Timo Bracht geht bei der Challenge Roth als Topfavorit ins Rennen (Archivbild).

Sina Horsthemke / spomedis

Timo Bracht Heilbronn
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Challenge Roth 2012 Bracht Topfavorit, Gajer in Lauerstellung

Langstrecke | 4. Juli 2012
Zurück zu den Wurzeln: Vor zwölf Jahren bestritt Timo Bracht in Roth seine erste Langdistanz. Am Sonntag steht der 36-Jährige in Mittelfranken bereits zum fünften Mal am Start – als Topfavorit auf den Europameistertitel bei der Challenge Roth. Dabei muss er vor allem den erfahrenen Neuseeländer Cameron Brown fürchten. Bei den Frauen möchte nicht nur Julia Gajer die britische Erfolgsgeschichte beenden.
Streng genommen hat Timo Bracht seinen ersten Roth-Sieg längst eingefahren. 2001 landete der Eberbacher beim deutschen Triathlonklassiker ganz vorn – allerdings „nur“ bei den Amateuren. Elf Profis musste der damals 25-Jährige bei seinem zweiten Langdistanzrennen noch den Vortritt lassen. 2004 und 2005 kletterte er dann jeweils aufs Podium – da bereits bei den Profis. Bracht dürfte nach insgesamt sieben Jahren Roth-Pause also mit einem guten Gefühl ins Rennen gehen. Und mit einem entspannten. Die Qualifikation für Hawaii hat der 36-Jährige dank seines Siegs beim Ironman Western Australia und dem fünften Platz in Kona 2011 längst in der Tasche. Da konnte er es sich sogar erlauben, die Fans per Facebook über seine Rennplanung entscheiden zu lassen. Die fiel ziemlich eindeutig aus, sodass der Familienvater Anfang März verkündete: „Ich will die Challenge Roth knacken!“ Vielleicht knackt er am Wochenende nicht nur die, sondern – perfekte äußere Bedingungen vorausgesetzt – auch zum zweiten Mal in seiner Karriere die magische Acht-Stunden-Marke.

Wer ärgert die Routiniers?

Dies ist Routinier Cameron Brown bisher noch nicht gelungen – auch wenn er zuletzt denkbar knapp scheiterte: Beim Ironman Melbourne verpasste der Neuseeländer die Schallmauer als Zweiter nur um winzige zwölf Sekunden. Am Sonntag gehört der 40-Jährige jedenfalls zu Brachts größten Konkurrenten. Auch, weil die beiden läuferisch in der gleichen Liga spielen. Eins steht jedenfalls fest: Sollten der Deutsche und Brown gemeinsam vom Rad steigen, können sich die Zuschauer entlang des Main-Donau-Kanals auf ein spannendes Laufduell freuen. Auf einen läuferischen Vergleich mit den beiden Favoriten sollte es Georg Potrebitsch dagegen nicht ankommen lassen, wenn er auf dem Rother Festplatz ganz vorn landen möchte. Der 28-jährige Teamkollege Brachts muss stattdessen versuchen, die ersten Disziplinen zur Flucht zu nutzen, zumal ihm mit Per Bittner, dem Sieger der Half-Challenge Barcelona 2012, ein weiterer Landsmann im Nacken sitzt, dem er in den Laufschuhen nicht gewachsen sein dürfte.
Auch der Südafrikaner James Cunnama und der neuseeländische Vorjahresdritte Keegan Williams dürften die 42,195 Kilometer an einem normalen Tag schneller als Potrebitsch absolvieren. Sind die beiden nach dem Schwimmen noch in Schlagdistanz nach vorn, ist für sie eine Top-5-Platzierung drin. Darauf haben es auch der Schweizer Mike Aigroz, Konstantin Bachor aus Wolfsburg und der Tübinger Felix Schumann abgesehen.

Jahr eins nach Chrissie Wellington

Obwohl sich die dreifache Roth-Siegerin Chrissie Wellington in diesem Jahr eine Triathlonpause gönnt, steht auch 2012 eine Britin als große Favoritin am Start: Langdistanz-Weltmeisterin Rachel Joyce. Die 34-Jährige überzeugte in dieser Saison bereits mit ihrem zweiten Platz beim Ironman Melbourne und dem Sieg beim 70.3-Rennen von Kansas. Am Sonntag bekommt sie es mit einem starken deutschen Duo zu tun, das die britische Erfolgsgeschichte beim Heimrennen beenden will: Julia Gajer und Sonja Tajsich. Gajer jedenfalls, bei ihrem Langdistanz-Debüt 2011hinter Wellington überraschend Zweite, zeigte sich zuletzt in starker Form: Zunächst gewann die 29-Jährige den Ironman 70.3 St. Pölten, wenige Wochen später schnappte sie sich bei der Challenge Kraichgau auch den Europameister-Titel über die Mitteldistanz. Entsprechend selbstbewusst dürfte die Aufsteigerin der vergangenen Saison an den Start gehen. Ein großer Sieg fehlt Tajsich in diesem Jahr zwar noch, dennoch hat die 37-Jährige nicht weniger als den EM-Titel als Ziel formuliert. Aus ihrer Rennstrategie macht die Regensburgerin kein Geheimnis. Sie wolle „den Rückstand beim Schwimmen möglichst unter zehn Minuten halten und beim Radfahren und Laufen Vollgas geben“, erklärte Tajsich wenige Tage vor dem Rennen gegenüber tri-mag.de. Geht dieser Plan auf, könnte es am Ende vielleicht wirklich zum Titel reichen.
Nicht zu unterschätzen sind die Tschechin Lucie Reed-Zelenková, 2011 noch Zweite der Ironman-EM in Frankfurt, die australische Vorjahresdritte Rebekah Keat, die Neuseeländerin Gina Crawford, Publikumsliebling Belinda Granger (AUS) sowie die beiden Deutschen Wenke Kujala und Beate Görtz.

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