Pressekonferenz Challenge Roth Die Stimmen der Favoriten

Langstrecke | 5. Juli 2012
Mit Kampfansagen halten sich die Favoriten gerade vor wichtigen Rennen meist zurück. Auf der Pressekonferenz vor der Challenge Roth waren die Topstars heute allerdings überhaupt nicht zimperlich. Timo Bracht hat seinen Timer auf 7:49 Stunden eingestellt - bei den Frauen peilen mindestens zwei die magische 9-Stunden-Marke an.
Timo Bracht (GER) über Vorbereitungsrennen, die Challenge Kraichgau und seine Stärken: "Ich hatte im Vorfeld von Roth ein paar ganz gute Ergebnisse und dazu ein paar sehr gute. Bei jedem Rennen war es so, dass eine Disziplin super funktioniert hat, während es woanders noch gehakt hat. Für Sonntag habe ich nochmal an allen Schräubchen gedreht, sodass es ein richtig guter Triathlon wird und nicht nur ein gutes Schwimmen, gutes Radfahren und ein gutes Laufen. Die Challenge Kraichgau war natürlich sehr gut besetzt – da waren die aktuellen Benchmarks des Triathlons am Start. Von daher konnte ich mich sehr gut vergleichen und sehen, wo ich stehe. Es war ein langer Aufbau für Roth. Ich habe seit sieben Monaten keine Langdistanz mehr in den Beinen und bin jetzt richtig heiß darauf, meine wahre Stärke, und das ist ganz klar die zweite Marathonhälfte, ausspielen zu können."
Timo Bracht über seine Form und sein Ziel: "Ich habe eben an meinen Beinen runter geschaut und meine, sie sehen ganz gut aus. Auch das Schwimmen habe ich im Frühjahr verbessert von daher denke ich, dass ich auf alle Situationen im Rennen reagieren kann. Zudem kenne ich die Strecke ganz gut, war die letzten Wochen sogar ein paar Mal hier, um mir unter dem Radar ein paar Schlüsselstellen genauer anzuschauen. Die letzte Vorbereitungswoche war sehr gut und im Vergleich zum Kraichgau habe ich noch ein paar Kilo zugelegt, sodass ich auch von der Substanz her mehr entgegenzusetzen habe. Ansonsten mache ich mir keine großen Gedanken. Ich bin sehr fokussiert und weiß genau, was ich will. Wer Roth kennt weiß, dass es ein schnelles Rennen ist. Aber es ist nur schnell, wenn das Wetter stimmt, der Wind so bleibt und die schwüle Luft rauszieht. Wenn wir auf dem Rad schnell unterwegs sind, habe ich meine Marschtabelle auf 7:49 Stunden eingestellt."
Cameron Brown (NZL) dazu, ob es komisch ist, nach zehn Jahren Pause wieder in Roth zu starten: "Nun, ein bisschen schon. Vor zehn Jahren hatte ich meinen damals neun Monate alten Sohn dabei, der hier Laufen gelernt hat – meine Güte, wie schnell die Zeit vergeht. Ich freue mich aber riesig wieder hier und in meiner Gastfamilie zu sein – ich weiß auch gar nicht, warum ich es in den letzten Jahren nicht geschafft habe, hier zu starten. Auch die Landschaft ist so toll. Vermutlich habe ich in den vergangenen zwei Wochen auch viel zu viel trainiert, weil die Straßen hier deutlich besser sind als bei uns in Neuseeland. Es hat sich aber einfach so super angefühlt, da konnte ich nicht anders."
Cameron Brown über seinen Traum, unter der 8-Stunden-Marke zu bleiben: "Ich bin vor zwei Wochen vierzig Jahre alt geworden und jetzt echt ein alter Mann. Das Ziel unter acht Stunden zu bleiben ist natürlich ein großes, das ich in Melbourne nur um zwölf Sekunden verpasst habe. Es hat mich tierisch geärgert, dass ich am Ende nicht nochmal zulegen konnte. Die 8-Stunden-Marke ist auch ein Grund, warum ich nach Roth gekommen bin. Sollte ich es am Sonntag bei hoffentlich guten Bedingungen wirklich schaffen, wäre ich wahnsinnig glücklich – unabhängig von der Platzierung, die ich erreiche."
