Boris Stein triumphiert in der Schweiz

Boris Stein hat den Ironman 70.3 Switzerland gewonnen. Knapper hätte der Eitelborner das Rennen allerdings kaum gestalten können: Während des gesamten Rennens lag er nie weiter als mit 50 Sekunden in Führung. Daniela Ryf dominierte die Konkurrenz der Frauen da mit einem deutlich komfortableren Vorsprung.

von | 1. Juni 2014 | Aus: Szene

Boris Stein

Boris Stein triumphiert beim Ironman 70.3 Switzerland in Rapperswil-Jona

Foto > Sebastian Kuhn / drehmomente.de

Erst konnte er wegen einer Erkältung beim geplanten Saisoneinstand nicht starten, dann wegen eines Sturzes eines Teammitglieds ein Teamrennen in der Triathlon-Bundesliga nicht finishen - pünktlich zum Start in den Juni der Saison 2014 nimmt Boris Stein aber doch Fahrt auf. Zwei Wochen nach seinem fünften Rang beim Ironman 70.3 Pays d'Aix hat Stein aus Eitelborn bei Montabaur den Ironman 70.3 in der Schweiz für sich entschieden, nachdem der Wettkampf im vergangenen Jahr wegen eines Erdrutschs auf er Radstrecke vorzeitig abgebrochen wurde, während Stein das Rennen mit anführte.

Stein vom Jäger zum Gejagten

Dabei setzte Stein in Rapperswil 2014 auf genau die Disziplin, in der er seine Leistung beim 70.3-Rennen in Frankreich vor zwei Wochen noch als "einfach nur schlecht" beurteilte: Beim Laufen entschied der gelernte Lehrer den Wettkampf in der Schweiz knapp für sich, nachdem er über weite Teile der 90 Radkilometer zunächst einmal mit Verfolgungsarbeiten beschäftigt war. Denn ähnlich wie der Deutsche Michael Göhner hatte Stein auf den ersten 1,9 Kilometern rund zwei Minuten auf eine sieben Mann große Spitzengruppe um die Schweizer Mike Aigroz, Ruedi Wild, Ronnie Schildknecht und die Deutschen Georg Potrebitsch und Sebastian Neef verloren. Ein Rückstand, den der 29-Jährige in der Folge sofort zu reduzieren versuchte - das allerdings gelang nur mühsam. Zwar hatte Stein auf der Radstrecke schnell die Rolle des ersten Verfolgers der sieben Spitzenleute übernommen und rückte bis auf rund 40 Sekunden an die Spitze heran, dann aber bemühte sich in der Führungsgruppe vor allem der Deutsche Sebastian Neef vermehrt um die Tempoarbeit - und Stein verlor zwischenzeitlich wieder etwas Zeit auf die Führenden. Es dauerte rund 60 Kilometer, bis der Westerwälder als Solist zur Spitzengruppe aufschließen und mit dafür sorgen konnte, die weiteren Verfolger um Michael Göhner, Andreas Dreitz und Bart Aernouts (BEL) vor den abschließenden rund 21 Laufkilometern auf Distanz zu halten.

Dort setzte Stein dann unmittelbar auf kontrollierten Angriff - und sich selbst, auch dank eines schnellen zweiten Wechsels, sofort an die Spitze. Die Verfolger aus der Schweiz allerdings ließen den Deutschen nicht aus den Augen: 20 Sekunden betrug der Rückstand des Duos Ronnie Schildknecht und Jan van Berkel nach drei Kilometern, nach sieben Laufkilometern gesellte sich auch noch Eidgenosse Ruedi Wild zur ersten Verfolgergruppe des Deutschen - und der Abstand nach vorne blieb mit 35 Sekunden weiterhin hauchdünn. Bis auf 50 Sekunden vergrößerte Stein dieses Polster zwischenzeitlich, dann suchte der 32-Jährige Wild sein Glück in der Offensive: Er löste sich nach rund 13 Kilometern von seinen Begleitern, lief bis drei Kilometer vor dem Ziel wieder bis auf etwas mehr als 30 Sekunden an den Führenden Stein heran. Der aber hatte sich die Kräfte perfekt eingeteilt, verteidigte seine Spitzenposition auch über die letzten Meter des Rennens und gewann nach der Challenge Kraichgau im vergangenen Jahr in der Schweiz nun auch zum ersten Mal ein Ironman-70.3-Rennen. Wild beendete das Rennen auf dem zweiten Rang vor seinen Landsleuten Aigroz, Schildknecht und van Berkel. Andreas Dreitz lief, mit fünf Minuten Rückstand auf die Laufstrecke gestartet, noch bis auf den sechsten Rang nach vorne.

Sieger Rapperswil

Die drei besten in Rapperswil: Ruedi Wild, Boris Stein, Mike Aigroz.

