Challenge Roth Die Ära Raelert hat begonnen

Langstrecke | 10. Juli 2011
Das Duell des Jahres ist entschieden. Viel deutlicher als erwartet distanzierte der Rostocker Andreas Raelert in Roth mit einer neuen Rekordmarke von 7:41:33 Stunden seinen Herausforderer Sebastian Kienle. Die Spannung hielt dennoch bis zum Schluss.
Ein bisschen kann man sich vielleicht hineinfühlen in die Gedankenwelt von Sebastian Kienle während der letzten Rennstunden in Roth. Bei seinem Debüt im vergangenen Jahr Zweiter, wollte es der 27-Jährige dem derzeit übermächtig erscheinenden Andreas Raelert zumindest schwer machen, auch in Roth als Sieger ins Ziel zu kommen. Ein Durchmarsch wie bei Raelerts Auftritten auf Mallorca oder unlängst im Kraichgau sollte es jedenfalls nicht werden, dafür wollte Kienle in Runde zwei des "Duells des Jahres" sorgen - und setzte auf seine Paradedisziplin, das Radfahren.

Jagd nach dem Phantom

Doch es half nichts, dass Kienle im Main-Donau-Kanal seine Vorjahresmarke im Schwimmen um über zwei Minuten auf bemerkenswerte 49:58 Minuten drückte; Raelert war immer noch gut dreieinhalb Minuten schneller. Und es nützte auch nichts, dass der Karlsruher mit gewaltigem Raddruck versuchte, die Lücke zum führenden Rostocker möglichst in der ersten Radrunde zu schließen; der Hawaii-Zweite hielt dagegen, gab nie mehr als 90 Sekunden von seinem Vorsprung preis. Irgendwo da draußen auf den 180 Kilometern wird Kienle wohl realisiert haben, dass er sein eigenes Ding machen musste, wenn er den letzten Hauch einer Chance wahren wollte, Raelert doch noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Ein Ironman ist schließlich ein langes Rennen, und Raelert ja auch nur ein Mensch.
Das allerdings bemerkten allenfalls jene Zuschauer, die dem Rostocker am Solarer Berg oder entlang der Marathonstrecke ein bisschen näher kamen und sehr wohl sahen, wie hart der 34-Jährige für den neuen Radstreckenrekord arbeitete, der nun bei sagenhaften 4:11:43 Stunden steht. Die hören konnten, wie schwer einer atmet, der nach mehr als fünf Rennstunden mit einem Kilometerschnitt von unter 3:30 Minuten durch die ersten Marathonkilometer stürmt. Für seine Konkurrenten allerdings blieb Raelert ein Phantom. Und jener schlichte Satz, den sein Bruder Michael in einem am 20. Juli im Magazin triathlon erscheinenden Interview formuliert, klingt fast wie eine Drohung: "Wir haben uns beide seit dem vergangenen Jahr sehr entwickelt".

14 Jahre alter Rekord gelöscht

Für Sebastian Kienle, daraus machte er in seinen Interviews keinen Hehl, ging es in diesem Rennen um Sieg oder Niederlage, sonst nichts. Dass er dennoch bis weit in den Marathon entlang des Main-Donau-Kanals alles riskierte und versuchte, Raelert unter Druck zu setzen, statt einfach Platz zwei gegen den weit zurückliegenden Südafrikaner James Cunnama abzusichern, beweist die enorme Charakterstärke des 27-Jährigen.
Doch auch in dieser Disziplin hat Andreas Raelert heute in Roth neue Maßstäbe gesetzt: Bis zum Schluss kämpfte der Rostocker in seinem einsamen Rennen an der Spitze um jede Sekunde, mit seiner Marathonzeit von 2:40:52 Stunden pulverisierte er am Ende auch den Rother Uralt-Rekord des Belgiers Luc van Lierde - die neue Marke steht nun bei 7:41:33 Stunden.
Gute 15 Minuten gelang es Raelert im Ziel noch, die Spannung zu halten; es war ihm sichtlich ein Bedürfnis, den zweitplatzierten Sebastian Kienle aufrecht stehend zu empfangen. Raelert muss gespürt haben, dass sein sieben Jahre jüngerer Herausforderer für den sportlichen Zweikampf fast sein eigenes Rennen geopfert hätte. Damit - und nicht mit seinem ehrlichen Kniefall hinter der Ziellinie - hatte er dem Sieger seinen tiefen Respekt gezeigt.
10. Challenge Roth
10. Juli 2011, Roth (Deutschland)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Andreas RaelertGER46:184:11:432:40:527:41:33
2Sebastian KienleGER49:584:12:462:52:027:57:06
3Keegan WilliamsNZL51:324:26:232:54:528:16:01
4Felix SchumannGER49:384:31:112:53:498:18:05
5Christian RitterGER46:154:30:312:59:028:18:40
6Andrej VisticaCRO53:184:29:152:52:548:19:19
7Gilad RotemISR49:434:32:102:55:248:20:11
8Lothar LederGER49:534:28:033:00:158:22:00
9Andrej YastrebovUKR53:294:35:562:51:108:24:34
10Andreas BorchDEN46:394:31:293:04:438:25:38