Ironman Western Australia Bracht und Wagner auf heißer Mission

Langstrecke | 5. Dezember 2012
Mit dem 28. Rennen endet am Sonntag das Ironmanjahr 2012 fast genau dort, wo es vor neun Monaten begonnen hat. In Busselton, an der Westküste Australiens, will Timo Bracht seinen Vorjahressieg wiederholen. Dana Wagner könnte ihre Saison Down Under mit einem Podiumsplatz abrunden. Doch zwischen Triumph und Gänsebraten liegen für beide genau 226 heiße Rennkilometer.
Vor genau einem Jahr musste Timo Bracht an der australischen Westküste alles auspacken, um den ungestümen Clayton Fettell bei dessen zweitem Ironman auf der Marathonstrecke doch noch in die Knie zu zwingen. Der junge Australier fehlt am Sonntag und macht damit den Weg frei für den achten Ironmantitel in Brachts eindrucksvoller Langdistanzkarriere. Es wäre der fünfte eines deutschen Profis im Kalenderjahr 2012. Für den Eberbacher geht es bei der neunten Auflage des Ironman Western Australia aber nicht nur um den Sieg - allein das Finish dürfte reichen, um zumindest virtuell mit der Fahrkarte für den Ironman Hawaii 2013 im Gepäck nach Hause zu fliegen und zufrieden Weihnachten zu feiern. Der Anspruch des Hawaii-Sechsten ist natürlich ein anderer.

Bracht und dann lange nichts

Die Helden des Jahres scheinen etwas müde zu sein. Nur gut 30 Athleten mit Profilizenz haben sich für den Ironman-Jahresabschluss Down Under entschieden. So streiten sich am Sonntag elf Frauen und 20 Männer um die letzten Punkte fürs Kona Pro Ranking, die traditionell in Busselton verteilt werden. So gut wie in der Tasche hat das Ticket nach Kona eigentlich nur Timo Bracht. Der Eberbacher liegt nach seinem sechsten Platz auf Hawaii im Kona Pro Ranking 2013 auf dem neunten Platz und dürfte mit einer zusätzlichen Podiumsplatzierung alles klar machen. Zweimal hintereinander gewann der 37-Jährige zuletzt sein erstes Ironmanrennen nach dem Ironman Hawaii. Erst in Arizona, im vergangenen Jahr dann in Busselton. "Ich war beide Male in sehr guter Form", erinnert sich Bracht. Dieses Mal lief für ihn nach der Rückkehr aus Kona nicht alles nach Plan. Bracht schlug sich mit einigen Erkältungen herum, musste seine Pläne fürs Saisonfinale umstellen. Ausreden lässt er trotzdem nicht gelten. "Ich denke, dass ich meinen Titel trotzdem verteidigen kann", sagt er optimistisch. Vermutlich hat auch er schon einen Blick auf die Startliste geworfen. Denn - bei allem Respekt - muss sich Bracht vor keinem seiner Konkurrenten fürchten. Allein seine große Erfahrung dürfte dem 42-jährigen Altmeister und Vorjahresdritten Jason Shortis kaum reichen, um den Deutschen an einem normalen Tag in Bedrängnis zu bringen. Auch Josh Rix, Mitchell Anderson, Matt Whyte, Petr Vabrousek oder der Österreicher Daniel Niederreiter werden Bracht auf dem flachen Kurs zwei Autostunden südlich von Perth kaum gefährden können. Ein Ironman-Podium und den sechsten Platz von Zürich bringt Mike Schifferle mit nach Australien - doch auch für den Schweizer geht es eher um die Plätze hinter dem zweifachen Ironman-Europmeister.
Kurzfristig zu seinem Start entschlossen, hat sich auch Horst Reichel. Der Darmstädter hatte sich beim Ironman Cozumel vor zwei Wochen auf dem Rad übernommen und war schon nach zehn Laufkilometern völlig entkräftet ausgestiegen. Dass er auf der Langdistanz konkurrenzfähig ist, zeigte Reichel Mitte August mit dem dritten Platz beim Ironman Kalmar. Bracht wird auch er in Busselton wohl nicht ärgern können - ein Podestplatz ist für den 30-Jährigen aber möglich.

Wagner fordert Keat

Wer im Rennen der Frauen die 1.000 Siegerpunkte abstauben möchte, muss vermutlich an Rebekah Keat vorbei. Die frühere Vielstarterin hat sich 2012 merklich zurückgehalten - erst im August buchte die 34-jährige Australierin mit dem zweiten Platz beim hochdotierten Ironman New York noch den Flug nach Kona. Dort landete sie auf Rang 13 - ein gutes Ergebnis. Keat könnte in Busselton den dritten Ironman ihrer Karriere gewinnen - es wäre nach dem Ironman Australia 2007 schon der zweite in ihrer Heimat. Wehren muss sie sich gegen eine hoffnungsvolle Deutsche, die 2012 ebenfalls schon auf dem Podium eines Ironman stand. Dana Wagner schaffte bei der Premiere des Ironman Sweden in Kalmar den Sprung auf Platz zwei, nachdem sie in Klagenfurt als Vierte noch knapp gescheitert war. Die 29-Jährige aus Hannover hat gute Chancen, ihr Erfolgsjahr mit einem weiteren guten Ergebnis zu beenden, und sich damit die Tür für die Ironman-WM im Oktober 2013 in Kailua-Kona offen zu halten. Außerdem am Start: Die US-Amerikanerin Bree Wee, Belinda Harper aus Neuseeland, Keats Landsfrau Rebecca Hoschke, die Britin Joanna Carritt und die in Deutschland geborene Neuseeländerin Britta Martin.