Der 70.3-Europameister im Blog! Andreas Böcherer: Ja, ich will...

Langstrecke | 20. März 2012
... einen ehrlichen Blog schreiben, deshalb gleich vor weg: Ja, ich will in fünf Wochen den Ironman Südafrika gewinnen. Triathleten sind zwar nicht nur die Könige des Ausdauersports, sondern auch der Tiefstapelei, aber - wie gesagt - ich will ja ehrlich bleiben.
Bevor ich schreibe, welche Schrauben mein Trainer Lubos Bilek und ich noch drehen wollen, um meine Leistung nochmal auf ein höheres Niveau zu bringen, möchte ich einen kleinen Rennbericht zum Abu Dhabi International Triathlon einschieben.

Aus meinem letzten Trainingslager auf Fuerteventura bin ich vier Tage vor dem Rennen angereist. Als ich meinen Radkoffer beim Sperrgepäck abgeholt habe, wäre ich am liebsten sofort gestartet. Wenn man richtig heiß auf ein Rennen ist, kann die Form nur gut sein.
Andreas Böcherer beim Laufen
©Privat


Die Zeit vor dem Rennen verging glücklicherweise wie im Fluge und schon standen wir am öffentlichen Strand Corniche hinter der Startlinie.

Leider konnte ich mich weder im Schwimmen noch auf dem Rad von meinen Konkurrenten absetzen. Vielmehr kam ich erst mit der Verfolgergruppe in die zweite Wechselzone. Gleich auf den ersten Laufmetern musste ich mich nach einem Dixiehäuschen umsehen und konnte erst nach ca 1,5 km meinem Bedürfnis nachkommen. Nachdem ich auf dem Rad sehr viel gearbeitet hatte, war ich nun letzter der Radgruppe. Das war irgendwie wie früher, als ich noch kein ausgeglichener Athlet war. Nach einem kurzen Tiefpunkt habe ich mich auf die Verfolgung gemacht, es blieb mir ja auch nichts anderes übrig. Immer draufbleiben, aber trotzdem Ruhe bewahren und verpflegen.



Oft schon hatte ich beim Lauftraining davon geträumt, einen oder mehrere Athleten zu jagen. Jetzt schien sich der Traum zu erfüllen, wenn auch wider Willen. Nach der Hälfte der Laufstrecke war ich von Platz 11 auf 6 vorgelaufen und freundete mich schon mit dieser Platzierung an, blieb aber trotzdem immer auf dem Gaspedal. Neben Dirk Bockel konnte ich einen Kilometer vor dem Ziel auch Vorjahressieger Frederik van Lierde ein- und überholen. Die verzweifelten "Freddie, Freddie"-Rufe seiner Betreuer, als ich hinter ihm auftauchte, haben bei mir die letzten Reserven mobilisiert. Zwar war der vierte Platz nicht der insgeheim erhoffte ganz große Knall, aber angesichts meiner miserablen Lage auf den ersten Laufmetern doch hocherfreulich. Mit meiner Form - vor allem in Hinblick auf den Ironman Südafrika - war ich super zufrieden, die Umsetzung hat noch hinterhergehinkt.



Nach einer Ruhewoche trainiere ich jetzt zweimal zwei Belastungswochen mit dem Schwerpunkt Laufen. Im Unterschied zum Vorjahr habe ich wieder morgendliche Nüchternläufe im Programm, um den Energieverbrauch beim Laufen zu optimieren. Ausserdem hat das Schwimmen wieder mehr Bedeutung bekommen, um eventuell meine Konkurrenten schon früh unter Druck zu setzten oder um die erste Disziplin entspannter zu bewältigen.

Außerdem arbeitet seit letztem Herbst Ernährungsexpertin Caroline Rauscher von Nutritional Finetuning an meiner Sporternährung, wo sich mir weitere Leistungsreserven aufgetan haben. Oft hatte ich im letzten Marathondrittel Energieprobleme. Das versuchen wir jetzt zu lösen und vielleicht ist das der Schlüssel, meine Gesamtleistung nochmal deutlich zu verbessern.

Durch die optimierte Versorgung im Training verkrafte ich jetzt zweimal statt einmal die Woche Krafttraining, ohne, dass mein Ausdauertraining darunter leidet. Das ist mit ein Grund für den Leistungssprung im Laufen, den ich in Abu Dhabi zeigen konnte. Ein weiterer Grund ist, dass ich wieder konsequent mit den Barfusstrainern Minimus von New Balance trainiere. Meine Waden- und Fußmuskulatur dankt es mir.

Die erste Belastungswoche habe ich gut überstanden, am Sonntag stand noch ein Besuch beim Tag der offenen Tür meines Sponsor Anton Hübner von Eisen Vital als willkommene Abwechslung auf dem Programm. Beim Büchsenwerfen habe ich tatsächlich eine Urkunde gewonnen.

Die kommende Woche bringt wieder viele Laufkilometer und zwei neue Bikes von Felt (Rennrad & MTB). Meine neue Zeitfahrmaschine kommt erst nach der zweiten Belastungswoche, sozusagen als Belohnung. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich darauf freue wie ein kleines Kind auf Weihnachten.
Mit Bildern von den neuen Bikes und einem weiteren Blog melde ich mich nächste Woche wieder.

Bis dahin heißt es:

train smart & rest hard,
Andi