Ironman Germany Al-Sultan endlich am Ziel

Langstrecke | 24. Juli 2011
Aller guten Dinge sind vier. Zumindest für Faris Al-Sultan scheint das nun zu gelten. Im vierten Anlauf holte sich der Hawaii-Sieger von 2005 am Römerberg den Ironman-EM-Titel. Und schien sich selbst am meisten damit zu überraschen.
Nein, der Tag hatte alles andere als vielversprechend begonnen für den Chef des Abu Dhabi Triathlon Teams. Erst verpasste Faris Al-Sultan am Morgen den Shuttlebus vom Athletenhotel zum Schwimmstart am Langener Waldsee, dann musste er eine passende Luftpumpe für sein Ersatzvorderradrad organisieren, das Original hatte seiner kritischen Prüfung nicht standgehalten. Und dann ging der erste Wechsel, naja, man muss wohl sagen, gründlich in die Hose. Doch was manch Anderem vielleicht schon den Glauben und vor allem den Fokus geraubt hätte, brachte Al-Sultan dazu, erst so richtig aufzudrehen.

„Ich kann es selbst kaum glauben“

Auf Position sechs rollte er sein Rad aus der ersten Wechselzone – und ab da das Feld von hinten auf. Bei Regen und Temperaturen um die 12 Grad übernahm er ab Radkilometer 35 die Führung, die er bis zum Zieleinlauf im Herzen der Frankfurter Altstadt nicht mehr abgab.  Nach drei podiumslosen Starts in der Mainmetropole kann  der 33-Jährige nun endlich den Titel eines Ironman-Europameisters zu seiner Erfolgsliste hinzufügen. Ein bisschen zu seinem eigenen Erstaunen: „Ich bin einfach losgefahren und die anderen waren langsamer“, sagte er im Ziel. „Ich kann das selbst noch kaum glauben.“ Seines Sieges sicher sei er sich trotz eines recht konstanten Vorsprungs auf der Marathondistanz von sechs bis neun Minuten deshalb bis zum Schluss nicht gewesen: „Als ich in der dritten Laufrunde gehört habe, dass der Michael Göhner von hinten kommt, habe ich noch mal richtig Panik bekommen.“

Raphaels Befreiungsschlag

Tatsächlich: Michael Göhner zeigte mit einer Zeit von 1:49:54 Stunden nach 29 Kilometern enormen Kampfgeist. Nach einer Fersenoperation im vergangenen Jahr hatte er offenbar wieder zu alter Laufstärke zurück gefunden. Dabei war der ehemalige Leichtathlet nach dem Schwimmen mit knapp vier Minuten Rückstand zur Spitze nicht einmal unter den Top-20 gelistet und als Elfter vom Rad gestiegen – mit nun acht Minuten Rückstand auf den zweitplatzierten ITU-Weltmeister Sylvain Soudrie.
Der hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Ehrenplatz-Tausch begonnen, der den Platzierungskampf hinter Faris Al-Sultan über die gesamte Laufstrecke prägen sollte: Kämpfte zu Beginn noch der Langdistanz-Rookie aus Frankreich mit Georg Potrebitsch vom Team TBB um den zweiten Rang, schob sich nicht nur Michael Göhner langsam aber beharrlich nach vorne, sondern auch Jan Raphael vom Commerzbank Triathlon Team, der das Rennen schließlich auf Platz zwei beendete. „Als ich gehört habe, dass Michael nur 40 Sekunden vor mir ist, wollte ich ihn unbedingt holen“, freute sich der Hannoveraner über seine grandiose Leistung, die für ihn ein regelrechter Befreiungsschlag war. „Ich mache mir vor einer Langdistanz viel mehr Druck als vor kürzeren Rennen. Man nur zwei, drei Starts pro Jahr, wenn man einen verpatzt, hat man viel weniger Möglichkeiten, das wieder auszubügeln“, sagte er vor dem Start gegenüber triathlon.
Zum dritten Mal nach 2002 und 2007 gibt es also ein deutsches Podium beim Ironman Germany. Und das dürfte nicht nur für die, die darauf stehen, ein Grund zum Strahlen sein – trotz des an diesem Sonntag so grauen Himmels über Frankfurt.
10. Ironman European Championship
24. Juli 2011, Frankfurt/Main
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Faris Al-SultanGER46:054:26:222:57:258:13:50
2Jan RaphaelGER48:124:38:122:49:488:19:31
3Michael GöhnerGER50:084:38:282:47:558:20:26
4Georg PotrebitschGER48:014:33:492:56:548:22:29
5Stephan VuckovicGER48:074:37:572:56:078:26:03
6Luke McKenzieAUS47:144:33:433:01:048:26:51
7Cameron BrownNZL48:074:48:302:51:028:31:47
8Bert JammaerBEL47:584:38:123:01:438:32:26
9Patrick VernayFRA50:044:42:432:56:268:32:59
10Teemu LemmettyläFIN53:064:46:152:53:068:36:36