Dirk Bockel ist in Roth 2013 nicht zu schlagen.

Frank Wechsel / spomedis

Dirk Bockel ist in Roth 2013 nicht zu schlagen.
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Challenge Roth Bockel dominiert Cunnama, Bracht trotzt dem Pech

Langstrecke | 14. Juli 2013
Dirk Bockel hat in eindrucksvoller Manier die Challenge Roth 2013 an sich gerissen. Der Luxemburger ließ dem Vorjahressieger James Cunnama (RSA) zu keiner Zeit eine Chance. Timo Bracht kämpfte sich trotz Raddefekt auf Rang drei.
Er reiste nach Roth "um eine Bombe zu zünden". Und das hat Dirk Bockel getan: In deutlich unter acht, nämlich nach 7:52:01 Stunden, reckte der Luxemburger das Zielbanner in die Höhe und feierte ausgiebig seinen bislang größten Triumph. Und das in beeindruckender Art und Weise. Schon beim Schwimmen blieb Bockel immer in Kontakt zur Spitze, diktierte gemeinsam mit dem Neuseeländer Dylan McNeice und dem ehemaligen Kurzdistanzler Maik Petzold das Tempo im Main-Donau-Kanal.

Bockel attackiert, Bracht im Pech

Auf dem Rad tat Bockel dann sofort das, was er am besten kann - und was alle von ihm erwarteten. Der 36-Jährige nahm den Kopf zwischen die Schultern und drehte mächtig auf. Und obwohl die Konkurrenz in Form einer sich schnell bildenden Gruppe aus Konstantin Bachor, Timo Bracht, Markus Fachbach, Georg Potrebitsch, Maik Petzold und den beiden Neuseeländern Cameron Brown und Dylan McNeice davon keineswegs überrascht gewesen sein dürfte, konnte niemand dem konstant hohen Tempo Bockels folgen. Erst recht nicht, als der bis dahin stärkste Motor der Gruppe ins stottern kam: Timo Bracht fiel nach 80 Kilometern mit einem Reifenschaden aus dem Rennen nach Platz eins, verbrachte mit angerissener Felge und zerfetzem Mantel eine Viertelstunde am Streckenrand und konnte erst dann erneut Fahrt aufnehmen.

Bachor in Reichweite, dann lange Nichts

Bockel bekam davon nichts mit. Und hätte er etwas bemerkt, es hätte sicher nichts an seiner beinahe stoischen Renneinteilung geändert. In 4:15:05 Stunden spulte er die 180 Kilometer ab und zeigte damit seinem ärgsten Verfolger Konstantin Bachor gerade gegen Ende dessen Grenzen. War Bachor zuvor noch bis auf knapp zwei Minuten heran gekommen, fiel er bis in die zweite Wechselzone bis auf sieben Minuten zurück. Die nächsten Verfolger Cunnama und Fachbach mussten gar einen Rückstand von fast zwölf Minuten mit auf den Marathon nehmen. Der Einzige, der auf den letzten Kilometern mit Bockels Tempo mithalten konnte, war Timo Bracht - doch der fuhr erst gute 19 Minuten hinter dem Dominator in die zweite Wechselzone.

Gleichschritt im Fernduell

Elf Minuten sind auch für einen Dirk Bockel bestimmt kein beruhigender Vorsprung vor einem Lauftalent wie Cunnama. Doch die Souveränität, mit der der Ironman-Regensburg-Sieger des letzten Jahres auch auf der Laufstrecke zu Werke ging, ließ der Konkurrenz kaum Luft zum Atmen. Weder Cunnama, noch ein starker Markus Fachbach konnten auch nur eine Sekunde des großen Zeitpolster abknabbern. Sie kamen zwar immer näher heran an Konstantin Bachor, liefen aber genau die gleichen Kilometerzeiten wie Bockel vor ihnen.
Als der in den Zielkanal einbog, merkte man ihm an, wie wichtig ihm dieser Sieg ist. Es war der einzige Moment dieses langen Arbeitstages, an dem der Leopard-Trek-Profi seine Souveränität kurzzeitig verlor. Auf der Suche nach den richtigen Worte musste er mehrfach absetzen und um Fassung ringen: "Ich habe hier schon alle Triathlongrößen angefeuert, und wollte erst dann selbst dabei sein, wenn ich hier eine richtige Bombe zünden kann. Ich glaube, das ist mir heute wirklich gelungen." Als Zweiter musste Titelverteidiger James Cunnama die Dominanz seines Bezwingers anerkennen.

Bracht bringt's zuende - für das Publikum

Mindestens genau eindrucksvoll wie Bockels Triumphritt war das Rennen von Timo Bracht. Nach seinem Missgeschick saß der Eberbacher bereits am Streckenrand und hatte sich "eine Bratwurst bestellt". Dann kam der Materialwagen und Bracht stieg wieder auf sein Rad. Mit Wut im Bauch und fast 20 Minuten Rückstand schlüpfte er als Achter in die Laufschuhe. Und zündete dann vielleicht keine Bockel-Bombe, brannte aber eine Feuerwerk ab. Mit dem zweitschnellsten Marathon von 2:44:55 Stunden kämpfte sich Bracht zurück in ein bereits verlorenes Rennen und sicherte sich mit Rang drei zusätzlich den Deutschen Meistertitel. Markus Fachbach wurde Vierter, Konstantin Bachor wiederholte am Ende seinen sechsten Platz aus dem Vorjahr.

Leidvoller Abschied

Mit einem weinenden und noch einem weinenden Auge beendete Maik Petzold seine lange Karriere: Bis zum Halbmarathon lag der Bautzener noch gut im Rennen, danach hatte er schwer zu kämpfen. Mit einem Marathon von 3:45 und einer Endzeit von 9:19:21 Stunden schleppte sich Petzold ins Ziel seiner ersten und wahrscheinlich letzten Triathlon-Langdistanz.
Challenge Roth | Männer
14. Juli 2013, Roth
NameNationGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,195 km Run
1Dirk Bockel(LUX)7:52:0146:054:15:052:48:41
2James Cunnama(RSA)8:04:1348:384:23:462:49:16
3Timo Bracht(GER)8:08:1848:314:32:092:44:55
4Markus Fachbach(GER)8:12:1348:354:24:242:56:32
5Miquel Blanchart(ESP)8:13:2548:364:38:382:43:36
6Konstantin Bachor(GER)8:17:5548:364:19:303:07:11
7Sergio Marques(ESP)8:23:4053:094:39:142:48:14
8Roeland Smits(NED)8:24:0353:024:38:282:48:57
9Petr Vabrousek(CZE)8:26:2654:344:35:192:53:12
10Erik-Simon Strijk(NED)8:26:5451:494:37:152:57:58

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