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Ein Raelert kommt selten allein: Nach Andreas' Sieg im Vorjahr geht der Titel beim Ironman 70.3 Mallorca 2012 an Bruder Michael.

Jan Sägert / spomedis

Ein Raelert kommt selten allein: Nach Andreas' Sieg im Vorjahr geht der Titel beim Ironman 70.3 Mallorca 2012 an Bruder Michael.
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Ironman 70.3 Mallorca Bühne frei für die Raelert-Show

Langstrecke | 12. Mai 2012
Michael Raelert hat nach einem überragenden Soloritt die zweite Auflage des Ironman 70.3 Mallorca gewonnen. Zweiter wurde Überraschungsgast Michael Göhner. Bei den Frauen verteidigte die Britin Emma-Kate Lidbury ihren Titel, Natascha Schmitt feierte ihre Podiumspremiere.
In der Oper nennt man das, was Michael Raelert an diesem heißen Frühsommertag in Alcúdia auf die Bühne brachte, eine Arie. Begleitet wurde diese zu keiner Sekunde und auf keinem einzigen der 113 Rennkilometer gefährdete Vorstellung des Rostockers allerdings nicht von Instrumenten, sondern von mehr als 40 schlichtweg bemitleidenswerten Profikollegen. Denn die bekamen Raelert in den knapp vier Rennstunden nur als Rückansicht präsentiert - und selbst das nur äußerst selten.

Raelert hält sich (kurz) zurück

Knapp 20 Grad zeigte des Thermometer am Strand von Alcudia schon am frühen Morgen. Es würde ein heißer Tag werden - das war allen klar. Weil das Mittelmeer im Mai aber auch nicht wärmer ist, durften die Profis und Amateure bei der zweiten Auflage des Ironman 70.3 wieder in ihre Neoprenanzüge schlüpfen. Dann ging es wie üblich darum, wer ihn als Erster wieder ausziehen darf. Michael Raelert, erster Anwärter auf dieses zwar brotlose, aber nicht unwichtige Zwischenziel war es etwas überraschend nicht. Denn der belgische Außenseiter Tom van der Hoegenstraete und Ben Allen aus Australien hatten nach etwas mehr als 24 Minuten, und damit wenige Sekunden vor dem Deutschen, wieder festen Boden unter den Füßen. Das kümmerte den haushohen Favoriten allerdings kaum. Schon auf dem mehrere hundert Meter langen Weg vom Strand bis zu den Rennmaschinen stellte Raelert die erwartete Hackordnung her.

Verfolgermühe vergeblich

"Ich hab dann gleich auf den ersten Kilometern Vollgas gegeben", erklärte er nach dem Rennen - und es klang als sei das das Normalste der Welt. Noch bevor es in die ersten kleinen Anstiege des Tramuntana-Gebirges ging, war das Loch zu den Verfolgern auf zweieinhalb Minuten angewachsen. Er habe noch gewartet, ob jemand hinterherkommt, kommentierte Raelert später die letztlich vorentscheidende Situation. Als das nicht passierte, stiefelte der 31-Jährige teils in Aeroposition, teils im Wiegetritt hinauf Richtung Kloster Lluc. Dahinter bestimmten van der Hoegenstraete und ein Trio mit dem Kölner Johann Ackermann etwas, dass der spontan eingeflogene Michael Göhner danach als "zweites Rennen" bezeichnete. Der Reutlinger, der sich erst einen Tag vor dem Rennen zu einem Start entschlossen hatte, zog in den bis zu zehn Prozent steilen Rampen einen Zug von zehn Konkurrenten hinter sich her. Den höchsten Punkt der Strecke überquerte Göhner zwar dann nur noch mit vier Begleitern, allerdings auch rund fünfeinhalb Minuten nach Michael Raelert. Und auch in der anspruchsvollen Abfahrt mit einigen kniffligen Haarnadelkurven kam das Quintett, zu dem neben Ackermann auch Stefan Schmid, van der Hoogenstraete und der Brite Mark Threlfall gehörte, dem Ironman-70.3-Weltmeister von 2009 und 2010 keine Sekunde näher. Dort sei Sicherheit vorgegangen, versicherte der nach dem Rennen. "Ich wollte dort nichts riskieren." Das brauchte Raelert auch nicht, denn er war seinen "Verfolgern" auf den 90 Kilometern in allen anderen Belangen überlegen. An einem Wendepunkt rund 20 Kilometer vor dem zweiten Wechsel konnte er sich dann selbst davon überzeugen. "Da wusste ich, dass es reichen würde und hab gleich noch mal Vollgas gegeben", bekannte der Rostocker später. Sein 10-Minuten-Vorsprung beim zweiten Wechsel war nur noch etwas für Triathlon-Statisten, denn der Sieger stand da längst fest.

Bruderduell verloren, Selbstvertrauen gewonnen

Nun hatte Michael Raelert eigentlich nur noch ein Ziel: nämlich seinem Bruder die Streckenbestzeit aus dem Vorjahr abzujagen. Dazu wäre eine Halbmarathonzeit von etwa 1:10 Stunden nötig gewesen. Auf die Hitze, die Temperaturen waren um die Mittagszeit auf fast 30 Grad geklettert, wollte er das am Ende klar gescheiterte Projekt aber nicht schieben. "Die Radstrecke war länger", klärte er im Interview mit triathlonTV auf. Und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Und die Laufstrecke bestimmt auch." Dass es auf dem Weg nach Kona noch Defizite aufzuarbeiten gilt, weiß Raelert. Dennoch verdiente sein Sieg, auch vor dem Hintergrund des etwas missratenen Saisoneinstiegs, das Prädikat "Weltklasse". Göhner gewann das selbst ausgerufene Rennen im Rennens und war trotz eines noch nicht ganz überwundenen Hustens damit hochzufrieden. Der Australier Ben Allen und der überraschend starke Tom van der Hoogenstraete verhinderten einen deutschen Vierfach-Erfolg und verwiesen Johannes Moldan und Stephan Vuckovic auf die Plätze fünf und sechs.
Ironman 70.3 Mallorca 2012 | Männer
12. Mai 2012, Port d'Alcúdia / Mallorca (Spanien)
NameNationGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Michael RalertGER3:57:0824:392:13:261:14:28
2Michael GöhnerGER4:10:1127:062:19:001:18:20
3Ben AllenAUS4:12:5124:372:23:101:19:53
4T. v.d. HoogerstraeteBEL4:13:2524:352:21:551:21:44
5Johannes MoldanGER4:13:3727:032:20:261:20:46
6Stephan VuckovicGER4:14:2725:552:22:361:20:09
7Alejandro SantamariaESP4:14:4128:022:22:211:19:05
8Stefan SchmidGER4:14:5027:082:23:021:18:53
9Cedric LassondeGBR4:16:1827:132:22:191:20:23
10Kamil v. BeijnumSUI4:16:4227:342:19:291:24:14
 

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