Bock bloggt Das Spiel mit dem Feuer

Langstrecke | 18. April 2012
Wenn man sich beim Spiel mit dem Feuer verbrennt... ist man meistens selbst daran schuld. Und um die Brandwunden möglichst schnell heilen zu lassen, muss man hier und da in den sauren Apfel beißen und Entscheidungen treffen, die einem ganz und gar nicht in den Kram passen.
Nach der letzten Saison legte ich eine Pause von etwa einem Monat ein und startete dann schon Mitte Oktober wieder mit dem Training für das Jahr 2012. Aber schon vorher ließ ich keine Chance aus, jedem der mich nach meinen Zielen fragte, zu antworten, dass ich unbedingt beim Triathlon in Buschhütten vorn mitmischen will. Buschhütten gilt ja als inoffizielle deutsche Saisoneröffnung und macht jedes Jahr auf's Neue mit einem bärenstarken Starterfeld von sich reden. Jedenfalls bedeutete "vorn mitmischen" für mich nicht irgendein Platz unter den ersten zehn, sondern wie das als Jungspund so ist, wollte ich alles dafür tun, damit ich in der Lage wäre an einem bombenmäßigen Über-Tag das Rennen gewinnen zu können.
So entfachte sich bei mir ein Feuer, dass ich mehr oder weniger nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich wurde immer schneller. Im Schwimmen hagelte es neue Bestzeiten und bei einem 10-Kilometer-Lauf im tiefsten deutschen Winter rannte ich schneller als zu irgendeinem Zeitpunkt der alten Saison. Auf der einen Seite gab mir das natürlich viel Bestätigung. Auf der anderen Seite wuchs natürlich auch die Verlockung, es sich immer wieder auf's Neue auch im Training zu beweisen - was auch immer wieder geklappt hat!

Nur Buschhütten im Kopf

Auch als ich Ende Januar für fünf Wochen ins Trainingslager nach Fuerteventura flog, hatte ich nichts anderes im Kopf als den besagten Triathlon in Buschhütten, es waren allerdings noch etwa vier Monate Zeit! Da die Trainingspartner auf Fuerte nicht von Pappe waren, merkte ich schon, dass ich sehr fit war. Alle drei Disziplinen liefen so gut wie noch nie bisher. Ich war genau im Soll in Richtung Buschhütten. Während dem Trainingslager entschied ich dann etwas Hals über Kopf beim Abu Dhabi Triathlon zu starten - und zwar über die lange Distanz. Jetzt kann ich vielleicht besser sagen: die ZU lange Distanz. Das Rennen in der Wüste war in Ordnung, aber auch nicht mehr! Das Ergebnis war so, dass ich zufrieden sein konnte. Aber ich war es ja eigentlich mittlerweile gewohnt, dass ich mich in jeder Einheit und in jedem Testwettkampf selbst irgendwie überrascht hatte und dieses Gefühl blieb in Abu Dhabi aus. Als ich dann wieder zu Hause war, dachte ich wieder nur an Buschhütten und stieg früh wieder ins Training ein. Jetzt kann ich vielleicht besser sagen: ZU früh. Ich ließ es weder locker angehen, noch gönnte ich mir die Ruhe die vielleicht nicht nur dem Körper, sondern auch dem Kopf gut getan hätte! Aber im Training konnte ich die Vorgaben einhalten und machte mir erstmal keine größeren Gedanken.
Dann fiel es mir aber nach und nach schwerer im Training auf der Höhe zu bleiben und der Spaß an der Sache ging mehr und mehr verloren. Der Kopf wollte unbedingt, der Körper folgte. Eigentlich eine gute Kombination, aber wenn es im Training nur noch so läuft wird es mit der Zeit sehr, sehr zäh.

Ohne Kopf und Beine

Am vergangenen Sonntag lief ich dann bei einem 10-Kilometer-Lauf, den ich schon zum Trainingsstart im Oktober als Ziel für eine schnelle Zeit auserkoren hatte. Doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los und es lief rein gar nichts! So ein brutales Gefühl habe ich bisher bei keinem Wettkampf gehabt. Weder der Kopf noch die Beine waren in der Lage, Gas zu geben. Am besten ist es, wenn man Leistung bringen KANN und WILL, manchmal geht es auch nur mit Willen. Die Kombination aus NICHT können und NICHT wollen ist allerdings undurchbrechbar. Der Lauf war letztendlich das Zeichen dafür, dass ich zusammen mit meinem Trainer eine Lösung finden muss, um erstens wieder richtig fit zu werden und zweitens wieder den Spaß am Training zu finden und die Bereitschaft, an die Grenze zu gehen (vor allem dann, wenn es auch nötig ist). Was bringt es einem, dann schnell und stark zu sein, wenn es niemanden interessiert. Letztendlich muss man bei den Wettkämpfen in der Triathlonsaison die Keule auspacken!
Nun sieht es so aus, dass ich eine kurze Pause einlege und erstmal durchatmen soll. Ob es jetzt drei Tage oder zwei Wochen sind, ist egal, Hauptsache es kann bald wieder in gewohnter Manier zur Sache gehen. Die Zeit nutze ich, um neues Brennholz, Spiritus und Streichhölzer zu besorgen, damit das Feuer bald wieder brennt - und zwar größer als vorher.

Ein guter Kumpel meinte: Gewinnen kann jeder. Man lernt erst aus schweren Zeiten. Wer dann zurückschlägt, wird irgendwann zu zu den Großen zählen.
Bis zum nächsten Mal,
Niclas