Lisa Hütthaler würde die langen Schatten ihrer Vergangenheit gern abschütteln.

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Lisa Hütthaler will die Schatten ihrer Vergangenheit gern abschütteln.
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Lisa Hütthaler „Den Sieg habe ich mir gar nicht zugetraut“

Langstrecke | 12. Mai 2013
Die Österreicherin Lisa Hütthaler sorgte 2008 mit einem positiven Test auf EPO nicht für internationales Aufsehen, sondern brachte mit ihrem Geständnis auch die Wiener Blutbank-Affäre ins Rollen. Diese Vergangenheit möchte die 29-jährige anders als viele kritische Beobachter gern abschütteln. Nach dem Sieg beim Ironman 70.3 Mallorca blickt sie lieber nach vorn.
Überraschend souverän, anders lässt sich das Rennen von Lisa Hütthaler beim Ironman 70.3 Mallorca kaum beschreiben. Im Wasser und zu Beginn der Radstrecke blieb die Österreicherin in Schlagdistanz zur Spitze, dann übernahm sie gemeinsam mit Yvonne van Vlerken das Kommando. Der Wettkampf in Alcudia wurde zu einer dualen Show der beiden. Dass Lisa Hütthaler letztlich dank eines herausragenden Halbmarathons von 1:20:46 Stunden auf Mallorca ihren ersten Mitteldistanz-Titel gewann, überraschte sie auch selbst, wie die 29-Jährige im Interview erzählt.
Frau Hütthaler, der Titel von Alcudia ist Ihr erster Sieg auf der Mitteldistanz. Wie fühlt es sich an?
Das war ja erst mein drittes Rennen auf der Ironman-70.3-Strecke. Es fühlt sich gut an, der erste Sieg. Ich habe mir das vorher noch gar nicht richtig zugetraut. Als ich die Yvonne beim Laufen überholt habe, hab‘ ich mir gedacht: „Hey, du bist wirklich die Schnellere – jetzt ab ins Ziel.“ Ich kann es irgendwie noch gar nicht glauben, dass ich gewonnen habe. Die Leute, die Stimmung hier, jeder ruft deinen Namen – das pusht einfach sehr.
Das Rennen war stark besetzt. Wie sind Sie hineingegangen – haben Sie sich gesagt, dass Sie gewinnen möchten?
Ich bin froh, dass ich nicht als Favoritin hochgepusht worden bin, dadurch habe ich mein Rennen machen können. Ich glaube, dass ich so viel Respekt oder in Anführungszeichen sogar Angst vor den anderen gehabt habe, wie die anderen vielleicht auch vor mir. Man hatte mich bislang vor allem als starke Radfahrerin auf der Rechnung, aber dass ich so gut gelaufen bin, das freut mich total, das ist eine wichtige Bestätigung.
Rennentscheidung war eine Situation auf dem Rad, als Yvonne van Vlerken in der Abfahrt von Kloster Lluc den Abstand auf die übrigen Verfolgerinnen enorm vergrößert hat und nur Sie noch dran waren?
Die Yvonne fährt bergab wie eine kleine Sau. Die hat sich da runter in die Kurven geworfen, das war enorm. Ich hatte unten am Berg selbst auch ein kleines Loch zu ihr gehabt, das ich im Flachen erst einmal zufahren musste. Die letzten 30 Kilometer waren wir dann eigentlich immer beisammen. Wir sind dadurch auch mit den ziemlich gleichen Voraussetzung von den Beinen her auf die Laufstrecke gekommen.
Und dann wussten Sie, dass es Ihr Tag wird?
Na, ich war am Anfang immer etwa 30 Sekunden hinter ihr. Aber ich wusste, dass ich immer gegen Ende gut bin. ich wusste, dass ich in der letzten Runde noch was drauflegen kann. Und dieses Selbstvertrauen im Kopf hat mich beflügelt.
Sie hatten in Ihrem Leben als Sportlerin ein extremes Tief mit positivem EPO-Test, einer großen Dopingaffäre und dem damals verkündeten Karriereende. Wo sehen Sie sich heute als Athletin?
Es ist schon eine gute Bestätigung für mich. Meine Vergangenheit ist meine Vergangenheit. Ich habe sie, aber ich habe mit ihr abgeschlossen und möchte sie eigentlich ruhen lassen. In der Zwischenzeit habe ich ein Kind bekommen und so habe ich jetzt einen zwei Jahre alten Sohn – das ist ein totaler Lichtblick. Das Handling von Training, Kind, Haushalt, Mama, Sportlerin und alles, das ist schon ein wenig stressig. Aber ich glaube, ich kriege es ganz gut hin. Und da bestätigt es mich einfach, der Sport macht mich sehr glücklich. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die mir gegenüber negativ eingestellt sind. Das ist ihr gutes Recht, aber ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Das war so, ich kann nur für die Gegenwart und Zukunft das Beste machen.
Da war das Rennen in Alcudia Ihrer Meinung nach ein guter Beleg?
Ja, ich kann es selbst noch nicht richtig glauben. Ich habe im Winter auch noch nie so hart trainiert. Das ist die Grundlage, die ich jetzt einfach nutzen kann.
Was steht an Rennen als nächstes an?
Der Ironman 70.3St. Pölten in zwei Wochen. Das ist mein Heimrennen und schon fast mein Höhepunkt. Ich habe auf Mallorca gerade einmal mein zweites  Rennen gemacht, nach einem kleinen Sprintrennen in Österreich in der Vorwoche. Ich wollte Mallorca eigentlich als Vorbereitung für St. Pölten mitnehmen – und jetzt ist es gleich so gut gelaufen.
Sehen Sie sich in St. Pölten in einer anderen Rolle, als Favoritin?
Es ist schon schön, wenn andere auf den Schild gehoben werden. Mal sehen, wie das jetzt für mich sein wird.
Was kommt nach St. Pölten?
Wiesbaden würde ich gerne machen. Aber ich habe auf Mallorca wirklich nicht mit dem Sieg gerechnet, jetzt muss ich erst einmal neu planen. Am Ende des Jahres würde ich schon gerne einen Ironman machen – den Ironman Florida zum Beispiel. Die Ironman-70.3-WM in Las Vegas habe ich auch im Kopf. Das wäre ein Ziel, aber dann möchte ich auch die richtige Form haben, um dort zu starten. Ich habe mir gesagt, dass ich in die Top-5 oder Top-7 hinein möchte, wenn ich schon dort starte.