Ein Amateur auf der Insel

Als Hobby-Triathlet schwelge ich manchmal in Überlegungen, wie es wohl ist, wenn man seinen Alltag voll und ganz auf das Training ausrichten kann. Für mich ist nur ein Trainingslager die Zeit im Jahr, in der man am ehesten an diese utopische Vorstellung heranreicht. Also: Sonnenbrille auf und kurze Radhose raus!

Von > | 10. März 2015 | Aus: Szene

Jan Peiniger | Jan Peiniger

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Gesagt, oder eher „gedacht“ und getan! Der ein oder andere hätte wohl gerne mit mir getauscht. Anstatt des kalten und regnerischen Wetters in Deutschland hatte ich das Vergnügen, für sechs Tage das angenehme Wetter auf der Liebslingsinsel aller Deutschen genießen zu dürfen. Im Gepäck hatte ich nicht, wie man es von einem deutschen Touristen erwartet, Strohhut und T-Shirts mit Trinksprüchen, sondern mein Bike und jeeeeede Menge Sportklamotten.

Sonnenbrille auf und T-Shirt an

Ich war nicht alleine unterwegs, mit dabei war mein sportverrückter Kumpel Lars. Da waren wir also, zwei Hobby-Athleten auf Mallorca, mit dem entschlossenen Vorhaben, ein paar ordentliche Radkilometer abzuspulen und den lieben langen Tag über nichts anderes als Sport nachzudenken. Ganz auf eigene Faust unterwegs, kein Reiseveranstalter, kein organisiertes Trainingscamp, nur wir zwei mit unseren großen Radkoffern. Raus aus dem Flughafen… und siehe da… es ist warm, yeah! Pulli aus, Sonnenbrille auf! Da geht einem direkt das Herz auf und der Tatendrang steigt: Schnell los Richtung Unterkunft in Alcudia und raus aufs Rad!

Jan Peiniger mit Radkoffer | Jan Peiniger mit Radkoffer

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Neben den tollen Voraussetzungen und der Sonne, gibt es für mich noch ein paar „weitere Herausforderungen“ im selbst organisierten Kurztrainingslager. Wir hatten uns ein Zimmer im Apartment-Hotel gemietet. Das wichtigste Ausstattungsmerkmal: Die eigene kleine Kochecke. Machen wir uns doch nichts vor, das Beste am Trainingslager ist doch das hemmungslose Essen, oder? Da wurde natürlich direkt ein Stop am Supermarkt eingelegt: Nudeln, Reis, Müsli, Gemüse, Bananen, und viiiele weitere, vor allem süße, Snacks wanderten in die Einkaufstasche. 

Doch hatte ich mir vorgenommen etwas aufzupassen, trotz ordentlichem Kalorienverbrauch wollte ich nicht vollkommen über die Stränge schlagen. Im letzten Jahr habe ich es geschafft, im Trainingslager mal eben 2 Kilo zuzunehmen. Dieses Mal hab ich darauf geachtet, dass ich nicht unendlich viel Zucker ich mich reinstopfe und es ist zum Glück wunderbar aufgegangen. Viel gute Kohlenhydrate haben für genug Power in den Beinen gesorgt, ohne das ich nach der Woche Angst vor der Waage haben musste. Der Genuss durfte dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben… und ist er auch nicht. Dazu gehört dann auch mal, Nachmittags nach der getanen Arbeit die Füße ins noch seeeehr kalte Mittelmeer zu halten.

Füße im Wasser | Füße im Wasser

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Die erste Ausfahrt: Endlich kurze Hose

Mein Coach hat mir natürlich auch für die Woche auf Mallorca einen Plan geschrieben. Letztes Jahr hab ich den Fehler gemacht, dass ich viel zu intensiv und ohne Erholungsphasen durchs Trainingslager gerast bin. Das Resultat war, dass ich im Anschluss erstmal zwei Wochen Regeneration brauchte. So soll das natürlich nicht sein! Also war Pacing angesagt, es gab zwar an jedem der sechs Tage eine Rad-Einheit, auch bis hin zu fünf Stunden Länge, aber die Intensität sollte ich schön im GA1-Bereich halten. Auf den Berg durfte ich auch nur ein Mal. Das Resultat: Nach den sechs Tagen waren die Beine zwar ordentlich schwer, aber die Intensität war genau richtig dosiert um jetzt zuhause voll auf der Höhe zu sein.

Aber zurück auf die Insel: Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder in der kurzen Radhose unterwegs zu sein und den Wind auf der Haut zu spüren. Da merkte man erstmal, wie sehr einem dieses Gefühl den Winter über gefehlt hat. Und umso mehr Haut in der Sonne, desto mehr Vitamin D und das soll ja gerade für uns Sportler besonders wichtig sein.

