Gelingt Craig Alexander der erste Ironman-Sieg vor heimischen Publikum?

Frank Wechsel / spomedis

Ironman Hawaii 2011 - Laufen
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Ironman Melbourne Alle gegen Alexander

Langstrecke | 21. März 2012
Craig Alexander, Mirinda Carfrae, Eneko Llanos und Caroline Steffen sind nur vier der vielen Topathleten beim Ironman Melbourne, der gleich bei seiner Premiere eines der bestbesetzten Rennen der Serie ist. Lukrativ ist die Veranstaltung allemal: 4.000 Kona-Pro-Ranking-Punkte kassieren allein die Sieger und können damit bereits früh für Hawaii planen.
Um Punkte geht es Craig Alexander am Sonntag sicher nicht. 9.000 Zähler hat der 38-Jährige durch den Titelgewinn bei der Ironman-70.3-WM von Las Vegas und seinen dritten Hawaii-Sieg im Oktober schon auf der Haben-Seite. Für die endgültige Kona-Qualifikation muss der Australier nur noch ein Rennen über die volle Distanz finishen. Und so verfolgt Alexander am Sonntag ein ganz anderes Ziel: Nachdem er 2007 in Port Macquarie seinen bisher einzigen Ironman-Auftritt in Down Under als Dritter beendet hatte, will der Aussie am Sonntag den ersten Ironmansieg auf heimischen Boden. Allein auf seine Laufstärke sollte er sich angesichts starker internationaler Konkurrenz jedoch nicht verlassen. 

Alle jagen den Hawaii-Champion

Gleiches gilt für Eneko Llanos. Dank einer starken Laufleistung hatte der 35-jährige Spanier im November den Ironman Arizona für sich entschieden und war dort erstmals in seiner Karriere unter der magischen Acht-Stunden-Marke geblieben. Eine solche Zeit kann Luke McKenzie zwar nicht vorweisen, dennoch hat Alexanders Landsmann mit Platz neun bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii gezeigt, dass er in der Ironman-Weltspitze angekommen ist. Gelingt dem 30-jährigen Radspezialisten vor dem Laufen die Flucht, könnte der Australier den Wettkampf vor heimischem Publikum weit vorn beenden. Dort würde auch Kiwi Cameron Brown gern landen. Nachdem sich der zehnfache Sieger des Ironman Neuseeland zuletzt ausgerechnet in seinem „Wohnzimmer“ Taupo  mit dem dritten Platz begnügen musste, könnte der 39-Jährige seinen Frust über den verpassten elften Titel mit einer Top-Platzierung vergessen machen.

Bennett auf neuen Wegen

Ebenso viel Lebens- dafür ungleich weniger Ironman-Erfahrung hat der Australier Greg Bennett. Obwohl gut fünf Monate älter Brown, bestreitet der 40-jährige Kurzdistanz-Weltmeister von 2001 in Melbourne sein erstes Rennen über die Langdistanz. Im Gegensatz zu seinen Profikollegen braucht Bennett, der 2011 die Premiere der 5150 U.S. Championship in Des Moines gewann, nur das Ziel zu erreichen, um am 13. Oktober bei der Ironman-Weltmeisterschaft in Kona dabei zu sein. Erst seit diesem Jahr gibt die World Triathlon Corporation ihren sechs Weltmeistern (5150, Ironman 70.3 und Ironman) die Chance, ohne reguläre Qualifikation bei den beiden anderen WM-Events an den Start zu gehen. Als einer der Geheimfavoriten gilt Bennetts Landsmann Clayton Fettell, der zwar erst 25 Jahre alt ist, aber auf den längeren Distanzen schon deutlich mehr Erfahrung hat. Nach dem enttäuschenden zehnten Rang beim Abu Dhabi International Triathlon dürfte der starke Schwimmer und Radfahrer in Melbourne nach Widergutmachung streben und könnte mit  dem Franzosen Sylvain Sudrie und Frederik van Lierde aus Belgien dafür sogar Verbündete finden, die wie er ihr Heil in der Flucht auf dem Rad suchen werden. Als einziger deutscher Profiathlet wird der Darmstädter Lothar Leder das Rennen im Süden Australiens bestreiten.

Hawaii-Elite oder Außenseiter?

Mindestens genauso hochkarätig besetzt ist das Rennen der Frauen. So stehen mit Lokalmatadorin Mirinda Carfrae, der Britin Rachel Joyce und Caroline Steffen aus der Schweiz gleich drei Top5-Athletinnen der letztjährigen Ironman-Weltmeisterschaft am Start. Topfavoritin auf den Premierensieg ist zweifellos Carfrae, die Ironman-Weltmeisterin von 2010. Die laufstarke 30-Jährige bestreitet in Melbourne ihren Saisonauftakt und geht entsprechend ausgeruht in die 226 Rennkilometer. Ganz im Gegensatz zu ihren schärfsten Konkurrentinnen, die beide bereits den kräftezehrenden Wettkampf von Abu Dhabi Anfang März in den Beinen haben. Sind Steffen und Joyce in der Form von Abu Dhabi, müsste die Schweizerin am Sonntag zumindest vor der Britin landen. Dies setzt jedoch voraus, dass es der Eidgenössin auch in Melbourne gelingt, Joyce auf dem Rad viel Zeit abzunehmen. Am Persischen Golf hatte die Ironman-Europameisterin zehn Minuten herausgefahren – allein vier davon konnte Joyce während der 20 Laufkilometer allerdings wieder aufholen.
Sollte das Trio am Wochenende straucheln, könnten Joanna Lawn, siebenfache Siegerin des Ironman Neuseeland, oder Gina Crawford, Gewinnerin der Challenge Wanaka 2012, in die Bresche springen. Zumindest konnten die beiden Neuseeländerinnen durch die wetterbedingte Verkürzung ihres Heim-Ironman Energie für den Auftritt in Australien sparen. Mit Außenseiterchancen gehen die Deutschen Anja Beranek, Conny Dauben, Mareen Hufe, Katja Rabe und Dana Wagner ins Rennen. Für sie dürfte es am Sonntag vor allem um wertvolle Punkte für das Kona Pro Ranking gehen.

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