Der Marathon-Nervenkrieg

Es gibt Dinge, für die es sich lohnt, alles zu geben. Für Caroline Steffen war so ein Ding der Sieg beim Ironman Germany. Nach souveränem Auftakt im Wasser und auf dem Rad wurde der Marathon für die Schweizerin zu einem unerwarteten Härtetest.

von | 24. Juli 2011 | Aus: Szene

Caroline Steffen

Caroline Steffen gewinnt den Ironman Germany

Foto > Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

„Sie bleibt stehen!“ Den Zuschauern entlang der Marathonstrecke des Ironman Germany 2011 stockte für einen Moment der Atem. Schon vorher war zu sehen, dass Caroline Steffens Lauf immer langsamer wurde. Aber stehen bleiben, von Krämpfe im Rücken und in den Beinen geschüttelt? Das ist im Langdistanztriathlon oft der Anfang vom Ende. Bei Kilometer sechs begann für die Athletin aus Brett Suttons Team TBB der Leidensweg – nach einer souveränen Schwimmleistung und einem unglaublich starken Zeitfahren hatte sie ihre Konkurrentinnen bis dahin um fast eine Viertelstunde distanziert. Und schien wild entschlossen, ihr persönliches Waterloo vom vergangenen Jahr, als Sandra Wallenhorst sie auf den letzten Marathonkilometern noch überholte und von Platz eins schubste, nicht noch einmal zuzulassen.

„Was mache ich hier eigentlich?“

Doch dann kamen die Schmerzen: „Es war so kalt, dass ich meine Zehen nicht mehr gespürt habe“, erklärte sie erschöpft im Ziel. Doch sie hat nicht umsonst von ihrem Trainer den Spitznamen „Xena“ erhalten. Wie die gleichnamige Kampfamazone biss sich Caroline Steffen von Kilometer zu Kilometer, legte ab der Hälfte der Marathondistanz immer wieder diese Geh- und Stretchpausen ein – und schaffte es irgendwie doch, weder Nerven noch Führung zu verlieren. Obwohl ihr gleich mehrere Verfolgerinnen im Nacken saßen und der Vorsprung schmolz wie die berühmte Schweizer Schokolade in der Sonne. Von den 13:40 Minuten, mit denen sie vor der Zweitplatzierten, der Tschechin Lucie Zelenkova, auf die vier Mal zu absolvierende Laufrunde um den gegangen war, blieben am Ende gerade noch 93 Sekunden übrig. „Ich habe mich immer wieder gefragt: Was mache ich hier eigentlich“, gestand Caroline Steffen nach dem Rennen.

Die Karten neu gemischt

Dahinter lieferten sich ihre Mitstreiterinnen ein bis zum letzten Meter spannendes Gefecht um die Ehrenplätze. Besonders stark: Die Regensburgerin Sonja Tajsich. Nach dem zweiten Wechsel noch auf einem allenfalls soliden neunten  Platz, wuchs sie im Marathon über sich hinaus, überholte nicht nur die auf Platz fünf liegende Mitfavoritin Yvonne van Vlerken, sondern hatte im Ziel nur noch knapp zweieinhalb Minuten Rückstand auf die Zweitplatzierte  Lucie Zelenkova. „Ich war auf dem Rad heute nicht so stark, deshalb habe ich auf der Laufstrecke alles gegeben. Ich bin sehr schnell angegangen“, sagt die Regensburg-Siegerin von 2010. Zugute gekommen ist ihr vermutlich auch ihr veränderter Wettkampfkalender: 2011 startete Sonja Tajsich erstmals bei 70.3-Wettkämpfen, „um Routine und Rennhärte zu sammeln“. Lucie Zelenkova wird das aus schmerzlicher Erfahrung bestätigen.

10. Ironman European Championship

24. Juli 2011, Frankfurt/Main

3,8 km Swim 180 km Bike 42,2 km Run Gesamt

1

Caroline Steffen

SUI

49:16

4:51:07

3:27:38

9:12:13

2

Lucie Zelenkova

CZE

47:59

5:06:20

3:15:31

9:13:46

3

Sonja Tajsich

GER

58:34

5:05:16

3:04:48

9:14:14

4

Yvonne van Vlerken

NED

56:22

5:05:57

3:09:11

9:15:37

5

Samantha Warriner

NZL

52:15

5:03:17

3:18:03

9:18:04

6

Meike Krebs

GER

54:17

5:09:42

3:14:04

9:22:43

7

Silvia Felt

GER

1:00:25

5:05:59

3:15:23

9:26:21

8

Susan Dietrich

GER

57:08

5:11:01

3:14:56

9:28:08

9

Heleen Bij de Vaate

NED

1:02:35

5:16:20

3:09:37

9:32:51

10

Virginia Berasategui

ESP

50:25

5:15:00

3:27:01

9:37:00

Swipe me