Anja Beranek auf dem Weg zu Silber beim Ironman Germany 2012.

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Interview Anja Beranek Als 3/4-Profi an die Spitze

Langstrecke | 16. Juli 2012
Mit ihrem zweiten Platz bei der Ironman-EM in Frankfurt hat Anja Beranek ihren Anspruch auf einen Platz unter den Besten angemeldet und viele überrascht - nur sich selbst nicht, erzählt die 27-Jährige im Interview.
Anja Beranek, mit Ihrem zweiten Platz in Frankfurt hat angesichts der starken Konkurrenz wohl niemand gerechnet, was haben Sie selbst erwartet?
Nach meiner Entwicklung und Leistung im Training habe ich mit einer Zeit von knapp unter 9 Stunden gerechnet. Ich habe natürlich gehofft, dass diese Zeit für die Top 5 oder das Treppchen reichen würde. Welche Platzierung und Punktezahl für Hawaii sich dabei ergeben würde, hing dann schließlich von den anderen Starterinnen ab.

Sie zeigten sich nach dem Rennen enttäuscht über den fehlenden Glauben anderer an Ihre Leistungsstärke. Überwiegt im Rückblick die Freude darüber, es den Zweiflern gezeigt zu haben oder die über Ihr eigenes Rennen?
Es überwiegt natürlich die Freude über mein eigenes Rennen. Ich bin mit meiner Leistung und der Veranstaltung sehr zufrieden. Im Leistungsport zählt leider oft nur der Sieger und der Zweite ist bereits der erste Verlierer. Daher werden viele Sportler und Talente verkannt und bekommen, wie ich finde, zu wenig Aufmerksamkeit. Ich habe vor allem großen Respekt vor Sportlern, die neben Beruf und Familie das intensive Training und den Ironman meistern können. 

Sie selbst sind auch kein Vollprofi...
Neben dem Training arbeite ich 15-20 Stunden pro Woche - ich bin also ein "3/4-Profi" - wobei ich den Vorteil habe, dass ich mir die Zeit größtenteils selbst einteilen kann. Auf der einen Seite bin ich sehr froh, dass ich noch ein zweites Standbein neben dem Sport habe. Es nimmt mir den Druck und gibt mir einen "normalen Alltag". Zudem kann ich so das Sportlerleben und die Zeit mit dem Sport auch noch mehr schätzen und genießen. Auf der anderen Seite ist die Doppelbelastung aber auch sehr anstrengend und stressig. Oft stoße ich an meine körperlichen und mentalen Grenzen. Ich versuche eben jeden Tag aufs Neue durch eine straffe Organisation möglichst allen Dingen in meinem Leben gerecht zu werden.

Wie fühlt es sich an, einer Caroline Steffen das Hinterrad zu zeigen?
Naja, um genau zu sein, ist Caroline ja immer noch zwei Minuten schneller gefahren als ich und daher hat sie mir letztendlich noch ihr Hinterrad gezeigt. Aber ich freue mich, dass das harte Training seine Früchte trägt und ich hier eine gute Entwicklung machen konnte. 

Insgesamt wirkte Ihre Renntaktik sehr offensiv. Sind Sie Ihr eigenes Tempo gegangen oder haben Sie sich auch an anderen orientiert?
Nachdem ich durch einen Virus in den Wochen zuvor am Renntag gesundheitlich noch angeschlagen war, habe ich mich eher defensiv verhalten und auf mich konzentriert. Bereits beim Schwimmen merkte ich, dass ich körperlich nicht in Topform bin und so musste ich meine Kräfte von Beginn an gut einteilen.   

Was offenbar gelungen ist. Mit Ihrem Frankfurt-Ergebnis haben Sie die Hawaii-Qualifikation ziemlich sicher in der Tasche, wollen Sie es dort erneut allen zeigen?
Auch wenn es in Frankfurt nicht unbedingt so wirkte, aber es ist mir nicht wichtig, es den anderen zu zeigen. In Frankfurt kamen nur ein paar unglückliche Ereignisse auf einmal zusammen. Grundsätzlich mache ich den Sport nur für mich und vielleicht ein bisschen für meine Familie. Ich freue mich zuerst einmal, mein persönliches Ziel - die Qualifikation für Hawaii - erreicht zu haben und wenn ich auf der Insel noch einen guten Tag erwische, dann kann ich überglücklich in eine wohlverdiente Saisonpause gehen.