Andreas Raelert siegt vor Maik Twelsiek

Andreas Raelert ist seiner Favoritenrolle beim Ironman Austria gerecht geworden. Der 36-Jährige stürmte mit einem herausragenden Marathon bei der 15. Jubiläumsausgabe zum Sieg. In 7:59:51 Stunden blieb er noch knapp unter der 8-Stunden-Marke.

Von > | 30. Juni 2013 | Aus: SZENE

Andreas Raelert | Andreas Raelert gewinnt den Ironman Austria 2013 vor Maik Twelsiek

Andreas Raelert gewinnt den Ironman Austria 2013 vor Maik Twelsiek

Foto >Michael Rauschendorfer

Als Andreas Raelert in den Marathon startete, bekam der Ironman Austria ein völlig neues Gesicht. Im Wasser und auf dem Rad hatten zunächst andere den Ton angegeben, während der Rostocker Topfavorit zunächst in der zweiten Reihe blieb. Bart Coelpart aus Belgien sorgte lange für ein hohes Tempo, später dann der Brite Philip Graves gemeinsam mit Maik Twelsiek. Die große Raelert-Show begann erst mit  leichter Verzögerung – aber als sie begann, ging es richtig rund. 

Colpaert von vorn

Im Wasser war es vor allem der Belgier Bart Colpaert, der das Tempo machte. Im vergangenen Jahr war er bereits schnellster Schwimmer bei der Ironman-Europameisterschaft, wurde in Frankfurt 16. - und damit Europameister der Altersklasse 30-34. In diesem Jahr bestreitet er seine erste Profisaison. Entsprechend offensiv ließ es Colpaert im Wasser angehen. Er übernahm schnell das Kommando in einer Gruppe von erst sieben, später fünf Athleten – dann setzte sich der Belgier allein in Szene. In 42:54 Minuten kraulte Colpaert als Schnellster durch den ruhigen Wörthersee, der Spanier Pellejo Gacia Santi folgte ihm dichtauf. Dahinter klaffte ein kleines Loch von 90 Sekunden, bevor eine Vierergruppe um Andreas Raelert am Ende des Lendkanals an Land ging. Der Rostocker kletterte als Sechster in 44:25 Minuten aus dem Wasser.

Nach diesem schnellen Auftakt hielt Bart Colpaert lange die Spitzenposition, während Andreas Raelert schnell an Position zwei fuhr und das Tempo damit auch für die weiteren Verfolger hochhielt. Schnell reihten sich auch der deutsche Wahl-Amerikaner Maik Twelsiek, der Brite Philip Graves und der österreichische Vorjahresvierte Franz Höfer ein. Gerade Andreas Raelert arbeitete auf der ersten von zwei anspruchsvollen Radrunden hart, um die Lücke nicht größer werden zu lassen. Vorn aber setzte sich Colpaert stark in Szene. Nach der Hälfte des Kurses führte er mit mehr als 5:30 Minuten vor Raelert, der die kleine Gruppe anführte. Nach rund 115 Kilometern schied Lokalmatador Franz Höfer mit einem technischen Defekt aus. Der Kreis derjenigen, die sich an der Jagd auf Colpaert beteiligten, wurde damit noch einmal kleiner. 

Kein Rekordtempo

Das Tempo hinter Colpaert war bei angenehmen Temperaturen aber etwas Wind nicht hoch genug, um die von vielen erhoffte Rekordjagd auf die Ironman-Bestmarke von Marino Vanhoenacker  (7:45:58 Stunden) auf dem Rad zu eröffnen. 2011 war Vanhoenacker in 4:15:36 Stunden über den Kurs geflogen, dieses Mal waren die besten Radfahrer deutlich langsamer. Erst kurz vor dem letzten Anstieg, dem Rupertiberg, lancierten Maik Twelsiek und Philip Graves entscheidende Attacken. Dann rutschte Twelsiek in einer engen Kurve weg. Aber kaum saß er wieder auf dem Rad, griff er an. Nach rund 160 Kilometern wurde Colpaert an der Spitze abgelöst, erst von Twelsiek, dann stürmte Graves vorbei - und nach 5:14:03 Stunden als Erster in die zweite Wechselzone. Der Brite sollte den Ironman Austria zwar wie im Vorjahr wieder nicht zu Ende bringen, aber auf den ersten Kilometern des Marathons wurde er von den eng stehenden Zuschauern bei traumhaftem Ironman-Wetter ordentlich gefeiert.

