihrem ersten Zieleinlauf noch einen zweiten Triathlon bestreiten dürfen.
Tatsächlich als "dürfen", nicht als "müssen", empfindet das Gregor Buchholz. "Voller Vorfreude" sei er angesichts des neuen Systems, erklärt der 26-Jährige wenige Tage vor dem Startschuss. In insgesamt drei Semifinals kommen bei den Männern jeweils die neun Bestplatzierten weiter, außerdem die drei Zeitschnellsten, die es über die Platzierung nicht geschafft haben. Gestartet werden die Rennen im Abstand von 20 Minuten, sodass auch die zuletzt gestarteten Athleten nicht wissen können, wie schnell sie sein müssen, damit ihr Vorlauf der schnellste wird. Buchholz, der unter anderem mit dem dritten Platz bei den Deutschen Crosslauf-Meisterschaften vor Steffen Justus im März stark in die Saison gestartet war und anschließend durch Krankheiten zurückgeworfen wurde, will eine Woche nach seinem Europacup-Sieg in Holten vor allem Punkte und Preisgelder sammeln - aber auch Erfahrungen. "Learning by doing" nennt Buchholz sein Motto für das neue Format am Wochenende gegenüber tri-mag.de. "Ich denke, dass viele taktische Möglichkeiten, die sich durch den Modus ergeben, erst während des Rennens sichtbar werden."

Die DTU-Nachwuchs-Show

Zumindest nicht unwahrscheinlich ist, dass sich für die Top-Leute überhaupt keine echten Veränderungen einstellen werden - zumindest keine zu ihrem Nachteil. Im Gegenteil können sie sich in dem Wissen, nur unter die besten Neun kommen zu müssen, womöglich sogar etwas ausruhen - und im Hauptwettkampf dann noch frischer antreten als die Konkurrenz.  Gregor Buchholz, der den ersten und am hochkarätigsten besetzten Lauf erwischt hat, wird die Beine zwar nicht hochlegen können, das Weiterkommen sollte allerdings drin sein: Der junge und sehr starke Läufer Lukas Verzbicas (USA), Emma Jacksons Lebensgefährte Drew Box (AUS), Alois Knabl (AUT), der angehende Olympionike Gonzalo Tellechea (ARG) und Teamkollege Nils Frommhold sind die einzigen namhaften unter den 26 Mitbewerber in seinem Semifinale. Im Hauptwettkampf am Sonntag wird er es dann voraussichtlich zusätzlich mit dem jungen Franzosen Aurelien Raphael, mit Davide Uccellari (ITA), Kiwi Tony Dodds und seinen Nationalmannschaftskollegen Stefan Zachäus und Maurice Clavel zu tun bekommen.
Jeweils 14 von 27 (im zweiten Semifinal 28) Frauen qualifizieren sich bei den Frauen für den Hauptwettkampf, zwei weitere kommen über die Zeit weiter. Und auch hier sind die größten DTU-Talente am Start, um den neuen Modus von Beginn an mitzuerleben, Punkte, Erfahrungen und Preisgelder zu sammeln: Sarah Fladung, Hanna Philippin, Rebecca Robisch und Anja Knapp suchen ihr Glück in Ungarn - und starten bis auf Fladung alle im ersten Vorlauf, wo sie es unter anderem mit der starken und ebenfalls jungen Australierin Ashleigh Gentle und der 22-jährigen Spanierin Carolina Routier zu tun bekommen. Die Norddeutsche Fladung muss in ihrem Rennen zunächst gegen Alexandra Razarenova, Mariya Shorets, Anna Burova (alle RUS), Maaike Caelers (NED) und Ashlee Bailie ran. Auch im Gesamtklassement sollte für den DTU-Nachwuchs somit etwas möglich sein - nur der Sieg scheint an die starke Läuferin Ashleigh Gentle bereits so gut wie vergeben.