Bracht im Pech, Reichel auf dem Podium

Gleich zwei Reifenpannen haben Topfavorit Timo Bracht das Saisonfinale beim Ironman Western Australia verhagelt. Sein Darmstädter Teamkollege Horst Reichel sprang in die Bresche und holte sich hinter dem siegreichen Dänen Jimmy Johnsen den zweiten Platz. Das Rennen der Frauen ging im Endspurt an die in Deutschland geborene Neuseeländerin Britta Martin.

Von > | 9. Dezember 2012 | Aus: Szene

Horst Reichel | Horst Reichel

Horst Reichel

Foto > Nis Sienknecht / spomedis

Schon nach 20 Radkilometern ging dem Vorderreifen von Timo Brachts Zeitfahrmaschine die Luft aus. Der Eberbacher behob die Panne selbst, doch schon wenige Kilometer später war der Reifen zum zweiten Mal platt. "Leider hat das Pannenspay nicht funktioniert und ich musste den Schlauch nochmal wechseln", so Bracht nach dem Rennen verärgert. Doch auch das half nicht. Mit dem ruinierten Reifen kämpfte sich der Deutsche weitere 40 Kilometer bis zu einer Servicestation. Das Ersatzrad, das man ihm dort montierte, wurde Bracht schließlich zum Verhängnis. Mit einem Rückstand von 22 Minuten auf die Spitze kam er zum zweiten Wechsel - doch nach zehn Laufkilometern nahm ihn die Wettkampfleitung aus dem Rennen, weil er Hilfe von außen angenommen hatte. "Keine Chance, zu erklären", so Bracht in einer ersten Reaktion frustriert. Mit einem richtigen Defekt habe man beim Ironman Western Australia keine Chance mehr ins Ziel zu kommen. "Sehr professionell", schimpfte der zweimalige Ironman-Europameister via facebook mit Galgenhumor über den Veranstalter.

Reichel mutig, Johnsen clever

Das Aus im letzten Rennen der Saison und dem letzten für das 21run.com Triathlon Team ist für Bracht vor allem deshalb ärgerlich, weil er nach gutem Schwimmen mit weniger als drei Minuten Rückstand auf Horst Reichel und inmitten der ersten Verfolgergruppe aussichtsreich und "mit guten Beinen" unterwegs war. Die hatte auch Reichel. Bei teils starkem Gegenwind war der 30-Jährige bis Radkilometer 100 der Gejagte. Dann bekam er Begleitung von einem Sextett mit den Australiern Mitchell Anderson, Josh Rix, Matt White und Johan Borg sowie Dänemarks Jimmy Johnson und dem Franzosen Simon Billeau. Wenig später löste sich Anderson, dem klar war, dass er fürs Laufen ein Polster auf seine Konkurrenten brauchte. Das ist nach dem Radfahren (4:30:40 Stunden) mehr als vier Minuten groß - reicht aber am Ende bei Weitem nicht, um in den Kampf um den Sieg eingreifen zu können. Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke schlug Reichel auf den ersten Laufkilometern das höchste Tempo an. Nach nur sieben Kilometern holte sich der Dritte des Ironman Kalmar die Führung von Anderson zurück - nur White und der Däne Johnsen schienen zu diesem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr für den Deutschen zu sein. Bei Kilometer elf musste der Darmstädter die Spitze dann aber schon wieder abgeben. Doch auch White, der das Rennen danach etwa eine Stunde anführte, brachte seinen Vorsprung nicht ins Ziel. In 2:54:42 Stunden gelang Jimmy Johnsen nicht nur der schnellste Marathon des Tages - der Skandinavier teilte sich das Rennen an der australischen Westküste auch am klügsten ein. Nach zwei dritten Plätzen 2006 und 2009 schaffte der 34-Jährige im dritten Anlauf den ersten Ironmansieg.

Unterstützt vom disqualifizierten Timo Bracht lief Horst Reichel - kurz vor dem Ziel von Krämpfen geplagt - noch an White vorbei auf den zweiten Platz. Nach dem Erfolg in Kalmar schon das zweite Ironmanpodium in diesem Jahr. Altmeister Jason Shortis war neben Johnsen der einzige, der beim Marathon unter drei Stunden blieb und wurde dafür mit Platz vier belohnt.

Ironman Western Australia | Männer

  1. Dezember 2012, Busselton (AUS)

Name Nation Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,195 km Run

1

Jimmy Johnsen

DEN

8:29:06

51:51

4:38:38

2:54:42

2

Horst Reichel

GER

8:34:49

48:50

4:39:52

3:01:50

3

Matt White

AUS

8:38:05

51:49

4:38:29

3:03:57

4

Jason Shortis

AUS

8:38:30

53:56

4:42:11

2:58:19

5

Petr Vabrousek

CZE

8:41:47

54:02

4:42:10

3:01:37

6

Johan Borg

AUS

8:43:55

57:08

4:38:53

3:03:45

7

Leigh Chapman

AUS

8:48:29

49:37

4:46:50

3:07:43

8

Ben Cotter

CAN

8:48:45

1:00:59

4:35:45

3:07:52

9

Simon Billeau

FRA

8:51:18

54:03

4:34:30

3:18:55

10

Justin Brewer

AUS

8:52:56

46:59

4:35:48

3:25:12

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Martin überrascht Topfavoritin Keat

Auch bei den Frauen strauchelte die große Favoritin des Rennens. Allerdings nicht beim Radfahren, sondern erst auf den letzten Laufkilometern. Keine vier Kilometer fehlten Rebekah Keat am Ende zu einem weiteren Ironmansieg. Denn da zog Britta Martin an der machtlosen Australierin vorbei und ihrem ersten Ironmantitel entgegen. Deprimiert büßte Keat bis ins Ziel noch mehr als eineinhalb Minuten auf die gebürtige Deutsche ein. Wie Johnsen hatte sich auch Keat das Rennen zuvor sehr gut eingeteilt, war auf der Radstrecke immer in Schlagdistanz zur führenden US-Amerikanerin Bree Wee und Mirjam Weerd aus den Niederlanden geblieben. Mehr als 20 Kilometer konnte Wee ihren Vorsprung auf der Laufstrecke dann noch gegen die heranstürmende Topfavoritin verteidigen. Deren Taktik durchkreuzte schließlich nur noch Martin. Die 34-jährige Sportwissenschaftlerin, die seit fünf Jahren in Neuseeland lebt, schlug Keat den sicher geglaubten kurz vor dem Ziel noch aus der Hand. Keats Landsfrau Rebecca Hoschke schob sich auf den letzten Kilometern noch an Wee und Weerd vorbei und holte sich so den letzten Platz auf dem Podium.

Ironman Western Australia | Frauen

  1. Dezember 2012, Busselton (AUS)

Name Nation Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,195 km Run

1

Britta Martin

NZL

9:13:00

1:02:13

5:00:11

3:06:10

2

Rebekah Keat

AUS

9:14:39

53:58

5:03:44

3:11:57

3

Rebecca Hoschke

AUS

9:19:48

1:02:44

5:03:28

3:09:26

4

Bree Wee

USA

9:24:40

54:04

4:58:59

3:26:59

5

Mirjam Weerd

NED

9:25:48

54:02

5:02:14

3:24:12

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