Carfrae füllt das Vakuum

Nicht nur Chrissie Wellington macht den Ironman Hawaii schnell. Mirinda Carfrae nutzte nicht nur die Abwesenheit der dreimaligen Siegerin aus Großbritannien zum Sieg – sondern legte in 8:58:36 Stunden auch die viertbeste jemals auf Hawaii erzielte Zeit vor.

Von > | 10. Oktober 2010 | Aus: SZENE

Mirinda Carfrae | Mirinda Carfrae gewinnt den Ironman Hawaii 2010

Mirinda Carfrae gewinnt den Ironman Hawaii 2010

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Carfrae füllt das Vakuum

Die Australierin Mirinda Carfrae hat nach dem zweiten Platz im Vorjahr den Ironman Hawaii gewonnen. Dank eines Marathons in 2:53:32 Stunden siegte die 29-Jährige überlegen mit der schnellen Zeit von 8:58:36 Stunden. Mit dieser Endzeit machte Carfrae sogar Chrissie Wellington vergessen, die am Morgen kurz vor dem Start ihren Rückzug vom Rennen bekanntgegeben hatte. Carfrae schaffte die viertschnellste Zeit, die jemals beim Ironman Hawaii erreicht worden ist – nur zweimal Paula Newby-Fraser (1992 und 1993) sowie einmal Chrissie Wellington (2009) waren schneller.

Wellingtons Absage trübt den Start

Bis zum Start des Rennens war Wellingtons Absage das bestimmende Thema in Kailua-Kona gewesen. Wegen einer kurzfristig erlittenen Erkrankung, so teilte der Veranstalter mit, hatte die dreimalige Siegerin nur wenige Minuten vor dem Start erklären müssen, dass sie nicht antreten könne. Wellington sei so angeschlagen, dass sie ihre Ziele nicht erreichen könne, hieß es. Anders als beispielsweise Faris Al-Sultan, der vor drei Jahren mit massiven Magenproblemen am Rennmorgen traurig und gekrümmt vor Schmerzen seinen Startverzicht erklärt hatte, war von Wellington in Kona jedoch nichts zu sehen. Von der Britin gab es nur ein offizielles Statement.

Die Britin sollte nicht die einzige Mitfavoritin sein, die in diesem Rennen vorn erwartet worden war, am Ende aber nicht in den Ergebnislisten auftauchte. Auch Sandra Wallenhorst, die Dritte von 2008, erreichte das Ziel nicht. Die Europameisterin von Frankfurt erwischte ein schlechtes Schwimmen und kam erst nach 1:07 Stunden aus dem Wasser. Die Favoritinnen lagen da bereits weit vor ihr – die Vorjahressechste Rachel Joyce aus Großbritannien war nach 52:25 Minuten als erste Frau aus dem welligen Pazifik geklettert.

Wallenhorsts dramatischer Fehler

Während sich an der Spitze des Frauenrennens bald die Britin Julie Dibens absetzte, die als amtierende Ironman-70.3-Weltmeisterin bereits im Vorfeld zu den klaren Sieganwärterinnen gezählt werden durfte, beging Wallenhorst einen dramatischen Fehler. Zu Beginn der Radstrecke nahm die 38-Jährige eine falsche Abzweigung und kürzte dadurch die Strecke entscheidend ab. Die Hannoveranerin fuhr zwar noch den kompletten Radkurs zu Ende (in 5:08:17 Stunden), aber es spielte am Ende keine Rolle mehr, weil die Dritte von 2008 von den Schiedsrichtern disqualifiziert wurde.

Auf dem Rad machten andere das Rennen schnell, allen voran Dibens an der Spitze. Nach 53:50 Minuten war die Halbdistanz-Weltmeisterin als Zweite aus dem Wasser gekommen und übernahm bald das Kommando. Nach rund 30 Kilometern ging Dibens in Führung und setzte sich bald deutlich von ihren Verfolgerinnen ab. Von hinten kam derweil eine zweite Spitzenradlerin immer weiter auf, Karin Thürig. „Ich kann nicht schwimmen“, sollte die Siegerin des Ironman Zürich später halb im Spaß, halb im Ernst erklären. Könnte sie besser kraulen, hätte sie durchaus aufs Podest kommen können. Aber so war die 38-Jährige erst nach 1:13:12 Stunden aus dem Wasser gekrabbelt. Eine Zeit, die sogar schlechter war, als es sich Thürig selbst erhofft hatte. Da half es auch nicht so sehr, dass die zweimalige Zeitfahr-Weltmeisterin Radbestzeit fuhr: Ihre Zeit von 4:48:22 Stunden war um Klassen besser als anderen Frauen-Zeiten, Dibens fuhr 4:55:27 Stunden, Thürigs Zimmerkollegin Steffen legte in 4:59:22 Stunden die drittbeste Zeit vor.