Arizona Bracht und Wellington in Rekordzeit

Langstrecke | 22. November 2010
Mit dem dritten Sieg binnen fünf Jahren hat Timo Bracht die deutsche Erfolgsgeschichte beim Ironman Arizona in Tempe weitergeschrieben. Frauensiegerin Chrissie Wellington meldete sich sechs Wochen nach ihrem Startverzicht auf Hawaii zurück als wäre nichts gewesen.
Die Deutschen scheinen sich wohl zu fühlen in Arizona, dem Grand Canyon State im Südwesten der USA: Nach den Siegen von Faris Al-Sultan 2005 und Andreas Raelerts erfolgreichem Ironman-Debüt 2008 verbuchte der zweifache Ironman-Europameister Timo Bracht im Tempe nun den dritten deutschen Titel innerhalb von fünf Jahren. Das Ticket für den Ironman Hawaii 2011 hat er damit praktisch in der Tasche, denn mit 5.300 Zählern liegt Bracht nun auf Platz drei des neuen Kona Pro Rankings und dürfte damit kaum noch von einem der 50 Qualifikationsplätze zu verdrängen sein.

Bracht gelassen, Henning bestraft

Nur sechs Wochen nach dem sechsten Platz in Kona war der Eberbacher in seinem letzten Wettkampf des Jahres von der ersten Rennsekunde an hellwach, und das nicht nur wegen des empfindlich kalten Wassers im Tempe Town Lake. Nach 51:24 Minuten entledigte sich Bracht auf Zwischenrang 13 seines Neoprenanzugs. Der Däne Rasmus Henning war erwartungsgemäß knapp dreieinhalb Minuten schneller, doch gemeinsam mit Ironmanrookie Matthew Reed (USA) war er auch der einzige ernstzunehmende Konkurrent, der deutlich vor dem Deutschen auf dem Rad saß. Aus der Ruhe brachte das den erfahrenen Mann aus dem Rhein-Neckar-Kreis aber nicht. Gemeinsam mit Vorjahressieger Jordan Rapp und dem Hawaii-Zweiten von 2009, Chris Lieto (beide USA), verkürzte Bracht den Rückstand zur Spitze bei nasskalten und schwierigen Bedingungen binnen 70 Kilometern auf eine Minute. Nach zwei der drei flachen Radrunden schloss das Trio schließlich zu Henning und dem US-Amerikaner Kevin Everett auf. Dann eine vielleicht rennentscheidende Szene: Henning, der gefährlichste, weil laufstärkste Konkurrent von Timo Bracht, kassierte von den Racemarshalls eine 4-Minuten-Zeitstrafe, die er vor dem Wechsel auf die Marathonstrecke absitzen musste.

An der langen Leine

Aus unbedeutenden 15 Sekunden, die Henning nach zwei Disziplinen und knapp fünfeinhalb Rennstunden hinter Bracht lag, wurde so ein vorentscheidender Vorsprung für den Deutschen. Der hatte das Feld nach dem Radfahren gemeinsam mit Rapp angeführt, denn Lieto konnte dem Duo auf den letzten Kilometern etwas überraschend nicht mehr folgen. Der 38-jährige US-Amerikaner brach später völlig ein und landete weit abgeschlagen auf Platz 29. An der Spitze des Rennens kontrollierte Bracht das Tempo. Bis Kilometer zehn büßte Rapp, der noch im März bei einem Trainingsunfall nur knapp dem Tod entgangen war, fast eine, Lieto sogar mehr als zwei Minuten auf den Führenden ein. Einzig Hennings Rückstand schrumpfte etwas, doch an der Halbmarathonmarke lag selbst der Skandinavier noch drei Minuten hinter Bracht. Bis ins Ziel hielt der 35-Jährige seine Gegner an der langen Leine, mal kamen sie etwas näher, dann wurde der Abstand wieder größer. Nach 8:07:16 Stunden und dem drittschnellsten Marathon (2:48:59 Stunden) endete Brachts Arbeitstag auf der Rio Salado mit einem hochverdienten und letztlich souveränen Sieg, dem fünften seiner Karriere. Henning war auf der Laufstrecke nur wenige Sekunden schneller; das reichte für den Challenge-Roth-Sieger nach 8:10:58 Stunden immerhin noch zu Rang zwei. Vorjahressieger Rapp lief bei seinem kaum für möglich gehaltenen Comeback knapp an einem Podiumsplatz vorbei. Den schnappte sich Tom Lowe, ein bis dato nur Insidern als Lebenspartner von Chrissie Wellington bekannter Brite, der in Tempe den ersten Ironman seiner Karriere mit der schnellsten Marathonzeit (2:48:12 Stunden) auf Platz drei ins Ziel brachte. Auf dem bemerkenswerten siebten Platz beendete Maximilian Longrée seinen zweiten Ironman binnen zwei Wochen.

