Eneko Llanos gewinnt Ironman-EM vor Jan Raphael

Viermal stand Eneko Llanos bei Langdistanzen in Deutschland auf dem Podium, im fünften Anlauf hat es mit dem ersten Sieg geklappt. Durch einen starken Marathon setzte sich der Spanier beim Ironman Frankfurt gegen ein Weltklassefeld durch und sicherte sich den EM-Titel vor dem Hannoveraner Jan Raphael.

von | 7. Juli 2013 | Aus: Szene

Eneko Llanos

Eneko Llanos jubelt über Sieg bei IM FRankfurt 2013

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Als Eneko Llanos merkte, dass er den Ironman Frankfurt in einer Zeit unter von acht Stunden gewinnen könnte, kannte er keine Freunde mehr. Statt seinen Erfolg in vollen Zügen zu genießen und mit den Fans vor dem Römer ausgiebig abzuklatschen, legte sich der Spanier nochmal richtig ins Zeug. Es hat sich gelohnt: Ein langer Zielspurt sicherte ihm in 7:59:58 Stunden das gewünschte Ergebnis. Platz zwei erkämpfte sich der Hannoveraner Jan Raphael in 8:07:19 Stunden vor Bas Diederen aus den Niederlanden.

Für Llanos, dem Sieger des Ironman Melbourne im März und des 70.3-Rennens auf Mallorca im Mai, ist es der größte Erfolg seiner Karriere. Bereits viermal hatte der ruhige Baske in Frankfurt und bei der Challenge Roth auf Platz zwei oder drei gestanden. Nun gelang ihm bei fast 30 Grad im Schatten der Sprung nach ganz oben aufs Podest - und in die Favoritenrolle für die Ironman-WM auf Hawaii am 12. Oktober.

Vanhoenacker zieht davon

Am Morgen war Llanos gemeinsam mit 22 Profi-Kollegen nach 3,8 Kilometer Schwimmen fast zeitgleich aus dem Langener Waldsee vor den Toren Frankfurts gestiegen. Ein kurzer Endspurt verhalf Harry Wiltshire, der im späteren Rennverlauf keine Rolle mehr spielen sollte, zur schnellsten Schwimmzeit. Genau 46 Minuten benötigte der Brite, der mit Ausnahme von Sebastian Kienle alle Mitfavoriten im Schlepptau in die erste Wechselzone führte.

Nach dem Sprung aufs Rad das gewohnte Bild: Titelverteidiger Marino Vanhoenacker übernahm wie bei den 2012er Rennen in Frankfurt und auf Hawaii sofort die Führungsarbeit. Bis Kilometer 20 blieben rund 20 Athleten an dem Belgier dran, dann nutzte dieser den Anstieg „The Hell“ für eine Attacke. Im Wiegetritt erhöhte der bekannt starke Pedaleur das Tempo und brachte Meter um Meter zwischen sich und seine Verfolger. Einzig Llanos versuchte in dieser Phase, den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Doch 20 Kilometer später wurde er von einer Sechsergruppe mit Ironman-Weltmeister Pete Jacobs, dem Belgier Axel Zeebroek und den Deutschen Andreas Böcherer, Jan Raphael und Michael Raelert wieder geschluckt.

Eneko Llanos

Gut geschwommen, solide gefahren, schnell gelaufen: Eneko Llanos ist der Sieger von Frankfurt.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Kienle mit 3:25 Rüchstand nach dem Schwimmen

Während sich das Rennen an der Spitze danach etwas beruhigte und Vanhoenacker die Lücke auf die sechs konstant vergrößerte, versuchte weiter hinten Mitfavorit Sebastian Kienle den Anschluss an die Verfolgergruppe herzustellen. Mit 3:25 Minuten hatte der Karlsruher den Rückstand in seiner Sorgendisziplin, dem Schwimmen, in Grenzen halten können. Doch wer hoffte, Kienle würde auf dem Rad sofort zum Angriff blasen, wurde enttäuscht. Nach Verletzungspech und Trainingsrückstand im Frühling war er nicht in der Lage und noch nicht einmal willens, den Abstand auf die Spitze zu verkürzen. Zwar passierte er nach und nach zahlreiche schnellere Schwimmer und arbeitete sich von Rang 31 auf Platz zehn vor, doch mit dem Bikesplit von 4:30:28 Stunden verlor Kienle auf die Schnellsten sogar noch etwas an Boden.

