Eneko Llanos fliegt zum Sieg, Raelert Dritter

Der Spanier Eneko Llanos hat die dritte Auflage des Ironman 70.3 Mallorca gewonnen. Mit einer exzellenten Laufleistung stürmte der 36-Jährige in 3:52:36 Stunden vor dem Belgier Bart Aernouts und Andreas Raelert zum Sieg. Der Jungprofi Tim Meyer wurde Vierter.

Von > | 11. Mai 2013 | Aus: SZENE

Eneko Llanos | Eneko Llanos rennt mit Wahnsinnshalbmarathon zum Sieg beim Ironman 70.3 Mallorca.

Eneko Llanos rennt mit Wahnsinnshalbmarathon zum Sieg beim Ironman 70.3 Mallorca.

Foto >Michael Rauschendorfer

Eneko Llanos schlug zu wie ein Phantom. In den Tagen vor dem Ironman 70.3 Mallorca hatte sich der zurückhaltende Spanier nur wenig gezeigt, wie das eben so seine Art ist. Er war so wenig zu sehen in Alcudia, dass bereits darüber spekuliert worden war, ob der 36-Jährige überhaupt antreten würde. Aber das tat er. Mächtig. Auf der zweiten Hälfte des Halbmarathons flog Llanos seinen Konkurrenten davon und zum Sieg bei der dritten Auflage des Rennens, das bis dato Andreas und Michael Raelert im Wechsel für sich entschieden hatten.

Mit der Form aus Melbourne

Ein wenig ging es Andreas Raelert im Rennen wie Marino Vanhoenacker und Craig Alexander, die Eneko Llanos in diesem Frühjahr beim Ironman in Melbourne im Marathon distanziert hatte. Nach dem Radfahren ließ es der Spanier wie üblich erst einmal zügig-kontrolliert angehen, bevor er sich mit jedem Kilometer weiter in den Blickpunkt schob. „Es war ein verrücktes Rennen“, erklärte Llanos später, „ich bin unheimlich froh, dass ich die Form von Melbourne mit hierher bringen konnte.“

Als 14. war Llanos in einer große Gruppe aus dem Wasser gekommen, nachdem in der Bucht von Alcudia vor allem der Franzose Stephane Poulat 1,9 Kilometer lang das Tempo bestimmt hatte. Nach schnellen 22:03 Minuten spurtete Poulat über den Sand der Promenade von Alcudia in Richtung Wechselzone und zog nahezu alle Favoriten hinter sich her. Andreas Raelert lag auf Platz elf (22:11 Minuten) und wechselte knapp hinter dem schnellsten Mann in der Wechselzone, dem Franzosen Bertrand Billard, aufs Rad. Billard war 2011 Zweiter hinter Raelert gewesen und hatte dem Deutschen damals auf dem Rad ordentlich zugesetzt.

Billard-Spiele

Diesmal bildete sich auf dem 90-Kilometer-Kurs rasch eine kleine Gruppe, zu der zwar auch Andreas Raelert als Topfavorit gehörte, aber neben Billard eben auch der US-Amerikaner Andrew Starykowicz. Der wahrscheinlich schnellste Radfahrer im Langstrecken-Zirkus zog mit Billard bald auf dem Weg bergauf in Richtung Kloster Lluc von dannen. Je länger der Anstieg ins Tramuntana-Gebirge dauerte, desto beständiger wuchs der Vorsprung an – allerdings war es nicht Starykowicz, sondern Billard, der das hier Tempo bestimmte. Dahinter formierte sich eine achtköpfige Verfolgergruppe mit Andreas Raelert und Eneko Llanos, aber unter anderem auch mit dem starken jungen Deutschen Tim Meyer. Dieser war zwar zuvor bereits für seine läuferische Stärke nicht nur seit Platz drei beim Ironman 70.3 Phuket im vergangenen Dezember bekannt – aber insgesamt ist er ein noch recht unbeschriebenes Blatt. Der 23-Jährige hatte 2012 gar keine Profilizenz gelöst und etablierte sich in Alcudia dann gleich beim ersten Saisonrennen 2013 in diesem Weltklassefeld ganz weit vorne.

Starykowicz und Billard setzten sich von der Verfolgergruppe zunächst auf gut zwei Minuten ab, bis es nach der langen Abfahrt nahe Inca ins wellige und typisch mallorquinische Terrain hineinging. Dort startete Starykowicz dann seine erwartete Attacke. Nach gut 50 Kilometern trat er an und fuhr bis zur Wechselzone mehr als vier Minuten Vorsprung auf Billard heraus. Die Achtergruppe mit Llanos und Raelert folgte wenige Sekunden nach Billard.