Cameron Brown über seine Siegchancen: "Es wäre natürlich fantastisch am Ende ganz oben zu stehen. Aber es gibt eine ganze Reihe starker Athleten hier in Roth – vor allem die Deutschen schätze ich sehr stark ein. Wenn ich Chance habe ganz vorn mitzuspielen, werde ich sie natürlich auch nutzen."
James Cunnama (RSA) über seinen Ausstieg 2011 und seine derzeitige Form: "Ich bin letztes Jahr mit einer Verletzung ins Rennen gegangen und habe gehofft, das wäre kein Problem – war es letztlich aber doch. Bei Laufkilometer 25 musste ich auf Platz drei liegend aussteigen. Das war natürlich nicht sehr schön für mich. Anschließend hatte ich auch noch eine Knieverletzung und konnte seitdem keine Langdistanz mehr bestreiten. Es gibt am Sonntag also einiges, was ich erledigen will. Meine Form ist gut. Ich habe in der Vorbereitung zwei Mitteldistanzen in den USA gemacht, bevor ich nach Europa gekommen bin und habe dort ähnlich wie im Vorjahr abgeschnitten. Die Fitness ist da, meine Motivation sowieso. Die Frage ist eher, wie ich das Rennen nach dieser langen Pause verkraften werde. Schmerzen vergisst man ja schnell, vielleicht hält der Sonntag also einige Überraschungen für mich bereit. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt."  
Julia Gajer (GER) dazu, ob ihr Streckenrekord und EM-Titel bei der Challenge Kraichgau Selbstvertrauen gegeben haben: "Natürlich habe ich durch den tollen Saisonstart viel Selbstvertrauen getankt (Gajer gewann zudem den Ironman St. Pölten und den Stadttriathlon Erding; Anm. der Red.), aber Mittel- und Langdistanzen kann man einfach nicht miteinander vergleichen. Zudem ist es am Sonntag erst meine zweite Langdistanz überhaupt, deswegen freue ich mich einfach auf das Rennen, von dem ich noch nicht weiß, was am Ende dabei rauskommt."
Julia Gajer über ihre größten Konkurrentinnen: "Alle, die hier sitzen – und sicher auch noch einige andere mehr – muss man auf der Rechnung haben. Ich erwarte jedenfalls ein enges und spannendes Rennen und, wenn die äußeren Bedingungen stimmen sicher auch ein sehr schnelles Rennen."  
Sonja Tajsich (GER) über ihren ersten Roth-Start nach 2002: "Ich bin wirklich ziemlich aufgeregt und freue mich unglaublich auf Sonntag – gerade, weil ich hier 2002 meine erste Langdistanz gemacht habe. Das war damals ein ganz besonderes Erlebnis für mich, das mich letztlich dazu bewogen hat auf die Langdistanz zu wechseln. Seitdem wollte ich wieder herkommen, aber irgendetwas kam immer dazwischen. Umso mehr freue ich mich, dass es genau zehn Jahre später wieder geklappt hat. Ich bin sehr gespannt, wie ich mich und wie sich das Rennen entwickelt hat."
Sonja Tajsich über ihre Erwartungen an das Rennen: "Wenn die Bedingungen stimmen, kann es wirklich ein sehr schnelles Rennen werden. Es kann sein, dass gleich mehrere unter neun Stunden bleiben – die Frage ist wohl eher wie weit. Von daher traue ich mich auch nicht, eine Prognose bezüglich meiner Platzierung abzugeben – hoffentlich lande ich aber weit vorn."
