Böcherer und Frommhold: Schwarzwald-Express "on tour"

Acht Jahre nach dem ersten und bisher einzigen Sieg eines Deutschen in St. Pölten nehmen Andreas Böcherer und Nils Frommhold am kommenden Wochenende beim Ironman 70.3 Austria den nächsten Anlauf. Beim weltgrößten 70.3-Event muss sich das Duo auch mit Lokalmatador Michael Weiss auseinandersetzen. Um den Titel bei den Frauen streitet sich Nicola Spirig mit Yvonne van Vlerken, Kristin Möller, Laura Philipp und Anja Beranek.

Von > | 14. Mai 2015 | Aus: SZENE

Ironman 70.3 Pays d\'Aix 2015 - 31 | Die Erleichterung darüber ist ihm anzusehen.

Die Erleichterung darüber ist ihm anzusehen.

Foto >Getty Images/Ironman

Rekordverdächtige 69 Profiathleten haben sich für die neunte Auflage des Ironman 70.3 Austria angekündigt. Eneko Llanos (ESP) und Lisa Hütthaler (AUT), die beiden Sieger von 2014, sind nicht dabei. Es wird also neue Champions geben. Bei den Männern könnte er zum ersten Mal seit dem Premierensieg von Michael Göhner 2007 wieder Deutsch sprechen. Im Rennen der Frauen wäre es der dritte Erfolg einer deutschen Profiathletin nach den Siegen von Sandra Wallenhorst (2009) und Julia Gajer, die im Mai 2012 am Viehofner See gewann.

Wer stoppt den Schwarzwald-Express?

Andreas Böcherer stand 2013 schon einmal auf dem Podium des einzigen Rennens in der 70.3-Serie, bei dem - unterbrochen von einem Landgang - in zwei Seen geschwommen wird. Damals war nur der Belgier Bart Aernouts schneller als der Freiburger. Das ist jetzt zwei Jahre her. In der Zwischenzeit war der 32-Jährige komplett von der sportlichen Bildfläche verschwunden. Ein schwerer Trainingsunfall in der Karibik zerstörte am 21. April 2014 seine ambitionierten Pläne. Sponsoren sprangen ab, das Selbsbewusstsein rutschte in den Keller. Doch Böcherer, der Ironman-70.3-Europameister von 2011, hat sich aufgerappelt. Und wie: "Buumbäääääämbums", schrie er nach seinem Start-Ziel-Sieg beim Ironman 70.3 Pays d'Aix via Facebook in die Welt hinaus. Mit neuem Material, viel Mut und dem Punch früherer Jahre ist der Allrounder aus dem Schwarzwald zurückgekehrt. Keine Frage, dass er trotz hochkarätiger Konkurrenz auch am Samstag ganz vorn mitmischen will - und - wenn er einen ähnlichen Tag erwischt wie vor knapp zwei Wochen - auch vorn mitmischen wird. Ein Anspruch, den auch Nils Frommhold hat. Der gebürtige Potsdamer lebt wie Böcherer im Breisgau. Als Warm-up nutzte er das Auftaktrennen der Triathlon Bundesliga in Buschhütten. Mit seinen Kollegen vom Stadtwerke Team Witten wurde er dort Dritter. Im Gegensatz zu seinem vier Jahre jüngeren Profikollegen Böcherer kann Frommhold in der 70.3-Serie noch keinen Sieg vorweisen. Um das zu ändern, muss er auf einem der schönsten Radkurse der europäischen Serie aber nicht nur an seinem Landsmann vorbei. Und er ist bereit: "Am Sonntag werden andere Qualitäten gefragt sein als ein 5-Kilometer-Endspurt", so Frommhold via Facebook.

Weiss will den ersten Heimsieg

Denn mit Startnummer 1 schickt Ironman den Österreicher Michael Weiss ins Rennen. Er soll den Gastgebern nach zwei Siegen von Lisa Hütthaler endlich auch bei den Männern den ersten Titel bescheren. Der Start des 34-Jährigen stand bis letzten Donnerstag noch auf der Kippe, nachdem er sich bei Böcherers Sieg in Aix-en-Provence mit einer Blockade im linken Kniegelenk herumplagte und ohne Aussicht auf den Sieg ins Ziel gejoggt war. Seine Ärzte gaben vor wenigen Tagen Grünes Licht. In den prestigeträchtigen Wettstreit zwischen Ösis und Piefkes könnten sich neben dem Schweizer Jan van Berkel am Samstag aber auch der Däne Jens Petersen-Bach und Alberto Casadei aus Italien einmischen. Chancen auf eine vordere Platzierung rechnen sich zudem der Leipziger Per Bittner, Michael Rünz vom Mohrenwirt Triathlon Team sowie Markus Thomschke, Marcus Herbst und die früheren österreichischen Kurzdistanzathleten Andreas Giglmayr und Paul Reitmayr aus.

Wer bekleckert Spirigs Weste?

Mindestens genauso spektakulär liest sich die illustre Liste der in St. Pölten gemeldeten Profifrauen. Angeführt wird diese Liste von Nicola Spirig, die sich seit 2007 insgesamt fünfmal auf der 70.3-Distanz versuchte und noch immer eine blütenweiße Weste hat. Die Schweizerin - und das dürfte jeder ihrer 19 Konkurrentinnen klar sein - wird auch bei ihrem sechsten Start nur schwer zu bezwingen sein. Zumindest versuchen, will das aber ein schlagkräftiges deutsches Quintett mit Natascha Schmitt, Sonja Tajsich, Kristin Möller, Anja Beranek und der EM-Dritten von 2014, Laura Philipp. Die 28-Jährige aus Schwäbisch-Gmünd hat das LBS-Ligarennen in Waiblingen als Warm-up für den scharfen Saisonstart genutzt. Auch wenn sie sich dort Ricarda Lisk knapp unterlag, war Philipp mit dem Formtest zufrieden. "Ich bin sehr stolz darauf, dass ich so lange vorn mitmischen konnte und mich erst im Zielsprint geschlagen geben musste.", schrieb sie nach dem Rennen auf ihrer Facebookseite. Das Rennen in ihrer Wahlheimat Österreich ist auch für die Niederländerin Yvonne van Vlerken ein Pflichttermin. Zweimal, 2008 und 2009, hat sie in St. Pölten schon gewonnen. Möglicherweise kommt es in der Wachau also erneut zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Laura Philipp, das Van Vlerken beim Ironman 70.3 Rügen im September 2014 knapp für sich entscheiden könnte.