Raelert-Show beim Marathon

Knapp 90 Sekunden nach Philip Graves stieg Maik Twelsiek vom Rad, Andreas Raelert lag als Vierter hinter seinem Begleiter David Plese aus Slowenien 3:46 Minuten hinter der Spitze. Dann aber begann die One-Man-Show des Rostockers, der mit einem Kilometerschnitt von unter 3:30 Minuten in die Laufentscheidung startete. Er überholte gleich auf den ersten Metern Plese, dann fiel Maik Twelsiek nach acht Kilometern seinem langen und ruhigen Schritt zum Opfer. Keine 1.000 Meter später flog der Inhaber der Weltbestzeit auf der Langstrecke auch an Graves vorbei. „Er sieht so aus, als müsse er gar nicht arbeiten“, sagten staunende Zuschauer. Doch innendrin sah es anders aus. „Es war ein richtig hartes Rennen“, erklärte Andreas Raelert später.

Der Rostocker hielt den Druck ständig hoch, beim Halbmarathon (den er in 1:17:35 Stunden lief) sah es nach einer Fabelzeit im Marathon aus. Doch die Jagd kostete auch ihn Kräfte. Er wollte unbedingt unter acht Stunden ins Ziel – und dafür gab er alles. „Als ich auf den letzten Metern war, habe ich noch einmal einen kleinen Sprint eingebaut“, erklärte er. In der aufziehenden Mittagswärme lief er den Marathon in 2:40:07 Stunden und in 7:59:51 Stunden zum klaren Sieg. „Die Stimmung hier ist sensationell“, jubelte der Hawaii-Zweite im Ziel mit dem tobenden Publikum. 

Twelsiek auf Rang zwei

Vor allem fand Andreas Raelert lobende Worte für Maik Twelsiek, der bei der Halbmarathonmarke Philip Graves, der danach ausstieg, überholte und in 8:11:36 Stunden Zweiter wurde. „Maik hat zwei harte Jahre gehabt, deshalb freue ich mich sehr mit ihm“, sagte Andreas Raelert, während David Plese als Überraschungsdritter in 8:19:13 Stunden über die laute und liebevoll arrangierte Finishline lief. 

Maik Twelsiek | Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Maik Twelsiek meldet sich mit Platz zwei in der Spitze zurück.

Foto >Michael Rauschendorfer

Ironman Austria | Männer

  1. Juni 2013, Klagenfurt

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Andreas Raelert

GER

7:59:51

44:25

4:30:40

2:40:07

2

Maik Twelsiek

GER

8:11:36

45:05

4:27:11

2:54:05

3

David Plese

SLO

8:19:13

49:05

4:25:49

2:59:29

4

Jarmo Hast

FIN

8:20:32

45:09

4:37:08

2:53:03

5

Igor Amorelli

BRA

8:21:37

44:21

4:31:19

3:01:02

6

Bart Colpaert

BEL

8:26:17

42:54

4:33:34

3:04:39

7

Georg Swoboda

AUT

8:27:25

50:43

4:24:23

3:06:42

8

Vincent Rieß

AUT

8:27:50

49:15

4:44:53

2:47:49

9

Petr Vabrousek

CZE

8:29:34

49:10

4:44:41

2:50:00

10

Vinhal Thiago

BRA

8:30:01

45:08

4:48:54

2:50:22

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