Brownlee Weltmeister, Gómez Finalsieger Zwei Sieger

Kurzstrecke | 21. Oktober 2012
Er hat nicht gewackelt, er ist nicht gefallen: Jonathan Brownlee hat mit dem zweiten Platz im Grand Final den Weltmeistertitel gewonnen. Der Sieg ging in einem beherzten und intensiven Rennen an den Spanier Javier Gómez - und das im Sprint. Auch die Deutschen präsentierten sich stark.
Nach dem Rennen trat Javier Gómez vor die Kameras: "Der Weltmeistertitel war heute sowieso ein Ding der Unmöglichkeit", sagte er da, "es war vorher klar, dass das nicht klappen würde." Doch er sagte das nicht enttäuscht, nicht frustriert, er sagte es abgeklärt und mit sich selbst im Reinen. Weil der Spanier wusste, und weil jeder gesehen hatte, dass er wirklich alles probiert hatte, um das Unmögliche trotzdem möglich zu machen.

Fluchthelfer Varga, Jäger Gómez

Sieg für Gómez, kein Podestplatz für Brownlee - das wären die Umstände gewesen, unter denen es mit dem Titel für den Spanier doch noch hätte klappen können. Doch auch Brownlee hatte sich für dieses Rennen etwas einfallen lassen, um einem solchen Szenario vorzubeugen: Gemeinsam mit seinem Freund und Trainingskollegen Richard Varga (SVK) setzte sich der Brite schon zu Beginn des Schwimmens vom übrigen Feld ab und gewann so bis zum ersten Wechsel 36 Sekunden auf das große Hauptfeld, das vom Bautzener Maik Petzold angeführt wurde. Der jedoch erwischte keinen guten Wechsel - und musste dann an der ersten Wende wegen einer abgerutschten Kette auch noch absteigen. Als sich das Feld nach einer der acht zu fahrenden hügeligen Runden auf einem verregneten und rutschigen Kurs sortiert hatte, fand sich der Deutsche plötzlich nur noch in der zweiten Verfolgergruppe wieder, wohingegen den drei anderen Deutschen - Steffen Justus, Christian Prochnow und Gregor Buchholz - der Sprung in die erste Verfolgergruppe glückte.
Und dort waren es von da an vor allem Gómez und Justus, die das Tempo hochhielten und dafür sorgten, dass das hart arbeitende Spitzenduo nach und nach Sekunden verlor. 32 Sekunden Vorsprung nach fünf Kilometern, 28 nach 10, noch 19 Sekunden nach 15 Kilometern - erst dann brachen Brownlee und Varga ihren Ausreißversuch ab. Die Tempohatz aber hatte da noch lange kein Ende.

Feuer mit Feuer

Schulter an Schulter spannten sich Gómez und Brownlee immer wieder vor das Feld, machten Druck, der Spanier attackierte sogar - doch der Brite konterte den Angriff sofort. Gómez ahnte, dass Brownlee in einer reinen Laufentscheidung wohl kaum das Podest verfehlen würde. Also versuchte er, was gegen einen Brownlee bisher kaum jemand gewagt hatte: Er bekämpfte Feuer mit Feuer. In der Hoffnung, dass sich der jüngere der beiden Brownlee-Brüder in Abwesenheit des älteren daran verbrennen würde.
Doch auch Brownlee leistete sich keine Schwäche - wohingegen die ehemals große Spitzengruppe unter dem Tempodiktat dieses Duos und wegen mehrerer Stürze auf dem nassen Kurs immer schmaler wurde, bis auf 13 Athleten schrumpfte. Auch Gregor Buchholz musste die Spitze ziehen lassen, später erwischte es Christian Prochnow, beide fanden sich anschließend in der Gruppe um Maik Petzold rund eineinhalb Minute hinter den Führenden wieder. Es brauchte die Attacke eines Kiwis, damit sich das Tempo kurz vor dem zweiten Wechsel etwas entspannte.