Boris Stein knackt die harten Brocken von Nizza

Mit einer grandiosen Leistung beim Radfahren und auf der Marathonstrecke hat Boris Stein in Nizza den zweiten Ironmansieg seiner Karriere eingefahren. Beim Ironman France an der Côte d'Azur holte sich der Westerwälder auf beeindruckende Weise den Titel.

Von > | 28. Juni 2015 | Aus: SZENE

Boris Stein - Ironman France 2015 | Boris Stein - Ironman France 2015

Boris Stein - Ironman France 2015

Foto >Robbie Little / FinisherPix.com

Im Ironman ist Geduld ein gefragtes Talent. Wie im Vorjahr beim Ironman Switzerland hat Boris Stein beim Ironman France bewiesen, dass er auf seinen Moment warten kann. Er kam zwar spät in der Hitze von Nizza, aber er kam, flog im Marathon nach vorne und nach fast siebeneinhalb Stunden entscheidend an die Spitze.

Franzosen im Wasser vorn

Im Wasser war es eine französisch geprägte Sechsergruppe, die das Tempo bestimmte. Auf dem Zweirunden-Schwimmkurs vor der berühmten Promenade des Anglais wechselten sich Anthony Pannier, Sylvain Sudrie und Jeremy Jurkiewicz mit der Führungsarbeit ab. Dahinter kraulten die einheimischen Favoriten Bertrand Billard und Romain Guillaume zusammen mit dem US-Amerikaner Drew Scott im Wasserschatten. Während die französischen Beobachter besonders darauf achteten, wie Sudrie die Gruppe nach eher beschaulichen 50:36 Minuten aus der ruhigen Bucht führte, warteten andere gespannt darauf, wie sich der 24 Jahre junge Scott bei seinem Profidebüt auf der Langdistanz schlagen würde. Der Sohn von Dave Scott hat vor vier Jahren zwar schon den Ironman Hawaii als junger Altersklassenathlet bewältigt, aber seit seinem Wechsel zu den Profis Ende 2012 wirbelt er immer weiter aus den Fußstapfen seines Vaters heraus. Am Ende hatte er im Marathon einen ganz harten Tag zu bewältigen.

Während Romain Guillaume noch in der ersten Wechselzone die Führung an sich riss und Drew Scott bald auf Platz zwei vorfuhr, radelten zwei andere Mitfavoriten erst einmal lange und ziemlich einsam hinterher. Boris Stein hatte sich mit einer Schwimmzeit von 56:58 Minuten deutlich mehr Rückstand eingehandelt als zuvor erhofft. Den spanischen Vorjahreszweiten Victor del Corral erwischte es sogar noch heftiger (58:11 Min.). Es dauerte rund zwei Drittel der Radstrecke, bis Stein in die Top 5 vorgefahren war. Allerdings fuhr lediglich Guillaume überhaupt stärker als der Deutsche, der sich mit einem konzentrierten Pacing auf der anspruchsvollen Strecke immer weiter nach vorn brachte.

Guillaume gibt Gas

In 4:39:02 Stunden spulte Romain Guillaume den Kurs herunter, die nahezu 2.000 Höhenmeter ließ er sich kaum anmerken. Als er nach gut fünfeinhalb Stunden Renndauer an der Promenade des Anglais abstieg, stand jedoch die Mittagshitze längst dramatisch über dem Laufkurs. Zudem drohte von hinten in einem weißen Rennanzug einiges an Ungemach, denn Boris Stein hatte sich dank eines Splits von 4:41:19 Stunden am Ende der Radstrecke an Billard vorbei auf Platz zwei nach vorn geschoben. Beim Start in den Marathon war dem 30-Jährigen dann auch gleich anzumerken, dass er dieses Rennen noch nicht aufgegeben hatte.

Stein konzentriert und clever

Stein lief ein konstant hohes Tempo und verkleinerte den Abstand zusehends. Auf der ersten von vier Runden nahm er Guillaume eine Minute ab, auf der zweiten waren es bereits vier. Während der Franzose die Hitze zu spüren kam, hatte Stein den Druck des Spaniers Victor del Corral im Nacken. Dieser war im Vorjahr in Nizza mit einem 2:42er-Marathon auf Platz zwei gelaufen, diesmal startete er mit 13:13 Minuten Rückstand auf Guillaume auf die abschließenden 42,195 Kilometer und legte auch gleich ordentlich los. Doch Stein war viel zu stabil für Del Corral, der offensichtlich auch ein wenig zu hart in den Marathon gestartet war, um dem clever laufenden Deutschen noch gefährlich werden zu können. „Nach 20 Kilometern habe ich die Chance gesehen, dass ich das Rennen gewinnen kann“, erklärte Stein später, „die wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.“ Wenig später setzte er die entscheidende Attacke.

Boris Stein - Ironman France 2015 | Steins Attacke bei Laufkilometer 28 brachte die Entscheidung zugunsten des Westerwälders.

Steins Attacke bei Laufkilometer 28 brachte die Entscheidung zugunsten des Westerwälders.

Foto >Robbie Little / FinisherPix.com

Entscheidung bei Kilometer 28

Boris Stein ging im richtigen Moment das nötige Risiko ein, erhöhte den Druck und übernahm bei Kilometer 28 die Spitze. Er ließ Romain Guillaume stehen und signalisierte damit auch Victor del Corral, dass der Titel in Nizza nur über ihn gehen würde. Der Zürich-Sieger von 2014 sollte die Spitze auch nicht mehr abgeben. „Ich kann meine Freude in Worten nicht beschreiben“, so Stein im Ziel überwältigt. Der Druck des Spaniers lastete zwar bis wenige Meter vor der erlösenden Linie auf ihm, aber der Katalane sollte ihn nicht mehr ins Wanken bringen. Mit einem 2:44er Marathon lief Stein den ersten deutschen Sieg bei der elften Auflage des Ironman in Nizza am Ende souverän nach Hause.

Ironman France | Männer

  1. Juni 2015, Nizza (FRA)

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Boris Stein

GER

8:27:32

56:58

4:41:18

2:44:20

2

Victor del Corral

ESP

8:30:00

58:11

4:44:40

2:42:04

3

Romain Guillaume

FRA

8:34:44

50:46

4:39:01

3:00:01

4

Timothy van Houtem

BEL

8:44:48

59:13

4:47:28

2:51:38

5

Sylvain Sudrie

FRA

8:48:02

50:36

4:51:59

3:00:30

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