Wundersame Wellington

Das Rennen der Frauen ist schnell erzählt: Sechs Wochen nach ihrem krankheitsbedingten Startverzicht beim Ironman Hawaii kehrte Chrissie Wellington zurück als wäre nichts gewesen. Weder ihre auskurierte Lungenentzündung, noch eine Streptokokken-Infektion oder der West-Nil-Virus, den sich die Britin in ihrem Traininsquartier in Boulder eingefangen haben soll, schienen die 33-Jährige noch zu behindern. Im Gegenteil: Schon auf der Radstrecke demütigte die dreifache Hawaiisiegerin ihre bedauernswerten Gegnerinnen, allen voran ihre Landsfrau Leanda Cave. In 4:47:06 Stunden war sie in der zweiten Disziplin nur fünf Minuten langsamer als Maximilian Longrée, der Siebte des Männerfelds. Für Cave ging es mit einem Rückstand von mehr als zwölf Minuten schon beim Wechsel auf die Laufstrecke nur noch um Platz zwei. Den verlor die 70.3-Vizeweltmeisterin beim Marathon allerdings noch an die stark laufende Linsey Corbin (USA). Derweil mischte Wellington einmal mehr im Feld der besten Männer mit: nur vier Profis liefen schneller als die unheimliche und seit drei Jahren im Ironman ungeschlagene Britin. Longrée war einer davon und gleichzeitig der letzte, der sich vor Wellington ins Ziel retten konnte. Die rollte sich nach 8:36:13 Stunden als Gesamt-Achte vergnügt über den Zielstrich, löschte nebenbei die bisherige Bestzeit in einem offiziellen Ironmanrennen aus und löste damit Sandra Wallenhorst (8:47:25 Stunden, Ironman Austria 2008) an der Spitze dieser Wertung ab.
Ironman Arizona, Frauen
21. November 2010, Tempe/Arizona (USA)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Chrissie WellingtonGBR51:564:47:062:52:568:36:13
2Linsey CorbinUSA59:354:58:133:03:299:05:33
3Leanda CaveGBR51:134:59:553:18:129:13:50
4Meredith KesslerUSA51:215:07:453:11:329:15:01
5Heather WurteleCAN56:344:59:333:18:459:19:10
6Erika CsomorHUN1:00:045:09:243:08:339:22:38
7Mackenzie MadisonUSA1:07:025:02:003:09:579:24:11
8Heleen bij de VaateNED1:07:055:04:393:12:549:29:15
9Uli BrommeUSA1:00:085:12:123:14:179:31:22
10Lauren HarrisonUSA1:02:505:01:453:24:519:33:53
11Annett KamenzGER1:03:085:06:503:32:439:49:18
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28Simone MayerGER1:00:315:48:573:48:1710:46:24
Ironman Arizona, Männer
21. November 2010, Tempe/Arizona (USA)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Timo BrachtGER51:244:23:172:48:598:07:16
2Rasmus HenningDEN47:584:30:352:48:358:10:58
3Tom LoweGBR56:374:22:512:48:128:11:44
4Jordan RappUSA51:574:22:382:58:028:16:45
5Jozsef MajorHUN58:404:23:162:59:188:26:15
6Matthew ReedUSA48:024:40:562:59:398:33:08
7Maximilian LongréeGER56:334:42:222:50:488:33:28
8Ian MikelsonUSA51:154:42:233:03:388:41:18
9Joe McDanielUSA51:074:46:443:01:478:43:23
10Anthony TothCAN56:364:42:343:02:438:46:57
11Mike SchifferleSUI59:584:31:313:11:458:47:53
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16Heinrich SicklAUT56:414:46:383:14:229:01:31