Rachel Joyce (GBR) dazu, ob sie schon die Strecken begutachtet hat: "Ja, gestern habe ich mir den Radkurs angeschaut. Er sieht zwar sehr schnell aus, hat sich ehrlich gesagt aber nicht so angefühlt. Wenn man sich die Zeiten anschaut, sieht man aber, dass es ganz klar eine schnelle Strecke ist. Deshalb hoffe ich, dass ich ein bisschen schneller unterwegs sein werde als am Mittwoch."
Rachel Joyce dazu, ob sie ihre persönliche Bestzeit von 8:46 Stunden besonders motiviert: "Ich wollte schon immer unter neun Stunden bleiben und habe hart dafür gearbeitet. Dass ich in Melbourne dann so deutlich darunter bleiben würde, hat mich wirklich überrascht. Jetzt will ich es natürlich auch ein zweites Mal schaffen und meine Bestzeit erneut unterbieten. Für einen Podestplatz muss man ganz sicher unter neun Stunden bleiben. Alles weitere wird man dann sehen."
Rachel Joyce zur besonderen Challenge-Stimmung: "Ich war 2011 schon mal bei der Challenge Kraichgau. Obwohl das Rennen nicht so gut für mich lief, war es aufgrund des ganzen Drumherums eine eine tolle Erfahrung – deswegen wollte ich in diesem Jahr auch unbedingt in Roth dabei sein und die Stimmung hier genießen."
Belinda Granger (AUS) dazu, ob sie 2013 zum zehnten Mal in Roth starten wird und warum sie immer wieder zurückkommt: "Sofern ich 2013 noch stehen und mich bewegen kann, werde ich definitiv wieder hier starten. Ich kann auch nicht glauben, dass es bereits meine neunte Teilnahme ist. Die Challenge Roth ist einfach die beste Rennerfahrung, die man weltweit machen kann. Ich sage extra Erfahrung, weil es nicht nur die tollste Langdistanz der Welt ist, sondern auch weil der Rest einzigartig ist. Das geht schon los, wenn ich aus dem Flugzeug steige und hört erst auf, wenn ich wieder einsteige. Ich fühle mich schon fast wie eine Rotherin und die Menschen geben mir dieses Gefühl auf der Straße zurück. Es ist diese fantastische Atmosphäre, die fantastische Stadt und das fantastische Rennen, weswegen ich jedes Jahr wiederkomme."
Belinda Granger über die Bedeutung des Rennens und ihre persönlichen Erwartungen: "Ganz klar, das Rennen ist nach wie vor sehr wichtig für mich. Aber ich bin an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich schon sehr glücklich wäre, wenn ich es in die Top-5 schaffe. Rachel hat in Melbourne eine sehr starke Zeit hingelegt, Julia hat 2011 gezeigt was möglich ist, wenn man an sich glaubt – ich bin sicher, sie wird auch am Sonntag wieder einen tollen Tag haben. Ich erwarte von mir, dass ich ins Ziel komme – sollte es dabei wirklich für die Top-5 reichen, wäre ich überglücklich."
Lucie Zelenková-Reed (CZE) über ihre Chancen am Sonntag: "Nun, dass weiß ich jetzt noch nicht – fragen Sie mich das besser am Sonntagnachmittag nochmal. Ich bin hier ja scheinbar die Einzige, die noch nicht unter neun Stunden geblieben ist. Ich hoffe also, dass ich mich am Sonntag steigern kann. Mit Sonja habe ich mir in der letzten Zeit ja schon einige Duelle geliefert – vielleicht können wir uns auch am Sonntag gegenseitig antreiben. Allerdings hoffe ich, dass ich am Ende vor ihr bleiben kann."
Lucie Zelenková-Reed dazu, ob sie von ihrer Schwimmstärke profitieren wird: "Ich bin hier nicht die einzige schnelle Schwimmerin im Feld. Rachel ist im Wasser ebenfalls sehr gut und hat mich sogar schon mal geschlagen. Julia ist ebenfalls sehr schnell, trotzdem hoffe ich natürlich, dass mir das Schwimmen taktischen Spielraum eröffnet. Ich will auf jeden Fall von Anfang an und so lange wie möglich vorn dabei sein."