Anja Beranek revanchiert sich für Frankfurt

Die Fürtherin Anja Beranek hat den Ironman Switzerland souverän gewonnen. Drei Wochen nach einem bitteren Aus bei der Ironman Europameisterschaft erreichte sie ihren ersten Erfolg auf der Langdistanz vor allem dank einer offensiven Taktik.

Von > | 28. Juli 2013 | Aus: SZENE

Anja Beranek | Anja Beranek gewinnt den Ironman Switzerland

Anja Beranek gewinnt den Ironman Switzerland

Foto >Sebastian Kuhn/drehmomente.de

Anja Beranek strahlt, schreit, brüllt. Drei Wochen nach dem verpatzten Ironman in Frankfurt läuft sie jubelnd über den blauen Teppich des Ironman Switzerland. Die letzten Meter des Rennens sind geprägt von extremen Emotionen. „Ich war nach Frankfurt einfach nur enttäuscht“, erklärt die 28-Jährige, „aber heute bin ich die glücklichste Frau der Welt.“ Das emotionale Auf und Ab der vergangenen Wochen und die bittere Enttäuschung nach den enormen Magenproblemen und  ihrem Rennabbruch in Frankfurt sind wie weggeblasen, als sie in Zürich in 9:21:31 Stunden über die Ziellinie läuft.

Geschockt, aber nicht mutlos

Es ist der erste Ironman-Sieg, der Anja Beranek in Zürich gelingt nach zwei zweiten Plätzen im Vorjahr, in Frankfurt und beim Ironman Wales. Das ist für die Mitfavoritin aber nur der ein Anlass zum Strahlen beim Zieleinlauf. Der andere ist der Umstand, wie die Europameisterin auf der halben Ironman-Distanz das Rennen in Zürich gestaltet. Sie ist zwar geschockt, als sie aus dem Wasser kommt und die Schweizerin Celiné Schärer bereits weit enteilt ist. Aber sie lässt sich nicht demotivieren von der Packung, die ihr die Eidgenössin mit auf den anspruchsvollen Radkurs gibt: In 52:38 Minuten spurtet Schärer als Gesamtvierte mit den besten Männern aus dem Wasser. „Dass ich mit den besten Männer mitschwimmen kann, habe ich schon vermutet“, erklärt die 23 Jahre alte Schweizerin später. Erst 5:43 Minuten danach kommt Beranek als Zweite aus dem Zürichsee, dahinter führt die Belgierin Sofie Goos mit satten 8:40 Minuten Rückstand die erste größere Gruppe aus dem Wasser, in der auch Titelverteidigerin Erika Csomor steckt.

Der große Rückstand im Wasser ist für Anja Beranek genau die richtig Motivation, um gleich auf die Jagd zu gehen. Auf den ersten 30 Rennkilometern, die flach am See entlang führen, prescht die Fürtherin los wie keine Zweite. „Mich haben heute keine Männer überholt“, erklärt sie später lächelnd.  Nach nicht einmal 60 Kilometern übernimmt sie im hügeligen Umland von Zürich die Spitzenposition und fährt anschließend auf und davon. Celiné Schärer, die bis dato vor allem auf der Kurzdistanz in Erscheinung getreten ist und ihr Ironman-Debüt gibt, hält sich fortan in der Verfolgung an die Ansagen ihres Trainers Brett Sutton: Aufgeben ist nicht gestattet. Vorne fährt ihr die Deutsche davon, hinter ihr sind Erika Csomor und die ehemalige Zeitfahr-Weltmeisterin im Radfahren, Emma Pooley aus Großbritannien, weit entfernt. Schärer ist genauso wie Beranek vor ihr auf sich gestellt. Als es auf die Laufstrecke geht, liegt Anja Beranek 4:56 Minuten vor Schärer in Front, die zweite Schweizerin Regula Rohrbach folgt als Dritte bereits mit beachtlichem Rückstand (13:33 Minuten). Pooley und Csomor liegen noch weiter zurück.

Hitze drückt von oben, Csomor von hinten

Dennoch entwickelt sich der Marathon zum Ausscheidungslauf, zumal die Temperaturen mit zunehmender Renndauer steigen. Gut 36 Grad Hitze drücken von oben, und von hinten drückt vor allem Erika Csomor. Mit 17:17 Minuten Rückstand startet die 39-Jährige in den Marathon, bei der Hälfte der Laufstrecke sind es nur noch 9:59 Minuten. Es sieht ganz danach aus, als würde sie zumindest auf Celiné Schärer noch auflaufen können, die wiederum Anja Beranek immer näher kommt. „Ich habe schon mitbekommen, dass die Abstände immer kleiner werden“, sagt Beranek später. Bis auf drei Minuten läuft Schärer an sie heran, beim Halbmarathon wirkt es sogar so, als könnte der Deutschen das Rennen noch aus der Hand geraten. „Aber ich habe die erste Hälfte bewusst sehr defensiv gestaltet“, sagt Beranek später – auf der zweiten Hälfte zieht sie dann wieder an, und hinter ihr spürt selbst die erfahrene Ungarin Csomor die Hitze, und wie ihr darin die Kräfte schwinden.

Als es in die letzte von vier Laufrunden geht, ist Anja Beranek nicht mehr zu bremsen, der Vorsprung ist wieder auf mehr als 5 Minuten angewachsen. Der Traum vom ersten Ironman-Sieg ihrer Karriere wird Realität und mit ihm die Revanche für Frankfurt. Aber auch hinter Beranek überwiegt das Glücksgefühl. „Dass ich hier vorne mit den Männern mitschwimmen kann, wusste ich schon“, sagt Celiné Schärer nochmals, „aber das ich hier Zweite werden kann, niemals.“ Erika Csomors Laufjagd endet letztlich mit dem dritten Rang. Die Gewinnerin des Ironman Austria ist im Ziel allerdings zu müde, um sich darüber zu freuen. Anders ist es bei der besten Altersklassenathletin des Tages: Katrin Esefeld aus Mettenheim wird Achte und strahlt – genauso wie Anja Beranek.

Ironman Switzerland

  1. Juli 2013, Zürich (Schweiz)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,2 km Run

1

Anja Beranek

GER

9:21:31

0:58:21

4:56:23

3:22:55

2

Celine Schärer

SUI

9:28:28

0:52:38

5:06:57

3:24:09

3

Erika Csomor

HUN

9:33:17

1:01:21

5:10:12

3:17:24

4

Sofie Goos

BEL

9:39:14

1:01:18

5:17:05

3:16:57

5

Emma Pooley

GBR

9:44:57

1:08:16

4:59:53

3:29:15

6

Stephanie Jones

USA

9:47:07

1:08:16

5:07:49

3:26:34

7

Rebecca Hoschke

AUS

9:48:14

1:08:23

5:20:09

3:15:25

8

Katrin Esefeld

GER

9:51:24

1:09:08

5:15:24

3:23:14

9

Sara Gross

CAN

9:55:48

1:01:23

5:33:58

3:16:25

10

Linda Schücker

GER

9:56:20

1:12:05

5:15:19

3:25:01

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