Show-Down zwischen Aernouts, Raelert und Llanos

Anschließend begann im Halbmarathon eine wilde Jagd. „Es war hart, extrem hart“, erklärte der Belgier Bart Aernouts, der auf dem Rad am Ende der Strecke zur Gruppe der Verfolger den Anschluss gefunden hatte. Andreas Raelert sorgte zunächst mit Aernouts für das Tempo und verkleinerte den Rückstand auf Starykowicz von Kilometer zu Kilometer. Bei der Hälfte der Laufstrecke lag der Amerikaner noch vorne, aber sein Vorsprung war auf eine halbe Minute zusammengeschrumpft. Kurz danach überholten Aernouts und Raelert den Belgier. Von hinten drückte Llanos, und so entwickelte sich auf dem letzten Drittel der Strecke ein echter Show-Down.

„Es war ein sehr, sehr starker Lauf“, sagte Llanos im Ziel. Nach 14 Kilometern übernahm er die Führung und zog in seinem typischen Stil an den jubelnden Landsleuten vorbei zur schnellsten Laufzeit von famosen 1:08:42 Stunden.  „Als Spanier hier zu gewinnen, macht mich sehr glücklich“, erklärte er lächelnd. In 3:52:36 Stunden gewann er am Ende des hart umkämpften Rennens mit nur 18 Sekunden Vorsprung auf Bart Aernouts. Andreas Raelert spürte auf den letzten Kilometern die Wärme des Tages, den Wind und wahrscheinlich auch etwas die Nachwehen einer langen Anreise aus seinem Trainingslager in den USA. Er wurde in 3:54:43 Stunden Dritter und zeigte Respekt vor dem Sieger: "Eneko hat ein extrem starkes Rennen gezeigt. Ich bin nicht zu 100 Prozent zufrieden, da ich am Ende nicht mehr das ganz hohe Tempo mitgehen konnte. Aber das Rennen insgesamt war sehr gut."

70.3 Mallorca Sieger | Das Podium beim Ironman 70.3 Mallorca 2013: Bart Aernouts, Eneko Llanos, Andreas Raelert (v.l.n.r.)

Das Podium beim Ironman 70.3 Mallorca 2013: Bart Aernouts, Eneko Llanos, Andreas Raelert (v.l.n.r.)

Foto >Ironman.com

Starke Deutsche, zweifelhafter Ex-Radprofi

Den starken deutschen Profi-Auftritt in Alcudia rundeten Tim Meyer als Vierter und der Dritte der Ironman-70.3-EM, Boris Stein, auf Platz fünf ab. Vor die beiden schob sich am Ende noch ein Agegrouper, allerdings kein unbekannter: Antonio Colom flog in 2:09:45 Stunden über den Radkurs und war damit sogar rund zwei Minuten schneller als Andrew Starykowicz – und lief anschließend auf den fünften Gesamtrang. Colom ist Mallorquiner und Ex-Radprofi. Im April 2009 wurde er positiv auf EPO getestet und danach für zwei Jahre gesperrt. Mit Andreas Dreitz landete ein weiterer Deutscher in den Top-Ten bei den Profis. Daniel Unger musste sich bei seiner Ironman-70.3-Premiere in 4:06:25 Stunden mit Rang 16 begnügen. Bester Schweizer wurde Jan Van Berkel auf Platz 9.

Ironman 70.3 Mallorca | Männer

  1. Mai 2013, Port d'Alcudia (ESP)

Name

Nation

Gesamt

1,9 km Swim

90 km Bike

21,1 km Run

1

Eneko Llanos

ESP

3:52:36

22:17

2:16:58

1:08:41

2

Bart Aernouts

BEL

3:52:54

23:51

2:15:36

1:09:10

3

Andreas Raelert

GER

3:54:43

22:13

2:17:11

1:11:03

4

Tim Meyer

GER

3:55:58

23:44

2:15:36

1:12:00

5

Boris Stein

GER

3:56:08

25:31

2:15:52

1:10:33

6

Stephane Poulat

FRA

3:56:09

22:03

2:17:11

1:12:17

7

Andrew Starykowicz

USA

3:56:35

22:16

2:11:58

1:17:29

8

Bertrand Billard

FRA

3:59:38

22:10

2:16:32

1:16:12

9

Jan Van Berkel

SUI

4:00:51

22:33

2:16:56

1:17:08

10

Andreas Dreitz

GER

4:01:26

23:46

2:14:51

1:17:55

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