Carfrae und McCormack geben sich ganz entspannt

Der Bike-Check-In der Profis vor dem Ironman Hawaii ist in jedem Jahr ein Hingucker. Die eigens für den Saisonhöhepunkt lackierten Räder, die großen Sonnenbrillen, die Nervosität in den Gesichtern der Topathleten - zu sehen gibt es im Bereich der Wechselzone am Pier jede Menge.

Von > | 13. Oktober 2012 | Aus: SZENE

mirinda carfrae | Bike-Check-In Ironman Hawaii

Bike-Check-In Ironman Hawaii

Foto >Volker Boch

Gemeinsamkeit ist Trumpf beim Bike-Check-In für den Ironman Hawaii. Am Freitagnachmittag trudeln Agegrouper und Profi-Athleten zusammen an der Wechselzone am Pier von Kailua-Kona ein. Es ist ein nicht allzu heißer, freundlicher Nachmittag, der Himmel ist bläulich-grau und die Stimmung gut. Einträchtig stehen sie beieinander in der Schlange, die Topfavoriten und die Ambitionierten, ganz so wie es dem Lifestyle des Ironman entspricht.

Dies gilt auch für die Raelert-Brüder, die bereits früh am Pier einrollen. Ihre eigens für den Ironman Hawaii designten Zeitfahrräder glänzen im Sonnenlicht, und die beiden Rostocker wirken im positiven Sinn angespannt für den großen Renntag. Gemeinsam mit dem Mechaniker ihres Radsponsors schlendern sie nach dem Check-In die Palani Road hoch. Die beiden Brüder tragen gemeinsam eine blaue Werkzeugkiste des Mechanikers, einträchtig, Andreas links, Michael rechts. Man könnte das Miteinander der beiden als symbolisches Bild verstehen für das Rennen, das gut zwölf Stunden später beginnen wird.

Mit der Louis-Vuitton-Tasche in die Wechselzone

Beim Bike-Check-In lassen sich jedes Jahr die unterschiedlichsten Gemütszustände und Typen erleben. Ganz egal, ob es Altersklassenathleten sind oder Profisportler, es ist der Ironman Hawaii, das Rennen des Jahres – und da ist einfach jeder nervös. Es ist sicher kein Special-Needs-Bag für die Eigenverpflegung an der Wettkampfstrecke, den die attraktive Agegrouperin da über ihrer Schulter hängen hat und mit in die Wechselzone nimmt. Wer würde im Rennen schließlich eine Louis-Vuitton-Ledertasche am Straßenrand von Hawi hinwerfen wollen? Kurz nach der Dame mit der feinen Tasche kommt eine Athletin um die Ecke, die außer ihrem Rad alles im Hotel vergessen hat. Sie wirkt nicht besonders begeistert, als ihr der Helfer erklärt, dass sie ihr Rad nicht ohne Helm, Schuhe und Laufsachen in der Wechselzone abstellen darf.

Solche Anfängerfehler passieren Profis natürlich seltener, aber kleine Probleme kommen auch hier schon mal vor. Bei Andreas Böcherer beispielsweise ist plötzlich der Reifen platt, als er das Rad in der Wechselzone abstellen will. Die Räder der Profis sind in einigen Fällen echte Hingucker, eigens mit Sonderlackierung aufbereitet für den Ironman Hawaii. Unter anderem ist der Bolide von Marino Vanhoenacker in stilvollem Weiß und Orange gehalten, hawaiianische Muster sind in die Lackierung eingearbeitet – viel feiner kann man so etwas kaum gestalten. Der belgische Mitfavorit selbst versteckt seinen Blick hinter einer verspiegelten Sonnenbrille und Kopfhörer in den Ohren.

Aufbau Zielbereich | Während des Bike-Check-In laufen die Vorbereitungen zum Ironman Hawaii auf Hochtouren - unter anderem an der Zieltribüne.

Während des Bike-Check-In laufen die Vorbereitungen zum Ironman Hawaii auf Hochtouren - unter anderem an der Zieltribüne.

Foto >Volker Boch

Ein Ehrenpreis für Greg Bennett

Der langjährige US-Kurzdistanz-Star Greg Bennett gewinnt beim Bike-Check-In den Preis für die mit Abstand größte und schwärzeste Brille des Tages – vor dem großen Tag mag man sich eben lieber ein bisschen verstecken. Ganz entspannt dagegen kommt Sonja Tajsich zur Wechselzone, sie grüßt, sie lächelt – es ist klar erkennbar: Hier freut sich jemand richtig, dass es bald losgeht. Genauso strahlend wirkt der US-Amerikaner Andy Potts, vielleicht ahnt er, dass er beim Schwimmen wieder einmal einen glanzvollen Soloauftritt zeigen wird?

Es ist viel Trubel am Pier, aber keine Hektik zu spüren, hier wird es erst kribbelig, wenn am frühen Morgen in der Dunkelheit das sogenannte Bodymarking beginnt und damit die direkte Startphase beginnt. Noch aber wirkt alles umtriebig und recht unaufgeregt, die Versorgungsstände werden noch mit Getränken und Energieriegeln sowie Gels ausgestattet, neben dem Eingangsbereich zur Wechselzone laufen die letzten großen Arbeiten im Bereich der Zielzone. Auf dem Gerüst der Tribüne hinter dem Zieleinlauf klettern Arbeiter mit gelben Helmen herum, um Banner zu befestigen und die Tribüne fertig zu stellen. Mancher Profi schaut mal kurz rüber zu den Jungs, die in luftiger Höhe über Stahlrohre wandern, andere sind in ihrem Tunnel hinter der Sonnenbrille abgetaucht.

Besonders fröhlich wirken die beiden australischen Topfavoriten Mirinda Carfrae und Chris McCormack. Als sie am Pier ankommen, geben sie sich richtig publikumsnah. „Macca“ schreibt rasch ein paar Autogramme für die wartenden Fans und Teilnehmer, die mit ihm einchecken. Er schüttelt Hände, scherzt mit Schaulustigen und Helfern. Mirinda Carfrae albert mit den Fotografen herum, sie lässt sich Zeit, sie wirkt nicht wirklich aufgeregt vor dem Rennen, dass sie definitiv für sich entscheiden will. Jeder baut seine Nervosität am Pier von Kona beim Bike-Check-In eben anders ab. Aber jeder weiß in diesem Moment auch: In wenigen Stunden nach dem Bike-Check-In wird es hier richtig ernst.

Chris McCormack | Für Triathlonstar Chris McCormack beginnt das Autogramme schreiben weit vor dem Zieleinlauf.

Für Triathlonstar Chris McCormack beginnt das Autogramme schreiben weit vor dem Zieleinlauf.

Foto >Volker Boch