Auf das Wetter war fast immer Verlass

Nur an einem der sechs Tage hatten wir mit Regen zu kämpfen, dafür aber so richtig. Am Abend konnten wir von uns behaupten an diesem Tag zwei Schwimmeinheiten gemacht zu haben: Eine im Becken, die andere auf dem Rad. Dafür hat sich an den anderen Tagen zum größten Teil die Sonne durchgesetzt und wurde nur ab und zu von ein paar Wolken verdrängt. Ein sehr zuverlässiger Begleiter an allen Tagen war der Wind. Das war mal super, mal auch echt fies. Super war es zum Beispiel auf dem Weg nach Portocolom, als wir auf dem Hinweg mal ganz entspannt auf gerader Strecke mit 55 km/h im GA1-Bereich vor uns hin „geradelt“ sind. Fies war es, als wir am selben Tag wieder zurück nach Alcudia mussten… aber wie sagt man so schön: Von nix kommt nix!

Nette Menschen kennenlernen

Nicht nur sportlich gab’s viel Schönes, auch durften wir nette neue Bekanntschaften machen. Am zweiten Tag waren wir spontan für eine Ausfahrt mit einem Freund aus Düsseldorf verabredet. Zufällig war er zeitgleich fürs Wochenende auf der Insel und war in einer kleinen Pension in Sineu speziell für Sportler untergekommen. Wir hatten das Glück, das Pensions-Besitzer Jan-Eric uns auf dem Rad begleitete und als Exil-Deutscher die Insel perfekt kennt. Beim klimatischen Vergleich zu Deutschland könnte man sagen: er hat alles richtig gemacht. Wir hatten eine wunderschöne Tour über Strecken, die wir so auf eigene Faust wohl nicht gefunden hätten. Mittags machten wir Pause auf dem Marktplatz eines kleinen Dorfes, wo wir gewärmt von der Sonne, ein köstliches mallorquinisches Brot mit Käse, Thunfisch und Olivenöl verdrückten… nur zu empfehlen. Jan-Eric erzählte von seinen Plänen und dem gerade stattfindenden Ausbau seiner Pension auf sechs Zimmer. Beim nächsten Mallorca-Trip werde ich ihm sicher mal einen Besuch abstatten.

Peiniger Freunde | Peiniger Freunde

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Einmal auf den Berg darf natürlich nicht fehlen

Am dritten Tag stand ausnahmsweise etwas mehr Belastung auf dem Trainingsplan. Die Chance haben wir genutzt, um uns die Ironman 70.3 Radstrecke vorzunehmen: Einmal von Pollenca aus hoch nach Lluc! Um diese Jahreszeit hat man die Strecke so gut wie für sich allein, nur eine Hand voll anderer Radfahrer war unterwegs. Oben mussten wir feststellen, dass es auch auf Mallorca kalt sein kann, denn mehr als 0 Grad waren es auf einmal nicht mehr. Neben der Straßen tauchte sogar hin und wieder mal ein kleinerer Schneehaufen auf… crazy! Aber gut, beim Erklimmen des Anstiegs wurde mir auch so warm genug. Richtig fies wurde es erst auf der Abfahrt, denn die war dann wirklich, wirklich kalt. So war ich froh, als wir zurück im Tal bei 14 Grad angekommen waren und uns wieder warmfahren konnten. Trotz Kälte war das Erklimmen des Anstiegs mit seinen Serpentinen und dem weiten Blick über die Insel eines der Highlights der Woche.

Rad Berg Kurve | Rad Berg Kurve

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Fazit: Mallorca im Februar ist absolut zu empfehlen

Wer einfach mal dem tristen Wetter in Deutschland entfliehen will, der sollte auf jeden Fall im Februar mal nach Mallorca ausweichen. Klar, es ist für die Meisten noch nicht die Zeit für intensives Training, aber es tut einfach gut, sich mal die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Ein weiterer Pluspunkt: Die Preise für die Unterkunft sind zu diese Jahreszeit grandios günstig. Also… auf geht’s!

P.S. Hier noch zwei Dinge die sich als besonders praktisch erwiesen:

• Mit der Airberlin Service-Card kann man für knapp 120 Euro im Jahr sein Sportgepäck auf jedem Flug ohne Aufpreis mitnehmen.

• Man kann sich einen robusten Bike-Koffer einfach beim Case-Bauer aus der Veranstaltungstechnik günstig, und nach Maß bauen lassen.