Per Bittner: "Mehr Gaudi und mehr Möglichkeiten"

Mit 30 Jahren kommt Per Bittner allmählich ins beste Triathlonalter - doch auch in der Vergangenheit hat er schon viel erlebt: Bis 2014 agierte Bittner unter dem Mantel des Triathlon-Teams TBB, danach ging er eigene Wege. Nun wird er das Aushängeschild des IBH Pro Triathlon Teams.

Von > | 20. Januar 2016 | Aus: Szene

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Das IBH Pro Triathlon Team 2016 (v.l.n.r.): Marcus Herbst, Ulrich Hanusch, Alexander Schilling, Marcus Wöllner, Per Bittner

Foto > Hetti Vierjahn / IBH Triathlon Team

Vor einem Jahr noch war Teammitglied Alexander Schilling noch skeptisch. Mit der Gründung des "IBH Pro Triathlon Team", das vor allem mitteldeutsche Triathleten mit internationalen Ambitionen vereinen und unterstützen will, war man zwar schon auch an einer Verpflichtung des gebürtigen Leipzigers Per Bittner interessiert - zeigte sich aber zurückhaltend. "Wir hätten Per gern im Team, aber er ist im Moment mit seiner Karriere etwas weiter. Auf dieses Level müssen wir mit dem Team erst noch kommen", erklärte Schilling damals im Gespräch mit tri-mag.de. Ein Jahr später scheinen sich die Vorzeichen geändert zu haben: Nach dem Abgang ihres Teamkollegen Konstantin Seufert hat das Team um Schilling, Marcus Herbst, Marcus Wöllner und Teammanager und Hauptsponsor Ulrich Hanusch zur neuen Saison 2016 doch bei Bittner angeklopft. "Als die Anfrage kam, musste ich nicht lange überlegen", sagt Bittner. Zur kommenden Saison wird sich der Profi-Triathlet der ambitionierten mitteldeutschen Mannschaft anschließen und als deren sportliches Aushängeschild fungieren.

Mehr Möglichkeiten

Zwänge erlegt er sich damit keine auf, sagt Bittner im Gespräch mit tri-mag.de - und auch umstrukturieren muss er sich kaum: Einige seiner Sponsoren, wie seinen Radsponsor Simplon, bringt er gleich mit ins neue Team, wo sie auch die anderen Mitglieder unterstützen wollen. Zudem schätze er die Möglichkeit, über das Team den Rücken freigehalten zu bekommen, gleichzeitig aber direkt mit den Sponsoren und Unterstützern sprechen zu dürfen. "Das zum Beispiel war im Team TBB damals anders. Da stand ich nie selbst im Kontakt mit den Sponsoren und konnte meine Wünsche daher oft nicht selber mitteilen", erzählt Bittner. "Die Möglichkeiten, selbst Einfluss zu nehmen, sind im IBH-Team größer. Dazu kommt, dass das Team insgesamt einfach gut aufgestellt ist. Auch die Unterstützung beispielsweise durch die Liveticker, die über Facebook organisiert werden, gefällt mir."

Grundsätzlich käme Bittner sonst wohl auch weiterhin alleine zurecht: Die Saison 2015 war die bislang erfolgreichste des 30-jährigen Triathleten. Siege beim Triathlon in Ingolstadt, eine Podestplatzierung bei den Challenge-Halbdistanzen Walchsee-Kaiserwinkl und Batemans Bay stehen für ihn im vergangenen Kalenderjahr zu Buche, außerdem vier Finishes in Rennen über die volle Langdistanz. Nur mit dem neunten Rang zum Saisonauftakt beim Ironman Melbourne war Bittner nicht zufrieden: Das reichte nicht, um sich für den Ironman Hawaii zu qualifizieren. Deshalb reiste er zum Ironman nach Brasilien, dort aber stieg er mit Magenproblemen vorzeitig aus hakte Hawaii ab. Stattdessen startete der Deutsche bei der Challenge Roth und wurde Vierter - vor allem mit seiner Zeit von 8:04:29 Stunden war er dabei zufrieden. Es folgten im Oktober und Dezember noch dritte Plätze bei den Ironman-Rennen in Barcelona und Western Australia, eine Woche nach dem australischen Wettkampf zudem die Silbermedaille beim Ironman 70.3 Ballarat, obwohl Bittner in den Wochen vor diesem australischen Doppelstart mit hartnäckigen Wadenproblemen zu kämpfen hatte und sich seiner Sache unsicher war.

"Vorgenommen, mir nichts vorzunehmen"

Zwar will er für und mit der neuen Mannschaft auch bei regionalen Veranstaltungen wieder etwas präsenter werden, bis zum April lebt und trainiert der Deutsche trotzdem mit seiner Freundin Yvonne van Vlerken in der Unterkunft eines Freundes in Australien. "Dann waren wir am Ende fast ein halbes Jahr nicht in Europa", erzählt Bittner. Das alles tut er mit einem klaren Ziel: Bittner will sich für den Ironman Hawaii qualifizieren, für den er durch seine Herbst- und Winterstarts bereits ordentlich vorgelegt hat. Voraussichtlich zwei weitere Langdistanz-Rennen sollen im kommenden Jahr bis Hawaii noch folgen und sind bereits so gut wie fix, von Seiten der Veranstalter aber noch nicht ganz spruchreif. "In den zwei Monaten vor Hawaii werde ich aber kaum noch Rennen machen. Ich will den Wettkampf ordentlich vorbereiten", sagt Bittner, ohne ein Ziel für das Rennen auf Big Island ausgeben zu wollen. "Ich habe mir vorgenommen, mir dafür nichts vorzunehmen", sagt er - gibt aber auch zu: "Natürlich träumt jeder von einer Platzierung unter den Top Ten."

Das alles plant Bittner nicht allein, sondern immer gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin van Vlerken. Bei vielen wichtigen Rennen standen in diesem Jahr beide am Start, obwohl sie in den Tagen vorher unterschiedliche Herangehensweisen verfolgen. "Ich ziehe mich vor Wettkämpfen immer gerne etwas zurück, Yvonne dagegen chattet und unterhält sich dann am liebsten", erzählt Bittner. "Aber wir haben gelernt, uns auf den jeweils anderen einzustellen und uns nicht gegenseitig zu belasten." So werde beinahe automatisch eine Unterstützung aus der Anwesenheit des jeweils anderen. Ähnliches erhofft er sich auch von seinem neuen Team. "Im Endeffekt machen wir den Sport ja alle auch, weil wir Spaß haben wollen. Es bringt deutlich mehr Gaudi, wenn wir die Ziele gemeinsam verfolgen und uns zusammen vorbereiten können."