Foto > Sebastian Kuhn / drehmomente.de

Ironman 70.3 Switzerland | Männer

01. Juni 2014, Rapperswil-Jona (SUI)

Name Nation Gesamt 1,9 km Swim 90 km Bike 21 km Run

1

Boris Stein

GER

3:44:42

25:01

2:06:03

1:10:21

2

Ruedi Wild

SUI

3:45:31

22:57

2:08:57

1:10:04

3

Mike Aigroz

SUI

3:46:31

22:57

2:08:57

1:11:22

4

Ronnie Schildknecht

SUI

3:47:42

23:09

2:08:48

1:12:23

5

Jan Van Berkel

SUI

3:49:28

22:54

2:07:57

1:14:55

6

Andreas Dreitz

GER

3:50:26

24:09

2:12:27

1:10:34

7

Sebastian Neef

GER

3:51:46

23:12

2:08:44

1:16:28

8

Bart Aernouts

BEL

3:52:50

24:59

2:11:39

1:12:47

9

Georg Potrebitsch

GER

3:54:28

22:59

2:08:58

1:18:43

10

Michael Göhner

GER

3:54:45

24:57

2:11:36

1:14:38

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Ryf dominant, Spirig mit Reserven 

Daniela Ryf

Daniela Ryf ist in Rapperswil nicht zu schlagen.

Foto > Sebastian Kuhn / drehmomente.de

Deutlich weniger spannend verlief da die Entscheidung der Frauen: Dort hatte Daniela Ryf schon binnen der ersten zehn Radkilometer für klare Verhältnisse bei ihrem Heimrennen gesorgt. Stieg sie nach den ersten 1,9 Kilometern zunächst noch gemeinsam mit ihrer Landsfrau Celine Schärer und Michelle Vesterby (DEN), aber bereits rund zwei Minuten vor Nicola Spirig aus dem Wasser, hielt sie sich beim Radfahren nicht mehr lange mit ihren Konkurrentinnen auf. Schon nach zehn Kilometern hatte sie ihre Begleiterinnen von der ersten Disziplin um zwei Minuten distanziert, über 13 Minuten sollten es letztlich bis zum Erreichen des zweiten Wechsels werden. Nur die Britin Emma Pooley fuhr in 2:19:47 Stunden in ähnliche Regionen wie die überragende Ryf, die für die Radstrecke lediglich 2:16:35 Stunden benötigte. Allerdings hatte die Britin beim Schwimmen zuvor bereits über sieben Minuten auf die führende Schweizerin verloren.

So hatte Ryf auf der Laufstrecke mit einem riesigen Vorsprung von zwölf Minuten vor Emma Pooley keine Probleme, ihre Spitzenposition auch über die abschließenden 21 Laufkilometer zu verteidigen und das Rennen zu gewinnen - sorgte aber auch dort trotz ihres komfortablen Vorsprungs weiterhin für ein hohes Tempo und die zweitschnellste Laufzeit aller Frauen. Auch Emma Pooley verteidigte ihren zweiten Platz souverän. Im Kampf um den dritten Rang dagegen wurde es ähnlich spannend wie im Männerrennen: Nachdem die Dänin Michelle Vesterby mit gut vier Minuten Vorsprung vor der Olympiasiegerin Nicola Spirig auf die Laufstrecke gestartet war und diesen Vorsprung zunächst zu verteidigen schien, rückte die Schweizerin ihr auf der zweiten Hälfte der Laufstrecke immer näher. Spirig hatte bereits am Tag zuvor die Schweizer Vereinsmeisterschaften über 3.000 Meter in Winterthur auf der letzten 400-Meter-Stadionrunde in 9:29,96 Minuten für sich entschieden - und auch in Rapperswil hatte die Schweizerin auf dem Schlussabschnitt die größeren Reserven und verwies Vesterby kurz vor dem Ziel auf den vierten Rang. Altersklassenathletin Laura Zimmermann erreichte das Ziel in der Schweiz als beste deutsche Starterin als Neunte. Anja Beranek und Nicole Woysch waren in der Schweiz, obwohl gemeldet, nicht an den Start gegangen.

Ironman 70.3 Switzerland | Frauen

01. Juni 2014, Rapperswil-Jona (SUI)

Name Nation Gesamt 1,9 km Swim 90 km Bike 21 km Run

1

Daniela Ryf

SUI

4:00:14

23:01

2:16:35

1:17:29

2

Emma Pooley

GBR

4:12:01

30:34

2:19:47

1:17:01

3

Nicola Spirig

SUI

4:21:17

24:54

2:32:26

1:20:34

4

Michelle Vesterby

DEN

4:23:19

23:07

2:29:37

1:26:49

5

Alexandra Tondeur

BEL

4:31:39

28:04

2:35:42

1:23:43

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