Böcherers Blog Eingegangen wie ein Primelpott

Langstrecke | 27. April 2012
Leider konnte ich beim Ironman Südafrika weder das Ziel, noch mein Ziel erreichen. Bevor ich Ursachenforschung betreiben möchte, schreibe ich aber noch einen kurzen Rennbericht.
Nachdem das Wetter in den Tagen vor dem Rennen schön und windstill war, begann es am Rennmorgen zu regnen und sehr stark zu winden. Das Meer war dementsprechend aufgewühlt, eigentlich so gar nicht meine Bedingungen. Nach gutem Start bin ich trotzdem als Führender um die erste Boje nach 250 Metern. Da die Orientierung in den Wellen ohne das Führungskajak sehr schwer werden würde, habe ich sofort versucht, die Führungsgruppe zu verkleinern. Bald waren Clemente McKernan und ich alleine an der Spitze, die anderen Athleten sollten über drei Minuten verlieren.

Nach einem guten Wechsel konnte ich sofort die alleinige Führung übernehmen. Der Wind blies mittlerweile mit 60-70 km/h. 25 Kilometer lang ging es frontal gegen den Wind, 25 Kilometer mit dem Wind im Rücken und 10 Kilometer mit Seitenwind. Obwohl ich die Radstrecke nur mit sanftem Druck angegangen bin, machte sich schon nach der ersten 60-Kilometer-Runde eine gewisse Ermüdung bemerkbar. Nach der zweiten Runde bekam ich leichten Hustenreiz, den ich immer bei Überanstrengung bekomme, beispielsweise letztes Jahr im Ziel auf Hawaii. Spätestens da war mir klar, dass heute nicht mein ganz großer Tag werden würde: Aber eine Langdistanz besteht immer aus vielen Hochs und Tiefs, vielleicht würde ja beim Laufen alles besser. Noch lag ich ja in Führung..
Gegen Ende des Radparts fiel es mir zunehmend schwerer, mich in den Kurven zu konzentrieren. Das Absteigen vom Rad war wie immer grausam, nach dem Schuhanziehen geht es bei mir eigentlich meist wieder. Diesmal tat mir auch nach dem Wechsel einfach nur alles weh, der Kopf versuchte den Körper mit vielen positiven Gedanken aufzumuntern. In der Hoffnung, dass ich mich irgendwie wieder fangen würde, habe ich mich dann über die erste der drei Laufrunden gequält. Das Schlimmste war nicht, die Führung abzugeben oder  weitere Positionen zu verlieren, das Schlimmste war, nicht zeigen zu können, was ich mir im Lauftraining erarbeitet hatte. Das Laufgefühl wollte sich einfach nicht einstellen. Bald war ich kurz davor, einige Gehpausen einzulegen und nach etwa 18 Kilometern habe ich beschlossen, das Rennen aufzugeben. Alleine aus dem Grund, dass ich bei einem Finish keine andere Langdistanz bis Hawaii mehr machen könnte und ich nicht mit einem so negativen Gefühl nach Kona fliegen möchte. Die Enttäuschung war natürlich riesig und lässt sich nicht so einfach in Worte fassen.
Ursachenforschung
Nach dem ordentlichen Rennen in Abu Dhabi mit einem sehr starken Gefühl auf dem Rad wollten mein Trainer und ich die restlichen sieben Wochen nutzen, um mich vor allem auf den abschließenden Marathon vorzubereiten. Leider haben wir dabei wohl das Radtraining zu knapp geplant und das extrem schlechte Wetter in Deustchland hat mich zusätzlich dazu gezwungen, die eine oder andere Einheit kürzer zu gestalten als es eigentlich vorgesehen war. Oder sogar ganz ausfallen zu lassen. Bei 5° C und Regen kann man keine fünf Stunden Radfahren. Und wenn Du am Renntag schon auf dem Rad eingehst wie ein Primelpott, dann hilft Dir auch die beste Laufform nix. Wenn ich mir meine guten Ironmanrennen anschaue, so war ich immer dann gut, wenn ich viel auf dem Rad trainiert hatte . Auch und besonders in den letzten 6 Wochen vor dem Rennen.
Jetzt muss ich meine Saison komplett umplanen. Entweder ich steige direkt wieder ins Training ein und mache schon in den nächsten Wochen einen Ironman oder ich mache eine Pause und baue für ein Sommerrennen wieder neu auf.
Bevor ich mich entscheide, gehe ich eine Runde Radfahren oder Laufen, das mache ich schließlich am liebsten.
bis dahin,
Andi