Auftakt zur Millionenjagd mit Frodeno, Steffen und Ryf

Nach dem Challenge-Auftakt im vergangenen Jahr ruft Dubai in diesem Jahr unter Ironman-Logo - und wieder mit der Aussicht auf den Jackpot von einer Million Dollar Prämie für die Sieger der "Triple Crown". Das will sich Jan Frodeno nicht entgehen lassen und lässt sich auf ein Abenteuer in den Emiraten ein.

Von > | 27. Januar 2016 | Aus: Szene

Jan Frodeno - Radstrecke WM Ironman 70.3

Foto > Frank Wechsel / spomedis

In Australien wartet seine hochschwangere Frau auf ihn, für Anfang Februar prognostizieren die Ärzte die Geburt des ersten Kindes von Emma und Jan Frodeno. Über Wochen hinweg stand das Training in der Prioritätenliste des amtierenden Hawaiisiegers zwischen zahlreichen Medienterminen, Sponsorentreffen, Preisverleihungen und Sportgalas auf dem ganzen Globus "nur in der zweiten, manchmal auch nur in der zehnten Reihe", wie Jan Frodeno erzählt - und doch will er sich am Freitag auf ein Abtenteuer einlassen: In Dubai findet dann zum zweiten Mal der Auftakt zur "Nasser Bin Hamad Triple Crown Series" statt, einer besonders lukrativen Chance, aber auch eine schwierige Herausforderung für die weltbesten Triathleten: Wer die Rennen in Dubai, die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in Australien (4. September) und den Ironman 70.3 Bahrain (10. Dezember) gewinnt, wird mit einer Prämie von einer Million US-Dollar belohnt.

Zurückhaltung unter den Topathleten

Im vergangenen Jahr rief das die weltbesten Triathleten zum Auftakt der Serie in Dubai in Scharen auf den Plan, in diesem Jahr aber hält sich das Interesse in Grenzen. Sei es, weil viele ihre Aussichten auf den Gewinn der Prämie nach der Euphorie durch die Neueinführung der lukrativen Serie im vergangenen Jahr mittlerweile realistischer einschätzen. Vielleicht auch, weil die Veranstaltung in Dubai im vergangenen Jahr für negative Schlagzeilen sorgte, indem nachträglich einige Athleten nach Schwächen in der Organisation auf zumindest fraglicher rechtlicher Grundlage "zurückgestuft" wurden. Weil die Athleten für sich selbst festgestellt haben, dass sich ein Rennen im Januar doch nur schwer mit den Plänen für die übrige Saison vereinbaren lässt. Oder aber, weil die Bestätigung, dass die Triple Crown Series auch 2016 wieder ausgetragen wird, erst spät erfolgte. Die Startliste für das erste Rennen der zweiten Auflage jedenfalls liest sich zwar außergewöhnlich prominent für diesen Saisonzeitpunkt - doch längst nicht so vollgepackt mit Top-Athleten, wie man es angesichts der Aussicht auf eine Millionenprämie und der mit 20.000 Dollar ebenfalls hohen Gage für den Tagessieg erwarten sollte.

Insgesamt 26 männliche und 13 weibliche Profiathleten haben für den Auftakt in Dubai gemeldet und halten sich so zumindest die Option auf den Gewinn des stattlichen Jackpots offen - nach dem Rennen werden dann nur noch ein Mann und eine Frau die Chance haben, im Dezember in Bahrain das Weihnachtsgeld von einer Million Dollar einzufahren. Vor allem deshalb hat sich Jan Frodeno auch zu dem Abenteuer in den Emiraten entschlossen, ohne sich seiner Fitness wirklich sicher zu sein. Konkurrenz bekommt er wohl vor allem durch den Neuseeländer Terenzo Bozzone, der bereits das Auftaktrennen im vergangenen Jahr gewann, dessen Formkurve aber immer wieder starke Schwankungen aufweist. Auch Bahrain-Sieger Bart Aernouts (BEL) und der - bis zu seiner Zurückstufung - Vorjahresdritte Manuel Küng (SUI) gehören zu den Favoriten auf einen Sieg in Dubai. Zudem sind auch David Plese (SVN), Josh Amberger (AUS), Mike Schifferle (SUI), dem Deutschen Markus Hörmann, Todd Skipworth (AUS), Nick Baldwin (SYC) und Sam Appleton (AUS) zu diesem ungewöhnlichen Saisonzeitpunkt in Dubai Überraschungen zuzutrauen. Auch Andreas Niedrig wird in Dubai auf die Jagd nach Punkten um die Qualifikation für den Ironman Hawaii gehen: Der Deutsche will sich mit 48 Jahren noch einmal als Profi für den Ironman Hawaii qualifizieren. (Ein ausführliches Porträt über Andreas Niedrig finden Sie in der aktuellen Ausgabe der triathlon - Nr. 137).

Sieg wider Willen?

Daniela Ryf weiß bereits, wie es ist, alle drei Rennen der Triple Crown für sich zu entscheiden. Auch für die Ausgabe in diesem Jahr hat die Schweizerin sich wieder angekündigt. Nicht aber, weil sie gewinnen wolle, betont vor allem ihr Trainer Brett Sutton: Nach dem dominanten Jahr 2015, in dem Ryf bei beinahe allen wichtigen Rennen triumphierte, soll die Schweizerin in diesem Jahr eine Art "motivierende Verschnaufpause" bekommen. Zwei Tage vor dem Rennen, schrieb Ryf via Instagram, sei sie zum ersten Mal seit acht Wochen wieder mit dem Rad auf den Straßen unterwegs gewesen. Ihr Start in Dubai solle daher als Danksagung für die finanzielle Aufwertung des Triathlonsports verstanden werden, erklärte Sutton im Vorfeld - sie wolle nicht um den Sieg kämpfen. Dennoch wirkt es nicht ausgeschlossen, dass Ryf genau das am Ende trotzdem tut. Denn in ihrer Landsfrau Caroline Steffen, die nach dem zweiten Rang in Bahrain im Dezember selbst gerade erst aus ihrer Saisonpause wieder ins Training gestartet ist, und der Britin Corinne Abraham, wie Ryf ein Sutton-Schützling, gibt es neben ihr nur zwei gemeldete Athletinnen, die ernsthaft Chancen auf den Dreifach-Erfolg zu haben scheinen. Tine Deckers (BEL), Kaisa Lehtonen (FIN), Celine Schärer (SUI) und Andrea Forrest (AUS) gelten neben dem Top-Trio als aussichtsreichste Anwärterinnen auf Top-Platzierungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das Rennen wird am Freitag um 4 Uhr mitteleuropäischer Zeit gestartet. tri-mag.de berichtet aktuell nach dem Zieleinlauf der Sieger von den Ergebnissen in Dubai.