Bereits zwölf Minuten vor Kienle war Vanhoenacker nach 4:20:25 Stunden auf dem Zeitfahrbike in die Laufschuhe gewechselt. Doch schnell wurde klar, dass der Belgier seinen zehnten Sieg bei einem Ironman nicht am heutigen Tag würde feiern können. Bereits auf den ersten fünf Kilometern büßte der 36-Jährige die Hälfte seines fünfminütigen Vorsprungs ein. Dies lag vor allem an Jan Raphael und Eneko Llanos, die den Marathon mit Kilometerzeiten knapp über 3:30 Minuten in einem solchen Höllentempo angingen, das nicht mal der starke Läufer Pete Jacobs mitgehen konnte. Der Hawaii-Sieger von 2012 blieb zwar zunächst noch in Schlagdistanz, musste dann aber immer wieder Gehpausen einlegen. Am Ende erreichte er das Ziel mehr als eineinhalb Stunden nach dem Sieger, erfüllte damit aber immerhin seinen Pflicht-Ironman für die Hawaii-Qualifikation.

petejacobs

Schneller Schwimmer: Pete Jacobs führt die erste Schwimmgruppe beim kurzen Landgang nach 2,1 Kilometern an.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Raphael verliert Führung auf dem Dixi

Auf den vier Laufrunden am Mainufer sortierte sich das Feld komplett neu. Jan Raphael zog nach zehn Kilometern an Vanhoenacker vorbei und ließ die vielen Triathlon-Fans in Deutschland kurzzeitig vom neunten Sieg eines heimischen Athleten in Frankfurt träumen. Jedoch währte die Hoffnung nur kurz, denn wenige Hundert Meter später nutzte Llanos einen Toiletten-Gang von Raphael, um zum ersten Mal die Führung zu übernehmen. Er sollte sie nicht mehr abgeben.

Mit dem schnellsten Marathon des Tages (2:44:12 Stunden) brachte Llanos seinen dritten großen Erfolg in diesem Jahr unter Dach und Fach. Dahinter kam Raphael ungefährdet auf Platz zwei. Der Niederländer Bas Diederen lief sich in der Schlussphase noch auf den dritten Platz. Eine konstante Leistung sicherte Andreas Böcherer Platz fünf, Michael Realert wurde Siebter.

Für Kienle sprang am Ende eine Top-Ten-Platzierung heraus. Hatte es zwischzeitlich so ausgesehen, als könnte es der Hawaii-Vierte noch aufs Podium schaffen, zollte er auf den letzten Kilometern seinem hohen Anfangstempo Tribut. Schlimmer noch erwischte es Topfavorit Vanhoenacker, der auf Rang 19 durchgereicht wurde.

Ironman Germany | Männer

7. Juli 2013, Frankfurt (GER)

Gesamt 3,8 km Swim 180 km Bike 42,195 km Run

1

Eneko Llanos (ESP)

7:59:58

0:46:10

4:25:32

2:44:12

2

Jan Raphael (GER)

8:07:19

0:46:12

4:25:41

2:51:21

3

Bas Diederen (NED)

8:12:07

0:46:10

4:34:00

2:47:58

4

Axel Zeebroek (BEL)

8:14:41

0:46:08

4:25:48

2:58:40

5

Andi Böcherer (GER)

8:15:13

0:46:06

4:25:51

2:59:14

6

Christian Ritter (GER)

8:16:30

0:46:01

4:34:04

2:52:06

7

Michael Raelert (GER)

8:16:58

0:46:08

4:31:07

2:56:04

8

Maxim Kriat (UKR)

8:18:10

0:46:09

4:36:46

2:49:20

9

Sebastian Kienle (GER)

8:18:38

0:49:25

4:30:28

2:55:12

10

David Dellow (AUS)

8:19:03

0:46:14

4:33:51

2:54:05

11

Stephan Vuckovic (GER)

8:21:50

0:48:03

4:36:50

2:52:50

15

Per Bittner (GER)

8:26:43

0:46:21

4:40:48

2:55:28

16

Daniel Unger (GER)

8:30:04

0:46:09

4:36:34

3:03:31

21

Marino Vanhoenacker (BEL)

8:34:00

0:46:23

4:20:25

3:23:05

22

Ivan Rana (ESP)

8:34:27

0:46:14

4:43:53

3:00:28

27

Uwe Widmann (GER)

8:40:23

0:46:18

4:32:55

3:16:40

161

Pete Jacobs (AUS)

9:33:23

0:46:07

4:25:49

4:17:26

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