Sebastian Kienle nimmt einen neuen Anlauf gegen seinen Dauerrivalen Andreas Raelert. (Archivbild)

Jens Richter / spomedis

Sebastian Kienle auf dem Weg zu seinem fünften Erfolg in Buschhütten
Bilder 1/1

Kienle, Raelert, Bracht Challenge Kraichgau sucht den Europameister

Langstrecke | 7. Juni 2012
Im vergangenen Jahr entschied Andreas Raelert alle Duelle gegen Sebastian Kienle für sich, in diesem Jahr hat der Rostocker den ersten Vergleich in Buschhütten kurzfristig abgesagt: So treffen die beiden Deutschen am Sonntag bei der Challenge Kraichgau zum ersten Mal in dieser Saison aufeinander. Mit einem Unterschied: Die sind bei Weitem nicht die einzigen Protagonisten.
Zum ersten Mal hat die Europäische Triathlon-Union (ETU) die Europameisterschaften im Triathlon auf der Mitteldistanz in diesem Jahr an die Challenge Kraichgau vergeben. Was sie dafür zurückbekommt, ist eine immense Aufwertung eines Titels, den sonst eigentlich niemand so richtig wahr oder für voll nimmt: Ein großer Teil der deutschen Langdistanz-Elite wird am Sonntag im Kraichgau an den Start gehen - garniert wird das Feld von internationalen Top-Startern, die ebenfalls um die EM-Krone kämpfen wollen.
Sebastian Kienle, Andreas Raelert, Timo Bracht, Sylvain Sudrie (FRA), Georg Potrebitsch, Per Bittner, Felix Schumann, Swen Sundberg, Konstantin Bachor und Mike Aigroz (SUI) - man könnte die Liste der Top-Starter bei der diesjährigen Austragung der Challenge Kraichgau noch eine Weile fortführen. Sie alle wollen das Rennen am Sonntag gern auf dem Podium beenden. Die Favoriten für das oberste Treppchen heißen ohne Zweifel Kienle, Bracht, Raelert und Sudrie, die in dieser Konstellation zum ersten Mal aufeinandertreffen.

Kienle im Saft, Bracht pokert

Kienle hat dafür in diesem Jahr einiges umgestellt. Mehr Grundlagentraining, "deutlich mehr lange Läufe" - und trotzdem ging die Spritzigkeit und Grundschnelligkeit, "eine meiner größten Sorgen", schreibt Kienle in einem Blog, nicht verloren, wie er jüngst bei seinem Sieg in Buschhütten bewies. Für ihn aber womöglich vorentscheidend: Die Leistung im Wasser. Der Knittlinger hat zuletzt in den USA unter anderem gemeinsam mit Maik Twelsiek, einem guten Schwimmer, trainiert und berichtet, "dass Maik im Becken kein Land gegen mich gesehen" hat - nur im Freiwasser, da sei es wieder einmal genau anders herum gewesen. Beim Ironman 70.3 Texas Anfang April kompensierte Kienle diese Schwäche mit einer Radleistung, die noch einmal deutlich besser war, als die von Lance Armstrong - und dazu lief er auch noch einen guten Halbmarathon. Zwei Monate später und vier Wochen vor seinem Saisonhöhepunkt beim Ironman Germany in Frankfurt scheint es um Kienles Form zumindest nicht schlechter bestellt zu sein.
Eher bedeckt hielten sich in der laufenden Saison dagegen bislang Andreas Raelert und Timo Bracht. Bracht nutzte, ähnlich wie der Franzose Sylvain Sudrie, vorwiegend kleinere Rennen zum Formtest und -aufbau und präsentierte sich bei allen mindestens souverän. Am vergangenen Wochenende gewann er mit einer starken Zeit von 32:57 Minuten für die rund zehn Laufkilometer den Triathlon in Mußbach. Raelert zeigte sich in diesem Jahr erstmals beim Ironman 70.3 in St. Pölten (AUT) und wurde dort knapp hinter dem Tschechen Filip Ospaly Zweiter. Obwohl ihn Beschwerden im Oberschenkel zuvor im Training behindert hatten, glänzte er mit einer Halbmarathonzeit von 1:11:52 Stunden. "Jetzt weiß ich, an welchen Stellschrauben ich noch drehen muss", hatte Raelert damals resümiert. Erste Ergebnisse der Montierarbeiten an seiner Form wird er zweifellos schon am Sonntag im Kraichgau präsentieren wollen.

Gajers Revanche gegen van Vlerken

Auch das Startfeld im Rennen der Frauen ist hochklassig. Die Niederländerin und Vorjahressiegerin Yvonne van Vlerken geht im Kraichgau auch in diesem Jahr als Favoritin an den Start, muss sich wahrscheinlich aber der Vorjahreszweiten Julia Gajer erwehren, die das 70.3-Rennen in St. Pölten mit starken Leistungen in allen drei Disziplinen überlegen gewann. Das Rennen im Kraichgau ist das erste erklärte Highlight der 29-Jährigen. Im vergangenen Jahr hatten ein deutlich schnellerer Radabschnitt van Vlerkens und ein etwas besserer Halbmarathon knapp den Ausschlag zu Gunsten der Niederländerin gegeben, nachdem Gajer beim Schwimmen rund zwei Minuten enteilt war.
Ein deutsch-niederländisches Duell - wie bei der Fußball-EM in wenigen Tagen - wird der Kampf um den Sieg deshalb aber nicht. Auch Yvette Grice (GBR), Vorjahresfünfte, will in diesem Jahr wieder angreifen, außerdem Nicole Woysch und die Hawaii-Siebte Sonja Tajsich, die im Kraichgau ihren vierten Rang von St. Pölten verbessern möchte. Auch die Überraschungsdritte des Ironman 70.3 Mallorca, Natascha Schmitt, Daniela Sämmler, die Französin Delphine Pelletier, Meike Krebs und Julia Bohn sind für eine Überraschung gut - und Duathlon-Spezialistin Jenny Schulz, sollte sie nach dem Schwimmen noch nicht zu weit abgeschlagen sein.
tri-mag.de ist für Sie beim Kampf im Kraichgau dabei und berichtet am Sonntag aktuell.

Aktuelle Ausgaben